19.09.2019 - 18:24 Uhr
RegensburgOberpfalz

Eltern und Schwester getötet: Angeklagter muss in Psychiatrie

Weil er seine Eltern und seine Schwester getötet hat, muss ein 41-Jähriger nun in die Psychiatrie. Das Landgericht Regensburg spricht den Mann wegen Schuldunfähigkeit frei.

Der Angeklagten im Verhandlungssaal des Landgerichts.
von Autor AHSProfil

Nach nur zwei Verhandlungstagen hat das Landgericht Regensburg einen 41 Jahre alten Elektroniker vom Vorwurf des Totschlags in drei Fällen wegen Schuldunfähigkeit frei gesprochen - und ihn auf unbestimmte Zeit in eine psychiatrische Einrichtung überstellt. Ein weiterer Vorwurf, der tätliche Angriff auf einen Vollstreckungsbeamten, war im Vorfeld eingestellt worden.

Am 2. März dieses Jahres war es zwischen dem Angeklagten und seinen Vater aus eher nichtigem Anlass zu einem Streit gekommen. In dessen Verlauf schubste der Angeklagte seinen 72-jährigen Vater, der dabei zu Boden ging. Als seine Mutter (69) und seine 37 Jahre alte Schwester hinzu kamen und die Polizei rufen wollten, damit diese ihn wieder in das Bezirkskrankenhaus Mainkofen einliefern, rastete er aus und schlug zunächst mit den Fäusten auf sie ein. Dann trat er mit dem Fuß gegen ihre Köpfe. Etwa eine halbe Stunde später holte er einen Hammer und schlug damit gegen ihre Köpfe. Mit der Tat wollte er eine neuerliche Einlieferung ins Bezirksklinikum verhindern.

Seit Jahren schizophren

Der Angeklagte leidet seit Jahren an einer chronischen paranoiden Schizophrenie. Dies hatte auch das Landgericht Regensburg 2007 in seinem Urteil wegen Hehlerei festgestellt und ihn wegen Schuldunfähigkeit freigesprochen. Die angeordnete Unterbringung in einer Psychiatrie wurde damals zur Bewährung ausgesetzt, weil der Angeklagte erstmals begonnen hatte, sich einer freiwilligen Therapie zu unterziehen. Bis zum Herbst vergangenen Jahres befand er sich vier Mal in stationärer Behandlung, unter anderem wegen eines Suizidversuchs. Von Anfang an hatte der Angeklagte die Tötung seiner Familie gegenüber der Polizei, dem Ermittlungsrichter und auch vor dem Gericht gestanden. Dabei berief er sich auf Notwehr, um dem Klinikaufenthalt zu entgehen. Zudem sprach er von schwarzer Magie, die ihn befallen habe.

Großes Risiko

Am zweiten Verhandlungstag berichtete der Psychiater, der den Angeklagten über Jahre therapierte, von wechselnden Erfolgen. In dieser Zeit habe er auch eine "Heilbringerin" aufgesucht, die in die Behandlung eingegriffen und ihn beeinflusst habe. Der Angeklagte sei auch von einem fanatischen Heilveganismus besessen gewesen. Die "Heilbringerin" habe ihm geraten, auf die Medikamente der Schulmedizin zu verzichten und sich stattdessen mit Bachblüten zu therapieren. Etwa ein halbes Jahr vor der Tat habe sich der Angeklagte in einem uneinsichtigen psychotischen Zustand befunden, weshalb der Psychiater die Verantwortung nicht mehr übernehmen konnte. Er habe das Arzt-Patientenverhältnis gelöst und dem Betreuungsgericht einen "dringenden Handlungsbedarf" angezeigt.

Vorbericht zum Prozess

Regensburg

Der vom Gericht bestellte Sachverständige ging in seinem Gutachten auf die Krankheitsgeschichte des Angeklagten ein und sprach dabei von einem "seit 2001 langsam schleichenden Beginn". Bei Begehung der Tat sei bei ihm die Steuerungsfähigkeit aufgehoben und eine Einsichtsfähigkeit nicht gegeben gewesen. Zudem zeige der Proband keine Krankheitseinsicht, was das Risiko der Fremdgefährdung um das Acht- bis Zwölffache erhöhen würde.

In seinem Schlussvortrag ging Staatsanwalt Thomas Kamm ausführlich auf die bisherige Lebensgeschichte des Angeklagten ein, da diese für die Beurteilung der Tat von ausschlaggebender Bedeutung sei. Zweifelsfrei habe er drei Menschen getötet, könne aber wegen dieser Tat mangels Schuldfähigkeit nicht verurteilt werden. Er sprach sich für eine unbefristete Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung aus. Verteidiger Max Zollner kam zum selben Ergebnis der Beweisaufnahme. Lediglich zur Frage der Unterbringung wollte er sich nicht äußern.

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