18.09.2019 - 16:19 Uhr
RegensburgOberpfalz

In "Notwehr" eigene Familie ausgelöscht

Prozessauftakt im Landgericht Regensburg: Ein 41-jähriger Angeklagter soll seine Eltern und seine Schwester umgebracht haben. Der Mann spricht von Notwehr.

Der Angeklagte wird von Polizisten in den Verhandlungssaal des Landgerichts geführt.
von Autor AHSProfil

Die dramatische Familientragödie erschütterte im Frühjahr die Bevölkerung in Ostbayern. Mit großem Medieninteresse begann am Mittwoch der Prozess gegen einen 41-jährigen Elektroniker wegen Totschlags in drei tateinheitlichen Fällen vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Regensburg unter Vorsitz von Richter Michael Hammer. Vorgesehen sind drei Verhandlungstage.

Der psychisch kranke Angeklagte war bereits in der Vergangenheit auffällig gewesen und deshalb im Bezirksklinikum Mainkofen stationär untergebracht. Erst als sein Onkel die Betreuung für ihn übernahm, wurde er dort entlassen und lebte seitdem bei seinen Eltern (72, 69) und seiner 37 Jahre alten Schwester in Ascholtshausen. Auch in dieser Zeit war es zu mehreren Polizeieinsätzen gekommen.

Zwei Tage kein Kontakt

Den Feststellungen der Staatsanwaltschaft zu Folge war es am Abend des 2. März zu einer tätlichen Auseinandersetzung gekommen. In deren Verlauf schlug er zunächst seine Schwester, dann seine Eltern mit den Fäusten nieder, um dann mit den Füßen auf deren Köpfe einzutreten. Etwa eine halbe Stunde später holte er aus der Garage einen Hammer und schlug damit auf ihre Köpfe ein, bis der Tod eintrat. Zwei Tage später riefen Verwandte bei der Polizeiinspektion Mallersdorf an, weil sie keinen Kontakt mehr zur Familie hatten. Da der Angeklagte bekannt war, fuhren drei Streifenwagen mit sieben Mann Besatzung zum Wohnanwesen. Der Angeklagte ließ sie jedoch nicht ins Haus, sodass sie sich gewaltsam Zutritt verschaffen mussten. Im Gebäudeinneren ging der Angeklagte mit drohend erhobenen Händen auf einen der Beamten zu und trat ihm, als er unmittelbar vor ihm stand, mit dem Knie in den Genitalbereich.

Verteidiger Max Zollner überließ es seinem Mandaten, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Dieser bestritt zunächst, den Polizeibeamten verletzt zu haben. Richtig sei vielmehr, dass er von diesem zu Boden gebracht wurde. Dann habe er ihm eine Pfefferspraydose vor die Nase gehalten und gedroht: "Wenn du noch was sagst, drücke ich ab." Dann erzählte er, dass seine Oma die ganze Familie verflucht habe, weshalb diese sich der schwarzen Magie verschrieben habe. Auch er sah sich telepathischen Angriffen ausgesetzt. Am Tatabend sei es zu einem Streit mit seinem Vater gekommen, weil dieser sich weigerte, zu dem von ihm vorgeschlagenen Stromanbieter zu wechseln. Dabei habe er ihn geschubst, sodass dieser hinfiel. Da sei seine Mutter hinzugekommen, habe nach seiner Schwester gerufen und ihr gesagt "Ruf die Polizei, wir bringen ihn wieder nach Mainkofen". Das habe er verhindern wollen, da er sich dort nicht wohlfühlte.

Auch die Katzen tötete er

Am Einsatz beteiligte Polizeibeamte sagten als Zeugen aus, dass sie beim Eintreffen über ein Fenster im ersten Stock Kontakt zum Angeklagten hatten. Dieser habe behauptet, dass seine Familie im Urlaub wäre, er wollte sie nicht ins Haus lassen. Deshalb sei eine Eisenramme zum Einsatz gekommen. Diese scheiterte jedoch an der massiven Haustüre. Über ein Kellerfenster gelangten sie schließlich ins Gebäudeinnere, wo sie der Angeklagte auf der Treppe erwartete. Dann kam es zu der Attacke gegen einen Kollegen. Als sich der Angeklagte noch auf dem Boden liegend wehrte, habe sich dieser auf ihn gesetzt und ihm mit Pfefferspray gedroht. Dabei zeigte er ihm auch die Dose. Bei der Nachschau hatten sie dann die drei Leichen sowie drei tote Katzen entdeckt.

Auf der Fahrt von Ascholtshausen nach Straubing hatte der Angeklagte einen großen Redebedarf. Vorher sei er mehrmals über seine Rechte belehrt worden. Dabei erzählte er auch, dass er seit Jahren von seiner Familie gegängelt wurde, obwohl er eigentlich der Intelligenteste sei. Er wollte auf keinen Fall mehr nach Mainkofen. Er habe zusätzlich mit einem Hammer auf die Köpfe eingeschlagen, um sicherzugehen, dass alle wirklich tot sind. Ihren Puls habe er aber nicht fühlen wollen, davor habe er sich geekelt. Die Katzen habe er mit einem Stock erschlagen, da diese aggressiv gewesen seien und ihn genervt hätten. Das mit seinen Eltern täte ihm schon leid, das mit seiner Schwester nicht.

Der im Anschluss gehörte Rechtsmediziner berichtete von ganz massive Verletzungen, die an den Leichen von ihm festgestellt wurden. Alle drei Toten wiesen Schädelbasisbrüche auf. Auch Abschürfungen an den Händen stellte der Gerichtsmediziner fest, was auf Abwehrhandlungen schließen lässt. Nicht abschließend konnte geklärt werden, ob der Tod bereits durch die Tritte gegen die Köpfe oder durch die später erfolgten Hammerschläge eintrat.

Der Prozess dauert an. Dabei muss auch geklärt werden, ob der Angeklagte im Zustand der Schuldunfähigkeit gehandelt hat oder ob diese nur erheblich eingeschränkt war.

Das Urteil

Regensburg
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