31.05.2020 - 12:22 Uhr
RegensburgOberpfalz

Fronten im katholischen Reformprozess verhärten sich

Dass der "Synodale Weg", den die katholische Kirche eingeschlagen hat, kein leichter sein würde, war von Anfang an klar. Nun haben sich zu Pfingsten die Fronten in dem zentralen Reformprozess anscheinend noch einmal verhärtet.

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer gehört zu den Kritikern des "Synodalen Wegs". Gerade an Pfingsten verhärten sich die Fronten im katholischen Reformprozess.
von Agentur DPAProfil

Das Pfingstwunder gilt als Geburtsstunde der Kirche und hat viel mit Verständigung zu tun. Die Apostel in Jerusalem, so heißt es in der Bibel, wurden "vom Heiligen Geist erfüllt" und konnten plötzlich fremde Sprachen sprechen und verstehen. Ein solches Wunder würde der katholischen Kirche in Deutschland im Moment auch gut tun. Denn ausgerechnet zu Pfingsten haben sich die Fronten zwischen Reformern und Bewahrern im so wichtigen Reformprozess, dem "Synodalen Weg", offenbar verhärtet.

So nimmt der erklärte Kritiker dieses Weges, der konservative Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer, Corona-bedingte Änderungen im geplanten Ablauf des Reformprozesses zum Anlass, schwere Geschütze aufzufahren gegen das Präsidium des "Synodalen Wegs". Und dem stehen immerhin der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Georg Bätzing, und der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, vor.

Am Pfingstwochenende kritisiert der Regensburger Bischof in einem Protestbrief "hierarchische" und "autoritäre Alleingänge". Hintergrund ist, dass die für September geplante zweite Synodalversammlung in Frankfurt am Main wegen der Corona-Pandemie

nicht stattfinden und durch fünf kleinere Regionalkonferenzen ersetzt werden soll. "Fünf Orte - Ein Weg", heißt es in einer entsprechenden Pressemitteilung.

Eine organisatorische Frage, könnte man meinen, eine Kleinigkeit - vor allem in diesen Zeiten. Aber Voderholzer sieht Verstöße gegen die Satzung des "Synodalen Wegs" und zitiert verschiedene Artikel daraus, um diese Verstöße zu belegen. Die geplante Vollversammlung lasse sich doch problemlos als Videokonferenz durchführen.

Voderholzer gilt - wie auch der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki - als entschiedener Kritiker des "Synodalen Wegs", der sich unter anderem mit Fragen der katholischen Sexualmoral, dem Zölibat und der Rolle der Frau in der Kirche befassen soll. Oberstes Organ des "Synodalen Wegs" ist die aus 230 Bischöfen, Gläubigen und Vertretern verschiedener Kirchenberufe besetzte Synodalversammlung. Ihre erste und bislang einzige Tagung fand Anfang Februar in Frankfurt statt. Einzelne Synodalforen befassten sich außerdem mit den hoch umstrittenen Einzelfragen.

Kurz vor Voderholzers Protestbrief hatte der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp seine Mitarbeit aufgekündigt in dem Forum "Leben in gelingenden Beziehungen", das sich mit dem für Katholiken so heiklen Thema Sexualmoral befasst. Er, der Sexualität und Fortpflanzung als nicht voneinander zu trennen betrachtet, sprach in der katholischen Zeitung "Die Tagespost" von einem "massiven Dissens in Kernfragen". Die im Forum mehrheitlich vertretene, liberalere Linie sei die seine nicht. "Wenn das Fundament eines Hauses in Treibsand gesetzt ist, vermag ich nicht daran mitzubauen", sagte er.

Doch nicht nur die konservative Seite geht in die Offensive - die liberalere auch. "Katholische Gläubige werden und wollen sich nicht in die Sekte zurückziehen", sagt der ZdK-Vorsitzende Sternberg der "Süddeutschen Zeitung". Der DBK-Vorsitzende Bätzing stellt im gleichen Interview fest: "Unsere Fragen schärfen sich durch Corona sogar." Und: "Wenn in der Krise die Frauen die Verliererinnen sind, weil sie die Hauptlast in den Familien schultern und beruflich zurückstecken, dann stellt sich auch die Frage nach der Rolle der Frauen in der Kirche noch deutlicher."

Auch sein Vorgänger an der DBK-Spitze, der Münchner Kardinal Reinhard Marx, der schon vorher als treibende Kraft hinter dem Reformprozess galt, wurde in seinem gerade veröffentlichten Buch "Freiheit" so deutlich wie wohl noch nie. Er fordert darin nicht weniger als eine grundlegende Erneuerung der katholischen Kirche und geht mit konservativen Widersachern hart ins Gericht.

Ohne Namen zu nennen schreibt er: Eine Kirche, "die in einer rein negativen Sicht der Moderne verharrt und sich zurückträumt in eine idealisierte Vergangenheit (...) ist nicht nur überholt, sondern sogar zu verhindern. Dass solche Stimmen zum Teil vermehrt zu hören sind, beunruhigt mich." Diese hätten "nichts gelernt aus der Geschichte". Er könne nicht akzeptieren, "dass der Weg der Kirche ein Weg in eine größere Enge, in einen stärkeren Fundamentalismus wird und sich möglicherweise sogar politisch, gesellschaftlich und auch theologisch auf eine autoritäre Restauration zubewegt".

In seiner Predigt am Pfingstsonntag in der Münchner Frauenkirche mahnt Marx in Zeiten sich verschärfender gesellschaftlicher Debatten eine respektvolle Kommunikation an - auch und vor allem innerhalb der Kirche. Es gebe derzeit ein "Durcheinander von Meinungen und Positionen" und Diskussionen, "die an Schärfe zugenommen haben". Man bekomme den Eindruck, "dass viele gar nicht mehr zuhören und verstehen wollen, sondern nur noch ihre Behauptungen und Positionen laut in die gesellschaftliche Debatte werfen".

Auch in der Kirche sei zu sehen, dass "ein wirkliches Verstehenwollen, ein Hören aufeinander, eine Bereitschaft, die verschiedenen Positionen und theologischen Meinungen miteinander ins Gespräch zu bringen, eher abnimmt", klagt der Kardinal laut

Redemanuskript. Bischof Bätzing betont im SZ-Interview, er "rechne nicht mit einem vorzeitigen Ende" des Wegs. Es sei schließlich unumgänglich, dass die Kirche sich mit den drängenden Fragen befasse. "Damit uns irgendwann wieder mehr Glaubwürdigkeit zugestanden wird."

Bischof Voderholzer engagiert sich im Forum zum Thema Frauen in Ämtern

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