05.08.2019 - 13:59 Uhr
RegensburgOberpfalz

Giftköder gefährden Tiere und Kinder

Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) beschäftigt sich derzeit mit dem Fund eines toten Rotmilans im Landkreis Regensburg. Das Tier hat möglicherweise eine Giftköder gefressen. Diese sind auch eine Gefahr für Kinder und Hunde.

Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) beschäftigt sich derzeit mit Fund eines toten Rotmilans im Landkreis Regensburg.
von Alexander Unger Kontakt Profil

Der Greifvogel lag neben einem Fleischbrocken auf einer Wiese und trug sogar einen Satellitensender. Bereits im April tauchten im Landkreis Eichstätt zwischen Ettling und Forchheim an der Donau zwei tote Greifvögel auf einem Acker auf. Die toxikologische Untersuchung der Rohrweihe und des Rotmilans aus Eichstätt konnte bei beiden streng geschützten Arten Rückstände von Carbofuran, einem hochtoxischen Kontaktgift, nachweisen und als Todesursache bestimmen. Unklar ist, ob die getöteten Vögel gezielt ausgelegte Giftköder gefressen haben. „Genauso wie es die geschützten Greifvögel erwischt hat, stellen möglicherweise ausgelegte Giftköder auch für Kinder und Hunde eine echte Gefahr dar“, warnt LBV-Landesfachbeauftragter Dr. Andreas von Lindeiner.

Vergiftung "sehr wahrscheinlich die Todesursache"

Bereits am 28. Juli entdeckte bei Dinau im Landkreis Regensburg eine Wanderin einen toten Rotmilan. Er lag neben einem Fleischbrocken auf einer Wiese. Der LBV konnte den Vogel nicht mehr bergen und untersuchen lassen. Eine Vergiftung ist laut Mitteilung des LBV jedoch "sehr wahrscheinlich die Todesursache". „Aufgrund unserer nicht einfachen Recherchen wissen wir nun, dass der totgefunden Rotmilan Jungtier ist, das im Frühjahr 2019 von Wissenschaftlern der Universität Marburg besendert wurde“, so von Lindeiner. Es stammt von einem Brutpaar aus dem südlichen Vogelsbergkreis. Der Vogel hielt sich am 27. Juli noch südlich von Regensburg auf und flog erst im Laufe des Tages die etwa 30 Kilometer Luftlinie in die Nähe von Dinau. Danach gab es keine Sender-Signale mehr von dem Tier.

Verdacht auf weitere Giftköder

In allen diesen Fällen kann ein Verdacht auf weitere Giftköder nicht ausgeschlossen werden. Deshalb appellieren LBV und Gregor Louisoder Umweltstiftung (GLUS) an alle Eltern in diesen Gebieten, ihre Kinder nichts Verdächtiges anfassen zu lassen. Alle Hundehalter sollten ihre Tiere an die Leine nehmen. Denn das hochtoxische Carbofuran wirkt bereits bei Hautkontakt und führt selbst in geringen Dosen zu Krämpfen. „Der Schutz der Öffentlichkeit ist ein zentrales Anliegen wie auch die Aufklärung der Vergiftungsfälle“, sagt Franziska Baur, GLUS-Fachreferentin für Naturschutz. „Wir werden nicht weiter zusehen, wie langjährige Schutzbemühungen um bedrohte, einheimische Tierarten durch illegale Tötung mit qualvollen Methoden - wie Vergiftung - zunichte gemacht werden und dafür sorgen, dass solche Straftaten in Bayern künftig strikter verfolgt werden!“

LBV hofft auf Hinweise aus der Bevölkerung

Die Aufklärung illegaler Tiertötungen ist schwierig, deshalb hoffen LBV und die Umweltstiftung auf Hinweise aus der Bevölkerung. „Spaziergänger, die einen toten Wildvogel auf einer Wiese oder im Feld finden, können diesen dem LBV oder der Polizei melden“, erklärt von Lindeiner. Eine Vergiftung kann nur durch Untersuchungen in einem Speziallabor festgestellt werden, was eine gewisse Zeit dauert. „Die Untersuchung durch die Ludwig-Maximilians-Universität, Abteilung Toxikologie und Pharmazie, konnte im aktuellen Fall zweifelsfrei eine Vergiftung der beiden Greifvögel nachweisen“ so der Artenschützer weiter. Wegen begrenzter Laborkapazitäten ziehen sich die Untersuchungen bedauerlicherweise manchmal sehr lange hin.

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