08.07.2018 - 17:23 Uhr
RegensburgOberpfalz

Zum Großfund kommt die Chefin persönlich

Margit Brandl leitet seit acht Jahren das Hauptzollamt Regensburg und kennt die Tricks von Schmugglern und Schwarzarbeitern. Warum sie abends manchmal selbst ausrückt, verriet sie im Presseclub Regensburg.

Margit Brandl, Leiterin des Hauptzollamts Regensburg, im Presseclub.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

(gib) Im Zuständigkeitsgebiet des Hauptzollamts Regensburg liegen 240 Kilometer der Grenze zu Tschechien - ein heikler Bereich. Seit Jahren schwappt hier die Droge Crystal nach Bayern. Die Drogenkuriere und die Zöllner spielen Hase und Igel an der Grenze. "Wir haben den Kontrolldruck unheimlich erhöht", sagte Brandl. Doch dann komme es zu Ausweichbewegungen - die Kuriere gehen dort über die Grenze, wo die Zöllner gerade nicht sind. "Unsere Dienststellen werden beobachtet", erklärte die Hauptzollamtsleiterin. Regelmäßig würden in der Nähe der Dienststellen auffällige Autos gesehen, die herausfinden sollen, ob und wann die Zöllner ausrücken.

Immer wieder macht der Zoll mit spektakulären Funden Schlagzeilen. Häufig ist die Ware abenteuerlich versteckt. Brandls Mitarbeiter haben Drogen schon in Autotürverkleidungen, in einem doppelten Boden im Kofferraum, in einer Stoßstange, in einer Fahrradlenkstange und in einem Wanderstab gefunden. "Zum Glück haben wir hobbymäßige Automechaniker unter unseren Mitarbeitern, die die Autos dann auch wieder zusammenbauen können", erzählte Brandl. Bei besonders großen Aufgriffen fahre sie persönlich zum Fundort, auch wenn es spät am Abend ist. Die Regierungsdirektorin will damit, so sagt sie, ihre Wertschätzung den Mitarbeitern gegenüber ausdrücken.

Mittlerweile hätten die Drogenschmuggler auch den Postweg für sich entdeckt, berichtete Brandl. Dank einer Gesetzesänderung dürfe der Zoll deshalb nun auch die Post kontrollieren - wenn sie aus dem Ausland kommt. Unverzichtbare Helfer sind die 17 Spürhunde der Zöllner. Sie erschnüffeln nach zweijähriger Ausbildung ein breites Spektrum an Substanzen.

Auch Zigaretten und Pyrotechnik werden gerne über die Grenze geschmuggelt. 2,7 Millionen Zigaretten fanden die Zöllner in Gefriertruhen auf einem Lastwagen. Etwas abgenommen hat die Beliebtheit der sogenannten Vietnamesenmärkte an der tschechischen Grenze, meinte Brandl. Viele Kunden seien enttäuscht über die schlechte Qualität der Ware und kämen nicht mehr zurück. Illegal sei der Kauf von Schuhen oder T-Shirts dort nicht, auch wenn sie gefälscht sind - solange er für den Eigenbedarf erfolgt. Wenn jemand 20 T-Shirts kaufe, werde der Zoll jedoch misstrauisch. Dann könnte Gewerblichkeit vorliegen - und die Kleidung wird eingezogen.

Am Herzen liegt Brandl die Prävention: Zwei Teams des Hauptzollamts gehen auf Einladung hin an Schulen oder zu Infoabenden von Vereinen. Sie bringen dabei Drogen wie Crystal oder Marihuana mit. "Die Eltern müssen wissen, wie die Drogen aussehen, wenn sie sie im Zimmer ihrer Kinder finden", ist Brandls Standpunkt. Zu den Aufgaben des Hauptzollamts gehört es, Zölle, Einfuhr-steuern und Verbrauchssteuern einzutreiben. Beachtliche 2,7 Milliarden Euro kamen dabei im vergangenen Jahr zusammen.

Schwarzarbeit, Scheinselbstständigkeit, Mindestlohnverstöße - auch hier kontrollieren die Zöllner. Das Baugewerbe, die Gebäudereinigung, Taxiunternehmen, Speditionen sowie das Hotel- und Gaststättengewerbe stehen besonders im Fokus. Nichts hält Brandl von rabiaten Auftritten bei den Kontrollen. "Das Martialische mag ich gar nicht." Zwar müsse man etwa ein Wirtshaus bei laufendem Betrieb kontrollieren, sonst wären keine Mitarbeiter vor Ort, deren Angestellten- und Versichertenstatus geprüft werden soll. Die Zollbeamten kämen allerdings in Zivil und mit verdeckter Waffe - und die Befragung finde möglichst in einem separaten Raum statt.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.