15.10.2020 - 17:16 Uhr
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Oberpfälzer Verlage in der Coronakrise: Leser kaufen mehr Gotteslob

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Die Frankfurter Buchmesse findet nur im Internet statt, die Regionalbuchmesse in Regensburg fällt ganz aus. Oberpfälzer Verlage gehen ganz unterschiedlich mit der Coronakrise um.

Die Frankfurter Buchmesse findet diesmal nur online statt. Einige Oberpfälzer Verlage präsentieren sich dort.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

"Die Buchbranche hat es schon länger recht schwer", sagt Verena Hönicke, Pressesprecherin beim Battenberg-Gietl-Verlag in Regenstauf. Sie bedauert die Absage der Regionalbuchmesse "Regensbuch" am 7. und 8. November in Regensburg. Dadurch fehle die Möglichkeit, Leser zu treffen und zu erfahren, welche Themen gerade gefragt seien. "Diese persönlichen Kontakte sind enorm wichtig und durch Online-Messen in meinen Augen nicht zu ersetzen. Aber die Gesundheit geht natürlich vor."

Es ist Bücherherbst und kaum einer merkt's. Ohne Corona-Pandemie würden sich dieser Tage Leser, Autoren, Rezensenten und Verleger in den Frankfurter Messehallen auf die Füße treten. Was bedeuten Messe-Absagen oder abgespeckte Online-Veranstaltungen für Verlage in der Region?

Ein Interview mit den Verlegern von Schnell und Steiner aus Regensburg auf der Frankfurter Buchmesse 2019

Regensburg

Dritte Veröffentlichung verschoben

Einen "klitzekleinen" Verlag betreiben Gisela Bender und Jürgen Huber in Regensburg. "Wir sind gerade erst beim dritten Buch", berichtet Bender. Weil auch die Regionalbuchmesse ausfällt, haben sich die Verleger entschieden, Druck aus dem akutellen Projekt rauszunehmen und das Buch in Ruhe fertig zu bringen. "Wir können die Lesungen machen, wann wir wollen. Wir leben ja nicht davon", erläutert die Chefin des Giselaverlags. Dass die Leute weniger lesen, weil Buchmessen ausfallen, kann sie nicht bestätigen.

Wer ins Programm der Frankfurter Buchmesse reinschaut, kann zum Beispiel den Lohrbär-Verlag aus Regensburg entdecken. Dieter Lohr, Verleger von Hörbüchern, nimmt an der digitalen Veranstaltung teil und stellt täglich ein bis zwei Videos seine Titel vor. Der erste Film erschien am Mittwochvormittag. "Wahnsinnig viele Klicks sind nicht dazugekommen", meint Lohr. Es sei ähnlich wie bei der richtigen Frankfuter Buchmesse: "Der Aufwand rentiert sich nicht." Der Regensburger vermutet - weil für die Verlage heuer keine Standgebühren fällig werden: "Was nichts kostet, ist nichts wert." Bei einer richtigen Messe gehe es ums Sehen und Gesehenwerden, ums Leute treffen - das fehle bei der Online-Messe. Noch mehr fehle aber die Regensbuch, sagt Lohr. "Das war ne Gaudi, ein Spaß."

Sorgen um mittelgroße Verlage

Bisher komme Lohrs Verlag gut durch die Coronakrise, aber er lebe nicht von Einnahmen seines Unternehmens. "Ich mache mir um mittelgroße Verlage Sorgen", sagt Lohr. Ein Umsatzrückgang mache sich bei ihnen schneller bemerkbar als bei Großverlagen, müssen sich schneller von Angestellten trennen.

"Die größte Herausforderung war sicherlich der Lockdown im Frühjahr", teilt Nina Starost, Pressesprecherin beim Pustet-Verlag, mit. Vor allem Bücher mit Regionalbezug und über Theologie habe das Regensburger Unternehmen nur schwer an die Leser bringen können. Denn wenn Gottesdienst, etwa für Kinder, ausfallen, sinkt auch die Nachfrage nach entsprechender Literatur. Andererseits seien die Verkaufszahlen des Gotteslobs – Pustet vertreibt die Ausgabe für die Bistümer Regensburg und Eichstätt – "deutlich gestiegen", berichtet Starost. Anders sieht es Hönicke vom Battenberg-Gietl-Verlag: Wanderführer, regionale Kochbücher und Ratgeber seien dort in der Coronakrise beliebte Lektüre.

"Die Zahl nach dem Minus wird wieder kleiner, die Umsatzeinbußen des Frühjahrs werden nach und nach ausgeglichen. Insofern: Ja, es werden viele Bücher gekauft", sagt Starost vom Pustet-Verlag mit Blick auf die Gesamtbranche. Wie es im Jahresdurchschnitt aussieht, werde sich noch zeigen.

Helfen könnten die neuen Medien, wie Hönicke erläutert: "Da sind wir auch unseren Autoren sehr dankbar, die gerade in Social Media überaus aktiv waren und nach wie vor sind und uns dadurch super unterstützt haben. Aber natürlich sind unsere Umsätze während dieser Zeit hinter den Erwartungen der Vorjahre zurückgeblieben. Kein Onlineshop kann die persönliche Beratung durch den Buchhändler vor Ort ersetzen."

Hintergrund:

Oberpfälzer auf der Online-Buchmesse

Diese Verlage aus der Oberpfalz sind bei der diesjährigen Frankfurter Buchmesse vertreten

  • Steiner und Schnell, Regensburg: Kunst- und Kulturgeschichte sowie Kirchenführer
  • Lohrbär-Verlag, Regensburg: Hörbücher
  • Walhalla und Praetoria Verlag, Regensburg: Bücher über Job und Zukunft
  • Roderer-Verlag, Regensburg: Wissenschaft
  • Helmut-Hetzer-Verlag, Regensburg: Bücher, Filme sowie Musik aus und über Korea
  • Bookchair, Regensburg: Vertrieb für Lesehilfen und Geschenke rund ums Lesen

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