13.02.2020 - 17:52 Uhr
RegensburgOberpfalz

OTH-Professor: 10-H-Regelung für Windräder abschaffen

Bayern muss nach Ansicht von Experten noch mehr für den Klimaschutz tun und dabei Vorbild in Deutschland sein. Ein Regensburger Professor malt im Landtag ein besonders drastisches Szenario.

Ein Regensburger Professor kritisiert die 10-H-Mindestabstandregel für Windräder.
von Jürgen UmlauftProfil

Bei einer Expertenanhörung im Umweltausschuss des Landtags haben acht der neun geladenen Sachverständigen in eindringlichen Worten vor den Auswirkungen des Klimawandels für Bayern gewarnt und den Freistaat aufgefordert, deutlich mehr in den Klimaschutz und die Abmilderung von dessen Folgen zu investieren.

Wenn man den Ausstoß von Treibhausgasen nicht wirksam zurückführe, werde der Hitzesommer 2015 "nur ein Hauch im Vergleich zu dem gewesen sein, was kommen wird", sagte Professor Michael Sterner von Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg. Er kritisierte die seit Jahren umstrittene 10-H-Mindestabstandsregel für Windräder. Diese sei "nicht dienlich". Einzig der von der AfD aufgebotene Geologe Sebastian Lüning bezweifelte die Aussagekraft der gängigen Klimamodelle und sprach von "Alarmismus".

In ihrer Mehrheit waren sich die Experten einig, dass der auch in Bayern messbare Anstieg der Durchschnittstemperatur sowie die immer häufigeren Extremwetterereignisse wie Starkregen oder Dürren Folgen eines Menschen gemachten Klimawandels sind. "Wir haben seit 2010 ein Wärmerekordjahr nach dem anderen", sagte Würzbürger Klimatologe Professor Heiko Paeth. Hotspot des Klimawandels in Bayern sei Unterfranken. Als Beispiel nannte Paeth die Zahl der "Tropennächte", in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad sinkt. 2018 seien in Würzburg 17 solcher Nächte gemessen worden, vor dem Jahr 2000 habe es durchschnittlich alle fünf Jahre eine gegeben. In Zukunft drohten nächtliche Tiefstwerte von nahe 30 Grad.

Lüning erklärte, der Beitrag von CO2 an der globalen Erwärmung werde überschätzt. Er verwies auf erdgeschichtliche Wärmeperioden lange vor der Zeit der Industrialisierung. Die gegenwärtigen Klimamodelle seien für Prognosen ungeeignet, da sie zur Berechnung frühere Warmzeiten nicht einbezögen sowie natürliche Zyklen wie schwankende Intensität der Sonneneinstrahlung und Klimaphänomene zu wenig berücksichtigten. "Ich bin auch für Klimaschutz und CO2 Minderung, aber wir sollten dafür nicht Kopf und Kragen riskieren", sagte Lüning.

Den Einschätzungen Lünings widersprach unter anderem Paeth vehement. Lüning berufe sich auf einen längst überholten Stand der Forschung. Zudem ignoriere er die nicht mit natürlichen Ursachen zu erklärende Geschwindigkeit des Temperaturanstiegs. "So große Veränderungen gab es auch schon früher, nur waren damals Meteoriteneinschläge oder Hyper-Vulkanismus dafür verantwortlich", erklärte Paeth. Auch die Sonnenaktivität könne als Erklärung nicht dienen, weil diese seit etwa 1970 wieder abnehme. Dies müsste eigentlich zu einer globalen Abkühlung führen, führte Paeth aus. Mit Ausnahme Lünings ermunterten alle Experten die Politik, die Anstrengungen zum Klimaschutz zu erhöhen.

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