31.05.2021 - 00:01 Uhr
RegensburgOberpfalz

Er prägte ein Jahrzehnt: Papsthaus gewährt Einblicke in Benedikts Leben

In der beschaulichen Gemeinde Pentling bei Regensburg wollte Kardinal Joseph Ratzinger seinen Lebensabend verbringen. Doch mit seiner Wahl zum Papst kam alles anders. 2010 übertrug Benedikt XVI. seinen ehemaligen Wohnsitz an eine Stiftung.

von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Die Nutzung und Betreuung des Papsthauses liegt seitdem in den Händen der Stiftung Papst Benedikt XVI. Das zweistöckige Wohnhaus in Pentling wurde 2012 renoviert und in einen Ort der Dokumentation und der Begegnung umgewandelt. Wegen der Corona-Pandemie gibt es derzeit keine Hausführungen. Das Gebäude spiegelt die Lebensjahre von Joseph Ratzinger in Regensburg wider. Von 1969 bis 1977 arbeitete er an der hiesigen Universität. 1970 zog er in sein Eigenheim in Pentling, das nach seinen Vorstellungen gebaut. Viele seiner wissenschaftlichen Werke entstanden hier in seinem Arbeitszimmer im ersten Stock.

Mittelpunkt des rekonstruierten Arbeitszimmers ist eine Nachahmung des päpstlichen Schreibtisches. Das Möbelstück begleitete Joseph Ratzinger seit Beginn seiner theologischen Laufbahn. Das Original steht heute in Rom. Je ein Raum ist den verstorbenen Papstgeschwistern Georg und Maria gewidmet. Wie sehr für Joseph Ratzinger Pentling Heimat wurde, lässt sich an der Tatsache ablesen, dass die Geschwister 1974 ihre Eltern auf einen Regensburger Friedhof überführen ließen.

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Regensburg

Die Bibliothek entspricht weitgehend dem Zustand aus dem Jahr 1977. Etliche Bücher, die seinerzeit zurückgelassen wurden und den handschriftlichen Besitzvermerk „Joseph Ratzinger“ tragen, stehen noch hier. Ein sehr privates Objekt, das im Papsthaus ausgestellt ist, ist der „Christkindlbrief“ der Geschwister Ratzinger aus dem Dezember 1934, das bislang älteste schriftliche Dokument Joseph Ratzingers. Wie auch seine zwei älteren Geschwister schreibt er als Siebenjähriger artig seine Weihnachtswünsche auf – unter anderem ein Schott-Messbuch.

Das Haus spiegle Charaktereigenschaften des Papstes wider, erklärte der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer einmal bei einem Besuch der Begegnungsstätte. „Es ist schlicht, aber auch innovativ.“ Ratzinger habe sich bei den Planungen für den Hausbau mit seiner Vorstellung von einem langen Balkon zum „Wandeln“ vor dem Arbeitszimmer im ersten Stock durchgesetzt. Der Architekt sei eher skeptisch gewesen. Auch das Bad und das Treppenhaus seien vergleichsweise großzügig gestaltet worden. „Das Haus hat eine eigene Würde und einen eigenen Stil.“

Nachdem Ratzinger 1977 zum Erzbischof von München und Freising ernannt worden war, verließ er Regensburg. 1982 wurde er Präfekt der Glaubenskongregation in Rom. Doch sein Haus in Pentling gab er nicht auf. Immer wieder verbrachte er in den Ferien ein paar Tage hier. Auch als Papst schaute er während seines Regensburg-Besuchs 2006 in seinem Pentlinger Haus vorbei. Viele dachten, es wäre sein letzter Besuch gewesen. Doch im Juni 2020 kam der emeritierte Papst Benedikt noch einmal nach Regensburg, um seinen Bruder Georg am Sterbebett zu begleiten – und ließ es sich nicht nehmen, auch sein geliebtes Haus in Pentling noch einmal zu besuchen.

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