27.02.2020 - 16:43 Uhr
RegensburgOberpfalz

Räuber-Pärchen für viele Jahre getrennt

Es klingt fast nach Bonnie und Clyde. Ein Paar überfiel in Regensburg ein Geschäft, maskiert und mit täuschend echt aussehenden Pistolen. Nun wurden die beiden zu langen Freiheitsstrafen verurteilt.

Symbolbild
von Autor AHSProfil

Ein Räuber-Pärchen muss die nächsten Jahre getrennt leben - und zwar im Maßregelvollzug. Die vorbestraften Drogensüchtigen, eine 27-Jährige und ihr 34-jähriger Freund, wurden wegen räuberischer Erpressung vom Landgericht Regensburg zu Freiheitsstrafen von mehreren Jahren verurteilt. Die Frau zu vier Jahren und zehn Monaten, der Mann zu fünf Jahren und zehn Monaten, beide werden in Entzugskliniken untergebracht.

Im Juni vergangenen Jahres überfielen die beiden eine Lottoannahmestelle, maskiert und mit täuschend echt aussehenden Spielzeugpistolen. Die Angeklagten gestanden die Vorwürfe.

Die Staatsanwaltschaft sprach in ihrem Schlussvortrag von einer "ungesunden Verbindung", bei der die Gedanken ausschließlich um Drogen kreisten. Es könne jedoch keine Rede von einer Affekttat sein, vielmehr müsse sie als Spontantat gesehen werden. Aber: Auf die beiden wartet ein weiterer Prozess, ebenfalls wegen schwerer räuberischer Erpressung.

Völlig verängstigte Verkäuferin

Die beiden tauchten im Juni vergangenen Jahres nachmittags in einer Lottoannahmestelle in Regensburg auf, in dem sich nur die Verkäuferin aufhielt. Vorher hatten sie sich jeweils mit einem schwarzen Tuch vor dem Mund und einen Motorradhelm maskiert und mit täuschend echt aussehenden Spielzeugpistolen bewaffnet. Zudem trugen sie Handschuhe. Aus einer Distanz von etwa einem Meter richtete der Angeklagte die Waffe auf die Verkäuferin und forderte Geld. Seine Freundin stand daneben, ebenfalls mit gezückter Pistole. Die völlig verängstigte Verkäuferin war der Überzeugung, dass es sich um echte Waffen handelt. Seine Komplizin steckte die Tageseinnahmen in Höhe von 454,94 Euro ein, außerdem erbeuteten sie zwölf Stangen Zigaretten im Gesamtwert von 1211,50 Euro. Anschließend flüchteten sie mit einem Motorroller. Ihr Pech: Ein Passant konnte Fragmente des Kennzeichens fotografieren.

Beide Angeklagte legten am ersten Verhandlungstag über ihre Verteidiger Jan Bockemühl und Helmut Mörtl ein umfassendes Geständnis ab, nachdem sich vorher die Prozessbeteiligten über das zu erwartende Strafmaß verständigt hatten. Dennoch hörten sich die Richter die geschädigte Verkäuferin und mehrere Polizeibeamte als Zeugen an. Zwei vom Gericht bestellte Sachverständige kamen zu dem Ergebnis, dass beide Angeklagte seit Jahren massiv drogenabhängig sind. Besonders tragisch: Eines ihrer beiden Kinder musste sofort nach der Geburt wegen Entzugserscheinungen behandelt werden. Beide wurden schließlich vom Jugendamt in Obhut genommen.

Rechtswidrige Mittel bei der Jagd nach den Tätern

In seinem Schlussvortrag stellte der Staatsanwalt fest, dass es sich um eine "ungesunde Verbindung" handelte, bei der die Gedanken ausschließlich um Drogen kreisten. Es könne jedoch keine Rede von einer Affekttat sein, vielmehr müsse sie als Spontantat gesehen werden. Zu ihren Gunsten würden das Geständnis und der Umstand, dass es sich nur um Scheinwaffen gehandelt hat, sprechen. Strafverschärfend würden sich die Vorstrafen auswirken. Bei dem 34-Jährigen sind es zwölf, meist einschlägige und bei der 27-Jährigen sechs Einträge. Der Staatsanwalt sprach sich für sechs, beziehungsweise fünf Jahre Freiheitsstrafe aus.

Die Verteidiger verwiesen darauf, dass die Triebfeder für die Tat einzig die Drogensucht war. Am Tattag waren keine Betäubungsmittel, aber auch kein Geld mehr im Haus. Hinzu kam die Angst von den zu erwartenden Entzugserscheinungen. Die Tat selbst sei völlig unprofessionell ausgeführt worden. Bei Hitze so vermummt am helllichten Tag in ein Lottogeschäft zu gehen, spräche bereits für sich. Auch seien die Täter mit rechtswidrigen Mitteln gejagt worden. Für etliche Maßnahmen fehlten die zwingend erforderlichen richterlichen Beschlüsse. Sie hielten Freiheitsstrafen von vier Jahren und zehn Monaten, beziehungsweise fünf Jahren und neun Monaten für tat- und schuldangemessen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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