25.11.2021 - 10:57 Uhr
RegensburgOberpfalz

Schmidt gibt Grünen-Vorsitz ab – Langer Weg ins Bewusstsein der Menschen

Stefan Schmidt gibt den Bezirksvorsitz der Oberpfälzer Grünen vorzeitig ab. Das habe aber nichts mit Ärger im Verband zu tun, sagt der Bundestagsabgeordnete. Den wahren Grund nennt er im Interview. Außerdem blickt er zurück – und nach vorn.

Bundestagsabgeordneter Stefan Schmidt gibt sein Amt als Bezirksvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen ab.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

ONETZ: Herr Schmidt, am 3. Dezember wählen die Oberpfälzer Grünen Ihren Nachfolger als Bezirksvorsitzenden. Turnusgemäß wäre die Neuwahl erst in einem Jahr angestanden. Gab es Ärger?

Stefan Schmidt: Nein, den gab es nicht. Bei der Bundestagswahl ist meine Mitvorsitzende Tina Winklmann ebenfalls in den Bundestag eingezogen. Wir Grüne bemühen uns seit jeher, Ämter und Mandate zu trennen. Weil nun beide Vorsitzende gleichzeitig Mandatsträger gewesen wären, habe ich mich entschieden, den Vorsitz abzugeben.

ONETZ: Sie waren 14 Jahre Vorsitzender. Was hat sich in der Zeit bei den Grünen in der Oberpfalz verändert?

Wirklich sehr viel. Als ich anfing, hatten wir im Bezirk nur ein paar Handvoll Mandate in Stadt- und Gemeinderäten. Heute sind es mehr als 150. Die Mitgliederzahl hat sich auf gut 1100 mehr als verdoppelt. Damals waren wir nicht im Bundestag vertreten, heute halten wir zwei Mandate. Aber auch die Wahrnehmung, wie ernst wir jetzt genommen werden: Das war vor 14 Jahren noch anders.

ONETZ: Wenn Sie auf politische Erfolge blicken. Was fällt ihnen in der Oberpfalz dazu ein?

Eigentlich waren das zu wenige greifbare Erfolge. Es ist nicht wirklich viel passiert. Wenn man zum Beispiel mein Steckenpferd, den Bahnverkehr, betrachtet – hier muss sich in den nächsten Jahren noch sehr viel tun. Andererseits haben wir erreicht, dass unsere Themen heute ganz anders im Bewusstsein der Menschen und in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind.

ONETZ: Wie meinen Sie das?

Wie z.B. heute auch in der Oberpfalz über Flächenverbrauch, oder ganz allgemein über Nachhaltigkeit gesprochen wird, das sehe ich schon als unseren Erfolg. Das ein Projekt wie das Gewerbegebiet "Weiden West IV" per Bürgerentscheid abgelehnt wird, das hätte es vor 14 Jahren nicht gegeben.

ONETZ: Wenn Sie in die Zukunft blicken. Was werden die wichtigsten Aufgaben für ihre Nachfolger?

Vermutlich werden wir schon bald in Regierungsverantwortung tragen. Damit umzugehen, das müssen wir alle erst lernen. Dazu zählt auch, zu akzeptieren, dass wir nicht alle unsere Ziele eins zu eins umsetzen können – auch mal Kompromisse akzeptieren müssen. Außerdem müssen wir an der unterschiedlichen Wahrnehmung von uns in Stadt und Land arbeiten. Dabei geht es aber gar nicht so sehr um Inhalte, eher um die Ansprache. Die Grünen können in der Oberpfalz noch weiter wachsen.

ONETZ: An der Regierungsverantwortung haben Sie mitgewirkt, in der Koalitionsrunde den Bereich "Gute Lebensverhältnisse in Stadt und Land" mitverhandelt. Wie war's?

Ich kann sagen, dass wir uns vier Mal getroffen haben. Danach hatten wir einen guten Kompromiss gefunden, mit den alle beteiligten Leben können. Das war nicht übermäßig spektakulär und ging ganz ohne Nachtverhandlungen. Länger als 18.30 Uhr mussten wir nie zusammensitzen.

ONETZ: Wie ist Ihr Eindruck von den Ampel-Runden?

Ich persönlich habe die Verhandlungen um eine Ampelkoalition bisher als sachorientiert und zielstrebig erlebt. Fast schon langweilig, aber wirkungsvoll. Grüne, SPD und FDP decken thematische eine große Bandbreite der Gesellschaft ab. Ich habe die Hoffnung, dass eine Ampel unsere Gesellschaft wieder mehr zusammenbringt und vereint, als das der alten Regierung gelungen ist.

Schmidt war auch an den Verhandlungen zum Koalitionsvertrag beteiligt

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Info:

Drei Bewerber für die Nachfolge

Drei Kandidaten bewerben sich bei der Bezirksversammlung um Stefan Schmidts Nachfolge

  • Helene Sigloch vom Kreisverband Regensburg
  • Elias Wolf (Amberg-Sulzbach)
  • Merten Niebelschütz (Regensburg-Land )

Gewählt wird am 3. November ab 19.30 Uhr im Kino Capitol in Sulzbach-Rosenberg. Außerdem gibt es bei der Versammlung die üblichen Formalia.

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