11.02.2019 - 18:50 Uhr
RegensburgOberpfalz

Vergewaltigung erfunden

Als Bösartig und existenzgefährdend wertet die Staatsanwaltschaft in Regensburg das Verhalten einer 35-jährigen Angeklagten. Deren Reue kommt zu spät.

Der Schriftzug "Amtsgericht und Landgericht" ist an der Fassade des Gerichtsgebäudes in Regensburg zu sehen.
von Autor AHSProfil

Welcher Teufel ritt eine 35-jährige Arbeiterin, als sie im November 2017 bei der Kripo in Regensburg angegeben hatte, dass sie drei Tage vorher von ihrem Chef in den Geschäftsräumen ihres Arbeitgebers vergewaltigt worden sei? Weiter behauptete sie, dass ein gleich gelagerter Übergriff schon einmal stattgefunden hat, wobei sie sich an den Tattag nicht mehr erinnern konnte. Beide Übergriffe schilderte sie detailreich. Mit dieser Frage musste sich eine Richterin des Amtsgerichts Regensburg auseinandersetzen.

Der Mann wurde kurz nachdem Anzeige gegen ihn erstattet wurde an seinem Arbeitsplatz vorläufig festgenommen und einem stundenlangen Verhör unterzogen. Anschließend wurde er wieder auf freien Fuß gesetzt. Die weiteren Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ergaben, dass "Täter und Opfer" ein einvernehmliches sexuelles Verhältnis unterhielten und die Vorwürfe nicht der Wahrheit entsprachen.

Im Juni 2018 wurde das Verfahren gegen ihn wegen erwiesener Unschuld eingestellt und Anklage zum Amtsgericht Regensburg gegen die 35-jährige erhoben. In dieser wertet die Staatsanwaltschaft die mehrstündige Vernehmung des Geschädigten als Freiheitsberaubung.

Am ersten Verhandlungstag erklärte Verteidigerin Julia Schneider nach Verlesen des Anklagesatzes für ihre Mandantin, dass diese die Vorwürfe einräumt. Rückfragen des Gerichts und der Staatsanwaltschaft würde sie jedoch nur "äußerst ungern" beantworten. Dennoch erzählte sie selbst, von der Vorsitzenden zum Motiv befragt, dass sie das Verhältnis beenden wollte. Doch ihr Vorgesetzter habe ihr erklärt, dass er entscheiden würde, ob sie ihren Arbeitsplatz behält. Da sie sich in der Probezeit befand, habe sie Angst um ihren Job gehabt.

Deshalb wollte die Strafrichterin in einem neuen Verhandlungstag den früheren Chef der Angeklagten hören. Zum zweiten Verhandlungstag erschien neben der Verteidigerin auch deren Kollege Jörg Meyer von der gleichen Anwaltssozietät. Er erklärte, richtig sei, dass der Angeklagten wegen ihres Freundes moralische Bedenken gekommen seien und sie deshalb die Beziehung mit dem Geschädigten beenden wollte. Die Sache würde seiner Mandantin "unendlich leidtun". Nach dieser Erklärung verzichtete das Gericht auf die Vernehmung des Geschädigten.

In ihrem Schlussvortrag bezeichnete die Staatsanwältin das Verhalten der Angeklagten als "bösartig" und existenzgefährdend. Die Strafrichterin verurteilte die Angeklagte wegen falscher Verdächtigung und Freiheitsberaubung zu sieben Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung und 120 Stunden Sozialarbeit. Das Urteil wurde im Gerichtssaal rechtskräftig.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.