10.08.2018 - 19:47 Uhr
RegensburgOberpfalz

Warnschuss für den SSV Jahn

Der Aufsteiger aus Paderborn gewinnt gegen Regensburg verdient mit 2:0. Der qualitative Aderlass macht sich zumindest heute bei den Oberpfälzern bemerkbar.

Paderborns Philipp Klement, Klaus Gjasula, Christopher Antwi-Adjej und Sven Michel (von links) bejubeln das 2:0.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Unterirdische Standards, ungenauer Spielaufbau – die Neuzugänge können Freistoßspezialst Marvin Knoll, Sturm Joshua Mees und Drang Bene Gimber (noch?) nicht ersetzen.

Es ist nicht so, dass der SSV Jahn am Freitagabend völlig chancenlos gewesen wäre. Doch blieb Kapitän Marco Grüttner blass – außer bei Diskussionen mit Schiri Kampka, der ihm Gelb verpasste –, Jan George zu verspielt, Sargis Adamyan seinem Ruf als Chancentod treu und Albion Vrenezi unsichtbar.

Im Aufbauspiel verdattelten die Regensburger jeden zweiten Ball – bei allem Verständnis für das schnelle Ein-Kontakt-Spiel, so bringt Tempo nur Hektik und Konterchancen für den Gegner. Und hinten ist noch nichts davon zu sehen, dass Trainer Achim Beierlorzer die großen Löcher der hoch stehenden Abwehr stopfen könnte. So war es nur eine Frage der Zeit, bis die einen Tick genauer passenden West-Ostwestfalen den Sack zumachen konnten.

Christian Strohdiek (SC Paderborn ) am Ball vor Albion Vrenezi.

Beierlorzer „Zu viele falsche Entscheidungen“

„Einen verdienten Sieg“, konstatiert SSV-Coach Achim Beierlorzer, „Paderborn hat mehr investiert, war aggressiver in den Zweikämpfen, hat die Räume gut verdichtet.“ Zu Beginn habe man es nicht geschafft, den Ball flach zu halten, das Spiel diagonal zu verlagern. Er habe schon vor dem Spiel prophezeit, dass ein Standard das Spiel entscheiden könne: „Gjasula köpft komplett frei.“ Auf der anderen Seite sei Correia nach einer Ecke das gleiche Glück nicht vergönnt gewesen. „Da wird er von der Linie geklärt.“

In der zweiten Hälfte habe man sich vorgenommen, noch mehr zu investieren. Zu viele falsche Entscheidungen seien für die Niederlage verantwortlich, etwa als Adamyan im Überzahlspiel in die Spitze gespielt habe, anstatt den öffnenden Pass: „Dann war der Ball wieder weg.“ Oder als sich Marc Lais vor dem 2:0 im Aufbauspiel im Freiraum gewähnt habe, obwohl man klar analysiert habe, wie der SC nach vorne attackiert. Zum Schluss habe man noch eine Menge bester Chancen vergeben. Dennoch: „Das wird uns nicht umhauen.“

Baumgart: „Wir haben nicht gegen irgendwen gespielt“

„Gerade in der ersten Halbzeit hat man gesehen, was für einen Fußball die beiden Mannschaften spielen wollen“, fasst SC-Coach Steffen Baumgart zusammen. Er habe sein Team in den ersten 30 Minuten mit leichten Vorteilen gesehen. „Dann ein sehr schöner Standard zum 1:0.“ Klaus Gjasula habe sich mit dem Tor belohnt. Man habe weitere Chancen gehabt, wo man allein aufs Tor zugelaufen sei.

„Sven Michel hat ein paar Chancen verhauen, daran müssen wir arbeiten.“ Aber insgesamt sei er sehr zufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft. „Wir haben nicht gegen irgendwen gespielt, so wie Jahn Regensburg spielt, stelle ich mir den Fußball vor, gerade auch von der Intensität her.“

Trainer Steffen Baumgart macht vor, wie Engagement geht.

Schiri Kampka aufmerksam

Die erste Halbchance für den SSV Jahn: Schwache Faustabwehr von Leopold Zingerle, Jann George mit der Direktabnahme direkt auf den Keeper (7.). Sven Michel klaut Sörensen die Kugel im 16er, lässt sich dann ohne Berührung fallen – Schiri Kampka aufmerksam, zeigt die Gelbe (8.).

Starker Konteransatz Adamyan, schnell in die Spitze, die Kugel springt Grüttner von der Fußspitze (11.). Jann George touchiert Collins kurz vor der Auslinie, Freistoß von links außen, rausgeköpft (13.). Schöne Kombination über Vrenezi, der aber zu spät spielt, Georges Flanke nach innen, gerade noch rausgeköpft (15.).

Saller sperrt den ersten Paderborner weg und klärt vorm zweiten ins Seitenaus (23.). Klement zieht von der Strafraumkante ab, Bernard Tekpetey versucht das Ding noch mit der Hacke Richtung Tor zu zirkeln, da fehlen 10 Zentimeter (26.). Im Gegenzug versuchen die Rot-Weißen erfolglos, den Ball ins Tor zu tragen (28.).

Flanke von Michl, Correia klärt per Kopf zur vierten Ecke für Paderborn: Und das bringt den Blauen die Führung: Klaus Gjasula springt unbedrängt hoch und köpft das 1:0 – Jonas Föhrenbach bleibt am Boden und schaut zu (31.). Riesending für den SC, Tekpetey auf Mohamed Dräger, der setzt den Aufsetzer drüber – Pentke konnte die Flanke noch verkomplizieren (37.). Konter Tekpetey, Sörensen zupft, der legt sich den Ball zu weit vor, Pentke draußen (38.).

Erste Ecke Jahn: Das wär’s gewesen, Föhrenbachs Flanke kommt genau auf Correia, auf der Linie mit Köpfchen geklärt. Und schon die nächste Ecke nach Föhrenbachs verdecktem Schuss. Tekpetey spielt Saller schwindelig, der Abschluss knapp neben den kurzen Pfosten (42.). Föhrenbach hält drauf, der Keeper schon in der anderen Richtung bringt die Fäuste noch hoch (45.). Pause.

Keine Besserung in Hälfte 2

Der Jahn bemüht sich um Spielkontrolle, der SC kontert: Sven Michel läuft alleine auf Pentke zu, wehrt per Fuß ab (59.). Es musste so kommen: Michel bedient Klement und der knallt die Kugel unter die Latte (62.). Adamyan bleibt Regensburgs Chancentod: Nach Grüttners Zuspiel trifft er aus zehn Metern den Innenpfosten (63.).

Adamyan mit Flanke in die Mitte, Lais knallt einem Paderborner die Kugel ans Schienbein (65.). Tekpetey lässt einmal mehr Saller stehen, flankt scharf in den 16er, die Kugel schießt an Freund und Feind vorbei (68.). Der Jahn schafft es kaum mehr, sich in den gegnerischen Strafraum reinzuarbeiten – Lais, der vor dem 0:2 den Ball verschenkte, geht für Nandzik vom Platz. Und Hamadi Al Ghaddioui soll es besser machen als der wirkungslose Vrenezi (73.).

Kaum im Spiel, bekommt er die Kugel auf den 11er serviert – und Al Ghaddioui verzieht (75.). So wird das nichts: Saller mit überflüssigem Hand-Gelb und Georges drei-Meter-Pass zum Gegner (78.) – und nach einer Ecke tritt er über den Ball. Alles ein paar Nummern zu harmlos: Adamyan geht auf den 16er zu, rechts läuft Föhrenbach mit, Adamyan rennt sich fest. Und dann schießt auch noch Pentke einen heranstürmenden Blauen an (85.). Diesmal macht Adamyan rechts außen fast alles richtig, spielt sich bis zum kurzen Pfosten durch, aber die Hereingabe wieder abgefangen (86.). Und die nächste Flanke von Adamyan, diesmal fängt sie Zingerle ab (89.).

Vier Minuten Zusatzzeit und Ecke für Paderborn – die Gastgeber beschäftigen die Oberpfälzer auch in den letzten Minuten – es bleibt dabei, der erste Dreier für den Aufsteiger, eine Nullnummer für enttäuschende Gäste.

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