15.06.2020 - 15:05 Uhr
Reuth bei ErbendorfOberpfalz

Bieten für baufällige Bahnanlage

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Das ehemalige Stellwerksgebäude in Reuth bei Erbendorf steht seit Jahren leer. Fensterscheiben sind eingeschlagen, die Mauern beschmiert. Nun kommt der stark sanierungsbedürftige Bau unter den Hammer. Nur: Wer soll das kaufen?

von Elisabeth Schätzler Kontakt Profil

Werner Prucker kann sich nicht vorstellen, dass jemand für das Stellwerksgebäude bietet. „Das Ding ist keine 5 Euro wert“, sagt der Reuther Bürgermeister. „Es gibt keine Zufahrt, keinen Stromanschluss, keinen Kanal – schlicht keine Erschließung.“ Der einzige Zugang zu dem stark verfallenen Gebäude ist ein Feldweg – und der liegt auf Krummennaaber Gemeindegebiet. Auch das Stellwerk, das zum Reuther Bahnhof gehört, liegt auf dem Areal der Nachbarkommune.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass das jemand kauft.

Bürgermeister Werner Prucker

„Seit etwa 2000 steht das Stellwerk leer“, weiß Prucker. Die Scheiben sind eingeschlagen, an einer Seite des Gebäudes prangt ein Graffiti. „Die Bahn müsste das Stellwerkgebäude eigentlich wegreißen“, meint der Reuther Rathauschef ob des ruinösen Zustands. Von Seiten der Gemeinde gebe es keine Motivation, an der Versteigerung teilzunehmen und den Bau zu erwerben. „Wir hatten auch Anfragen von Interessenten“, erzählt Prucker. Sogar ein Bauingenieur aus Frankfurt habe sich bei der Gemeinde nach dem Objekt erkundigt. Nach dem Telefonat sei aber dessen Interesse und auch das der anderen erloschen.

"Total vom Schuss"

„Wer es sich angesehen hat, wird das Gebäude nicht ersteigern“, ist sich Prucker sicher. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das jemand kauft.“ Zumal die Ruine abgelegen ist, „man kommt nicht direkt vorbei“, weiß der Bürgermeister. „Das liegt total vom Schuss, was will man da machen?“ Ein Anschluss beziehungsweise eine Erschließung wäre natürlich möglich, „aber das steht in keinem Verhältnis zum Wert“. In den 1860er Jahren ist der Bahnhof in Reuth gebaut worden, das Stellwerksgebäude ist circa 100 Jahre alt, schätzt Prucker.

Die Versteigerung, die am Donnerstag live übertragen wird, wird sich der Reuther Bürgermeister „eher nicht anschauen“. Wenn es denn wider Erwarten zu einer Versteigerung kommen sollte, bekommt die Gemeinde vom Notar Bescheid, weil der Ort ein Vorkaufsrecht habe. „Aber wir haben kein Interesse“, betont Prucker.

Begehrte Objekte

Ganz anders klingt die Einschätzung von Thomas Engel: Er ist öffentlich vereidigter und bestellter Auktionator der Deutschen Grundstücksauktionen AG, die mit der Versteigerung des ehemaligen Stellwerkgebäudes von der DB beauftragt wurde. „Die Objekte der Deutschen Bahn gehen in aller Regel gut weg“, weiß er. Weil hinter den Gebäuden auch immer eine Geschichte stecke, es sich teils auch um attraktive Objekte handle und mit den Bauten eine gewisse Nostalgie verbunden sei, würden diese gut bei den Bietern ankommen.

Ich bin mir sicher, dass das Objekt verkauft wird.

Auktionator Thomas Engel

Das scheint auch auf den Reuther Bau zuzutreffen: Zwei Interessenten aus der Region hätten schon einen Telefon-Bieter-Vertrag mit dem Mindestgebot abgeschlossen, verrät Engel. „Ich bin mir sicher, dass das Objekt verkauft wird.“ Sollte ein Objekt nicht gleich bei der anberaumten Auktion verkauft werden, gebe es ein sogenanntes Nach-Verkaufsrecht: Noch zwei Monate nach der Terminierung könnte das Stellwerkgebäude erworben werden. „Aber das geht mit Sicherheit weg“, ist der Auktionator überzeugt.

Auch der Windischeschenbacher Bahnhof wurde versteigert.

Hier geht's zur Internetseite der Deutschen Grundstücksauktionen AG

Info:

Hintergrund

Das ehemalige Stellwerk wird unter der Nummer 17 neben 33 anderen Objekten am Donnerstag, 18. Juni, ab 12 Uhr versteigert. Wegen der derzeitigen Situation ist kein Publikum gestattet. Die Auktion wird aber live übertragen. „Wir können jedoch die Abgabe von Geboten sicherstellen, und zwar telefonisch mittels schriftlicher Bietungsaufträge oder über das Internet in unserem Bieterportal. Diese Formen der Gebotsabgabe sind erprobt und stellen keine Notlösung dar“, schreibt die Deutsche Grundstücksauktionen AG, die die Auktion leitet. Das Mindestgebot für das Reuther Objekt beträgt 2000 Euro. „In jedem Fall empfehlen wir frühzeitig die Teilnahme als Telefonbieter zu vereinbaren und sich auf unserer Homepage www.dga-ag.de über die aktuelle Lage zu informieren“, heißt es weiter.

Beschrieben wird das Reuther Objekt wie folgt: Ehemaliges Stellwerksgebäude in der Nähe des Bahnhofs. Keine nutzbaren Heizungs- und Sanitäranlagen. Holzfenster und -türen sind überwiegend zerstört. Das Dach verfügt über Schiefereindeckung. Vandalismusschäden. Insgesamt stark sanierungsbededürftiger Zustand. Die Zuwegung erfolgt über einen unbefestigten Feldweg, der sich nicht im Eigentum des Veräußerers befindet. Lage im Außenbereich. Das Objekt befindet sich im Südwesten der Gemeinde, unweit des Bahnhofs, gegenüber der Kreuzung Dammstraße/Freiherr-von-Lindenfels-Straße. Grundstücksgröße beträgt circa 874 Quadratmeter. Ein Energieausweis entfällt, das Gebäude unterliegt nicht der EnEV.

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