19.10.2018 - 08:44 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

Bahnhof Windischeschenbach: Auktionshaus verweigert bisher Bieterprotokoll

Mit kritischen Nachfragen, Häme und dummen Bemerkungen müssen sich die Windischeschenbacher Stadtväter herumschlagen. Noch schlimmer ist der böse Vorwurf, die Stadt habe bei der Steigung des Bahnhofes Steuergelder verschwendet.

Für 38.500 Euro ging das sanierungsbedürftige Bahnhofsgebäude Windischeschenbach bei einer Versteigerung in den Besitz der Stadt über. Die Begleitumstände sorgen immer noch für Diskussionen.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

71 Objekte (meist ehemalige Bahn-Immobilien) kamen am 21. September im Auktionshaus Karhausen in Berlin unter den Hammer, darunter (als Nummer 22) auch der Bahnhof Windischeschenbach. Für die Stadt Windischeschenbach boten zweiter Bürgermeister Erich Sperber sowie ein Vertreter des Auktionshauses, der eigentlich nur in Aktion treten sollte, falls Sperber den Termin versäumen sollte. Obwohl sich Sperber beim Auktionshaus rechtzeitig als anwesend anmeldete, bot sein "Back-up" am Telefon mit.

Da die Telefon-Bieter unbekannt bleiben, wurde erst im Nachhinein die "Doppelung" klar. Sicherlich eine "Panne", die das Auktionshaus hätte verhindern können. Und für die Stadt Windischeschenbach 500 Euro teurer als nötig. Etwa 120 Bieter saßen in den nächsten Stunden im Saal und gaben ihre Gebote ab. Auch für den Bahnhof in Windischeschenbach gab es neben zwei schriftlichen Angeboten im Saal reges Interesse. Die Versteigerung wurde mit dem Mindestgebot von 14 900 Euro gestartet. Auffallend: Einige Mitbieter interessierten sich nahezu für jedes Objekt. So sorgten sie dafür, dass die Versteigerungen nicht stockten, sondern "flüssig" über die Bühne gingen.

Rasant wurde das Angebot für den Windischeschenbacher Bahnhof von etwa gut einem halben Dutzend Bietern im Saal sowie einigen am Telefon verdoppelt. Schließlich - nach nur etwa fünf Minuten - gab Sperber mit 38 000 Euro bereits sein letztes Gebot ab. Der Mitarbeiter der Karhausen AG, der glaubte, im Namen der Stadt zu bieten, legt schließlich noch 500 Euro drauf.

Das Gerücht, dass sich die beiden "Vertreter" der Stadt Windischeschenbach gegenseitig "hochgeschaukelt" und letzten Endes mehr als 23 000 Euro an Steuergeldern in den Sand gesetzt hätten, ist eine Mär, da auch weitere Bieter mitmischten. Dies bestätigten Mitarbeiter des Aktionshauses gegenüber Oberpfalz-Medien. So entgegenkommend sich die Auktionshaus bei der Stellung ihres Personals bei der Versteigerung zeigte, so verschlossen gibt es sich nun im Nachgang gegenüber der Stadt Windischeschenbach.

So lässt es Bürgermeister Budnik auf das mehrfach angeforderte Bieterprotokoll warten. Seine E-Mails bleiben unbeantwortet. Wichtig ist den Berlinern vielmehr der Hinweis, dass für ihre Dienste eine Courtage von elf Prozent fällig ist. Bieterprotokolle erhalten Meistbietende bei Versteigerungen vor den bayerischen Amtsgerichten obligatorisch. Dazu ist nicht mal ein Antrag nötig.

Bahn-Immobilien heiß begehrt:

Im Nachgang der "Herbstauktion" lobt die "Aktionshaus Karhausen AG" auf ihrer Homepage das "gute Ergebnis": Die Mindestgebote für die 71 Objekte lagen bei 3,05 Millionen Euro. Die "Verkäufe" summieren sich auf insgesamt 4,6 Millionen Euro, wobei die Zuschlagsquote bei 84,51 Prozent lag.

Der Bahnhof Windischeschenbach liegt mit einem Startgebot von 14 900 Euro und dem Zuschlag bei 38 500 Euro zwar über dem Durchschnittswert, aber nicht an der Spitze.Wer glaubte, Bahn-Immobilien zum Schnäppchen-Preis "schießen" zu können, wurde oftmals enttäuscht. Dazu einige Beispiele:

Ein 4,1 Hektar großer, ehemaliger Lager- und Umschlagsplatz der Bahn in Eberswalde (Brandenburg), mit 1000 Euro im Mindestgebot, fand einen Käufer für 90 000 Euro. Ein Grundstück mit ehemaligem Wasserturm in Frankfurt/Oder (Brandenburg), ebenfalls mit 1000 Euro eingepreist, brachte 29 000 Euro.

Der Bahnhof in Schellerten (Niedersachsen), für 1000 Euro im Versteigerungskatalog, wechselt für 33 000 Euro den Besitzer. Der Ex-Bahnhof in Mühlhausen-Ehingen (Baden-Württemberg) mit Mindestgebot von 18 000 Euro, fand für 100 000 Euro einen neuen Eigentümer. Ein 3 Hektar großes Areal in Donauwörth, das unmittelbar nach dem Bahnhof Windischeschenbach aufgerufen wurde, startete mit einem Mindestgebot von 7500 Euro. Der Meistbietende erhielt erst bei 64 000 Euro den Zuschlag. Der Bahnhof in Waiblingen-Neustadt (Baden-Württemberg) mit Startgebot 75 000 Euro, erreichte 340 000 Euro.

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