Reuth bei Erbendorf
06.02.2022 - 14:28 Uhr
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Ehemalige Metzgerei: Statt Sanierung bringt Gemeinderat Reuth Neubau auf den Weg

Vor eineinhalb Jahren beschloss der Reuther Gemeinderat die Sanierung der ehemaligen Metzgerei in Premenreuth. Die Pläne waren aber vom Denkmalschutz und Zuschussgeber zurückgewiesen worden. Ein Neubau soll die Lösung sein.

von fks

Ein Pächter war Ende 2020 schnell gefunden worden, das Architekturbüro Steidl hat rasch Pläne vorgelegt, der Gemeinderat der Revitalisierung der ehemaligen Metzgerei in Premenreuth zugestimmt. Der damalige Eigentümer, Franz Bauer, hatte die Metzgerei geschlossen und die Gemeinde wollte schnell den Leerstand beenden. Doch aufgrund der hohen Kosten lehnte das Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) einen Förderantrag ab, der Landesdenkmalschutz hatte seine Bedenken aufgrund der geplanten Fassade geäußert.

In der Februarsitzung des Gemeinderates am vergangenen Mittwoch stellte Bürgermeister Werner Prucker die neuen Pläne des Architekturbüros vor. Es sollten Kosten eingespart und Erwartungen des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege (BLFD) verwirklicht werden. Doch anstelle einer Sanierung wurde nun ein Neubau beplant. Dies sei kostengünstiger, auch wenn die tatsächlichen Kosten erst nach den Ausschreibungen beziffert werden können. Dennoch beschlossen die Mitglieder des Gemeinderates einstimmig, mit den neuen Plänen fortzufahren und das nötige Verfahren für einen Neubau einzuleiten.

Vier Etagen

Auf insgesamt vier Etagen soll sich der neue Dorfmittelpunkt verteilen. Im Kellergeschoss sind vor allem Lager- und Technikräume vorgesehen. Zudem soll für die Metzgerei ein Produktionsraum mit entsprechenden Kühlanlagen dort untergebracht werden.

Das Erdgeschoss teilt sich in verschiedene Bereiche: An der Stelle des ehemaligen Gastraumes an der Ecke Bernsteiner Straße/Falkenberger Straße soll ein neuer Gastraum entstehen. Zudem ist ein Dorfladen auf der Seite zur Falkenberger Straße eingeplant. Von dort aus gesehen ist im hinteren Bereich, auf der Seite zur Bundesstraße 22, ein Saal vorgesehen. Zwischen Gastraum und Saal soll die Küche entstehen. Sanitäre Anlagen finden im Ostteil des Erdgeschosses Platz.

Die oberen beiden Stockwerke sollen zur Gästebeherbergung erstellt werden. So werden im ersten Obergeschoss im Baubereich der Falkenberger Straße insgesamt sechs Fremdenzimmer entstehen, auf der südlichen Seite wird eine Lüftungsanlage eingebaut. Abgerundet werden soll der Neubau durch eine Ferienwohnung mit drei Schlafräumen im zweiten Obergeschoss.

Knapp 5 Millionen Euro

Im Vorfeld zur Sitzung erläuterte Kämmerer Bernhard Frummet den Fraktionen die finanzielle Herausforderung für die Verwirklichung des Projektes. Die Kosten werden auf rund 4,945 Millionen Euro, inklusive Architektenhonorar und Umsatzsteuer, geschätzt. Den sich daraus ergebenden Nettobetrag von etwa 3,9 Millionen Euro (nach Abzug der Umsatzsteuer, die für die Gemeinde nicht anfällt) muss die Kommune nicht allesamt aufbringen. Vom ALE sind etwa 1,5 Millionen Euro Zuschuss zu erwarten, weitere Zuschüsse, beispielsweise für eine moderne Heizungsanlage, werden mit 200 000 Euro veranschlagt. Somit verbleiben für die Gemeinde rund 2,3 Millionen Euro Eigenbeteiligung, die zum großen Teil bereits gedeckt ist. Eine Million wird aus dafür bereitgestellten Rücklagen finanziert, für eine weitere Million hatte das Landratsamt Tirschenreuth bereits einen Kredit gebilligt. Die Finanzierungslücke über 300 000 Euro soll mit einem weiteren Kredit gedeckt werden. Dieser soll einen Zinssatz von 0,46 Prozent veranschlagen, bei 20 Jahren Laufzeit.

"Nach Rücksprache mit dem Kämmerer ist eine jährliche Belastung von rund 75 000 Euro verkraftbar", fasste Bürgermeister Prucker die Kosten für das Bauvorhaben zusammen. Alle im Gemeinderat vertretenen Fraktionen unterstützten den Antrag, nicht aber ohne Bedenken zu äußern. "Für unsere Bürger ist es wichtig, dass wir ein Angebot schaffen", führte CSU-Fraktionssprecher Helmut-Stefan Neugirg aus. "Wir müssen aber auch bedenken, dass wir in ein paar Jahren eine Bauruine haben könnten, wenn es aus irgendwelchen Gründen am Ende nicht so läuft, wie es sich der künftige Pächter vorgestellt hat. Keiner weiß auch, wie es dem Einzelnen gesundheitlich ergehen wird." Zudem bedankte er sich ausdrücklich beim Kämmerer, für die detaillierten Informationen und Erläuterungen.

Auch SPD-Gemeinderat Raimund König war besorgt ob der Kosten: "Wenn wir uns nichts trauen, wird es nichts werden und für das Dorfleben finde ich es wichtig. Ich habe wegen der Kosten meine Bedenken, aber wenn der Kämmerer sagt, wir können das bezahlen, bin ich dafür." Zudem fragte er nach, ob auch ein Bürgerentscheid möglich wäre. Aufgrund der zu erwartenden Verzögerungen werde diesen Überlegungen aber nicht weiter nachgegangen.

Zuversichtlich äußerte sich Zweiter Bürgermeister Johann Neugirg (FW): "Der Bau wird das Dorfleben beleben, ich bin dafür. Wir sollten jetzt einen Schritt weiter gehen." Auch sein Fraktionskollege Peter Schieder stimmte dem zu, obgleich dieser es schade fand, dass noch keine endgültigen Zahlen vorliegen können.

Neubau annehmbar

Zum Schluss der Debatte informierte der Rathauschef über ein Gespräch mit dem zuständigen Sachbearbeiter des BLFD: So sei festgestellt worden, dass der Neubau aus der Sicht des Denkmalschutzes annehmbar sei. Jedoch sollte über der Küche statt eines Flach- ein Satteldach errichtet werden. "Das gefällt mir auch besser", stimmte Prucker diesem Vorschlag zu. Im Bereich des Saals wurde angemerkt, dass dieser größer zu beplanen sei, damit er der Größe der aktuell dort befindlichen Scheune entspreche. "Ich sehe hier kein Problem, da der Saal größer geplant ist, das wird bei genauer Prüfung durch das BLFD sicherlich anerkannt werden", hoffte Prucker abschließend.

Nachdem der einstimmige Beschluss gefasst wurde, sollen nun zunächst die Baugewerke ausgeschrieben und zeitgleich der Förderantrag an das ALE erneuert werden. Bürgermeister Prucker möchte ebenso erwirken, dass ein vorzeitiger Baubeginn durch das ALE genehmigt wird, so dass bereits vor dem Erhalt eines Förderbescheides erste Maßnahmen getätigt werden können.

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Reuth bei Erbendorf06.12.2021
Hintergrund:

Der geplante Neubau

  • Geplant ist ein Neubau mit vier Etagen an der Stelle der ehemaligen Metzgerei von Franz Bauer
  • Insgesamte Kosten rund 3,9 Millionen Euro netto
  • Vom Amt für Ländliche Entwicklung sind etwa 1,5 Millionen Euro Zuschuss zu erwarten
  • Für die Gemeinde bleiben rund 2,3 Millionen Euro Eigenbeteiligung
  • Eine Million wird aus dafür bereitgestellten Rücklagen finanziert
  • Eine Million hat das Landratsamt Tirschenreuth bereits als Kredit gebilligt
  • 300.000 Euro sollen mit einem weiteren Kredit gedeckt werden
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