24.08.2018 - 10:06 Uhr
RiedenOberpfalz

Hilfe für das beliebte Familienbad?

Schon seit Jahren mahnt Riedens Bürgermeister Geitner: Das Freibad aus den 1970er Jahren muss dringend saniert werden. Die Kosten schätzt er auf 3,4 Millionen Euro. Nun könnte mit einer Förderung des Bundes tatsächlich die Sache ins Rollen kommen.

Aus den 1970er Jahren stammt das Freibad in Rieden: Der Zahn der Zeit hat an ihm genagt – eine Sanierung ist dringend notwendig.
von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

Es ist ein Freibad, das Charme besitzt. Vor dem Gebäude, in dem Sanitätsraum und Wasserwacht untergebracht sind, blühen die Geranien in Tontöpfen. Am Eingang begrüßen in die Jahre gekommene Reklameschilder die Besucher, unter dem Sprungbrett gedeiht der Rost an den Schrauben und der wilde Wein schlängelt sich an einer Außendusche nach oben. Wer genau hinhört, der bemerkt, dass die Riedener ihr Freibad gern haben. "Es ist einmalig in der Region", sagt eine Besucherin, die hier regelmäßig mit ihren beiden Töchtern ihre Bahnen im Schwimmerbecken zieht. "Etwas kalt ist es vielleicht. Aber meine Kinder kennen das, seit sie klein sind." Das Riedener Freibad sieht noch genauso aus, wie es in den 1970er Jahren gebaut wurde. Würde ein Regisseur nach einem Drehort aus dieser Zeit suchen, wäre er hier goldrichtig.

Der Zahn der Zeit hat an der Badeanstalt, die jährlich rund 50 000 Besucher zählt, genagt. Sichtbar ist das unter anderem an den Rissen der Beckenfliesen. Immer wieder hat Riedens Bürgermeister Erwin Geitner darauf aufmerksam gemacht. Jetzt kann es keinen Aufschub mehr geben: Das Bad muss komplett saniert werden - für 3,4 Millionen Euro.

30 droht die Schließung

In Bayern gibt es 863 öffentliche Schwimmbäder. Die SPD erhielt in einer Anfrage beim Innenministerium die Auskunft, dass 263 öffentliche Freibäder akut sanierungsbedürftig sind, 30 droht sogar die Schließung. In der Region sind nach diesen Angaben Rieden und Hirschbach betroffen. "Eigentlich wissen wir ganz genau, was wir wollen", sagt Geitner. Vor allem solle das Bad barrierefrei werden. Das heißt, dass die Treppen am Eingang des Bads verschwinden sollen. Eine Rampe überwindet stattdessen die Steigung. "Auch innerhalb des Bades soll man sich frei bewegen können." Das bedeutet zum Beispiel auch, dass Schwerbehinderte ohne Hindernisse ins Wasser könnten.

Zudem will Geitner das Bad "energetisch besser aufstellen". Derzeit würden die Becken 120 Kubikmeter Wasser austragen - es läuft über den gefliesten Rand hinaus und wird nicht mehr gebraucht. "Es wäre besser, wenn man es auffangen könnte, aufbereitet und wieder zurückführt", wünscht sich der Gemeindechef. Im Moment wird überlaufendes Wasser mit frischem ersetzt. Das heißt auch, dass das Wasser aus der Leitung nur eine Temperatur von acht Grad hat. "Das wiederum muss erst wieder aufgeheizt werden." Energie sparen könne man zudem auch, indem die derzeitige Wasserfläche von 1200 Quadratmeter reduziert werde. Energetisch ließe sich aber noch mehr machen, sagt Geitner. "Als wir den benachbarten Campingplatz sanierten, installierten wir eine Photovoltaikanlage auf dem Dach. Für das neue Bad wünschen wir uns das auch."

Edelstahl statt Fliesen

Zusätzlich sollten eben auch die gefliesten Becken verschwinden. Im strengen Winter 2017 musste die Gemeinde sprichwörtlich Löcher stopfen: "Beim Saubermachen haben wir festgestellt, dass 80 Prozent der Beckenköpfe aufgefroren waren." Gekostet hat das um die 70 000 Euro. Ärgerlich sei das gewesen, denn man repariere immer noch im Kleinen, bilanziert Geitner. "Jedes Jahr hoffe ich, dass die Technik über die Saison standhält." Bei Edelstahlbecken liege der Vorteil indes auf der Hand: "Die sind quasi unkaputtbar. Ich muss einmal richtig Geld in die Hand nehmen und habe 30 bis 40 Jahre meine Ruhe."

Dass Geitner ein beliebtes Familienbad in seiner Gemeinde besitzt, weiß er. "Als junger Vater habe ich es sehr genossen, mit meinen Kindern hier zu baden. Es ist viel grün und gut überschaubar." Trotzdem möchte er im neuen Bad mehr Liege-Möglichkeiten - vor allem direkt am Wasser - bieten. "Es sollte großzügiger gestaltet sein, damit ein Pool-Feeling wie im Urlaub aufkommt." Zudem sollen die Duschen saniert werden, genau wie der Eingangsbereich. Fenster und Türen würden ebenfalls ersetzt. Die Reaktionen auf die Sanierungspläne sind gemischt. "Manche sagen, die Arbeiten sollen unbedingt sofort angegangen werden. Anderen Stimmen zufolge ist das Bad nicht wichtig. Da wäre eine Kanalsanierung dringender."

Trotzdem hat der Marktrat kürzlich einen Grundsatzbeschluss gefasst: Die Freibad-Sanierung muss angegangen werden. Projekt-Skizzen zu den Wünschen und der Gestaltung gibt es bereits. Über Jahre ist in Rieden nichts passiert - vor allem, weil es der kleinen Gemeinde nicht möglich ist, einen Geld-Batzen, wie er erwartet wird, zu stemmen. Jetzt könnte hingegen wirklich etwas ins Rollen kommen. Dafür hat Geitner seinen Sommerurlaub sogar verschoben.

Förderung vom Bund

Seit dem 1. August hat das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung ein Förderprogramm zur "Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur" gestartet. 45 Prozent seien demnach an Unterstützung möglich, wenn Rieden unter anderem nachweist, dass das Bad "eine besondere regionale oder überregionale Wahrnehmbarkeit" besitzt und einen "Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt und zur sozialen Integration in der Kommune" leistet. Geitner ist überzeugt: "Unser Freibad ist ein Kleinod. Viele Amberger Schwimmer kommen zu uns - auch wegen des 50-Meter-Schwimmerbeckens."

Sollte der Bürgermeister tatsächlich im Oktober oder November einen positiven Bescheid vom Bund bekommen, sind er und sein Marktrat vorbereitet. "Ich wäre froh, wenn das klappt", sagt er mit einem optimistischen Lächeln. 2019 könnten nach der Badesaison die Arbeiten bereits beginnen. "Bei einer Winterbaustelle ist es möglich, dass das Bad im Mai oder Juni des folgenden Sommers wieder öffnet." Geitner hat das Formular abgeschickt. Er muss nun warten. Solange genießen die Riedener die letzten heißen Sommertage im Freibad. Vielleicht ist es das letzte Mal in einer Kulisse der 1970er Jahre.

Info:

Bei der Umfrage des Staatsministeriums hat die Gemeinde Hirschbach als anstehende Sanierungskosten 750 000 Euro für ihr Freibad angegeben. „Das ist eine interne Schätzung“, erklärt Bürgermeister Hans Durst. „Wir haben das hochgerechnet, was es kosten könnte, Technik und Becken in unserem Bad zu sanieren.“ Es sei richtig, dass das Freibad von einer Schließung bedroht ist. „Wir müssen von Jahr zu Jahr entscheiden, ob wir noch einmal öffnen können.“

Zwischen 3500 und 5000 Besucher in der Saison hat das rund 40-jährige kleine Bad im westlichsten Zipfel des Landkreises Amberg-Sulzbach. Zum Glück habe das Bad einen Förderverein: „So bleibt nur ein Defizit von etwa 25 000 Euro an der Gemeinde hängen. Den Rest übernimmt der Verein.“

Von der Förderung, wie sie der Markt Rieden angehen möchte, um das Bad auf den neuesten Stand zu bringen, hat Durst bereits gehört. „Aber wir müssen erst unsere Hausaufgaben machen. Dazu haben wir eine Studie in Auftrag gegeben, die herausfindet, was genau im Bad erneuert werden muss und zu welchem Preis.“ Durst hofft, dass er bis zum Herbst Ergebnisse hat.

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