30.08.2020 - 09:03 Uhr
RiedenOberpfalz

Eine Nacht im Bett der Backstreet Boys

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Die "Into the Millennium"-Tour führte die Backstreet Boys 1999 tatsächlich auch in die Ostbayernhalle nach Kreuth. Die damals 18 Jahre alte Corinna Frey aus Rieden hat daran sehr persönliche Erinnerungen.

Die Backstreet Boys auf der Bühne (von links): Kevin Richardson, Howie Dorough, A. J. McLean, Brian Littrell und Nick Carter. Ihnen kam im Juli 1999 die damals 18 Jahre alte Schülerin Corinna Frey aus Rieden nach dem Konzert in der Ostbayernhalle sehr nahe.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Mit Hits wie "We've Got It Goin' On", "Quit Playing Games", "Everybody", "Larger Than Life" oder "I Want It That Way" sangen sich die Backstreet Boys ab 1995 weltweit in Abermillionen von vornehmlich weiblichen Herzen. Am 6. Juli 1999 machten Howie Dorough, A. J. McLean, Nick Carter, Kevin Richardson und Brian Littrell in der Ostbayernhalle in Kreuth für ein Konzert Station. Mit dabei - die 18 Jahre alte Corinna Frey aus Rieden und ihre damalige beste Freundin, die in Kümmersbruck wohnte. "Wir waren ständig zusammen unterwegs, haben im Schröder's und später auch im Café am Schloss bedient."

Obwohl Corinna mehr für die Boyband East 17 um Frontmann Brian Harvey schwärmte war klar: "Wir gehen auf dieses Konzert." Doch die beiden jungen Frauen wollten versuchen, ihren Heimvorteil zu nutzen. Sie hatten keine Lust, sich in die unüberschaubare Masse von kreischenden Teenagern einzureihen, die aus allen Himmelsrichtungen nach Rieden gekommen waren: "Wir waren ja schließlich keine 13 mehr." Corinnas Vater, der den Hallenverwalter gut kannte, sorgte dafür, dass das Duo den Hintereingang nutzen durfte. Noch bevor die Menge in die ausverkaufte Halle strömte, hatten sich die jungen Frauen Plätze gesichert, und Corinnas Freundin sagte: "Ich hole uns noch was zum Trinken."

Kontakt zu Chefchoreograph

Minute um Minute verging, für Corinna eine halbe Ewigkeit. Die Tore waren offen, die Ostbayernhalle füllte sich zusehends, doch von der Freundin fehlte jede Spur: "Was macht die da bitte so lange?" Die Antwort der Begleiterin, die später mit zwei Apfelsaftschorlen zurückkam: "Sorry, ich habe unterwegs einen aus dem Team der Backstreet Boys getroffen und mit ihm geredet." Heute weiß Corinna Frey: "Das war nicht irgendwer. Das war der Chefchoreograph der Tänzer."

Das Gespräch mit ihm sei "eher belanglos" gewesen, es habe aber mit einer Frage des Mannes geendet, der noch große Bedeutung zukommen sollte: "Sehen wir uns später noch?" Die beiden Schülerinnen fühlten sich geehrt, stuften die Frage aber in die Kategorie Small Talk ein und maßen ihr keine größere Bedeutung bei. Als das Konzert beendet war, ließen sich Corinna und ihre Freundin Zeit. Sie wollten sich erneut nicht unter die kreischenden Mädchen mischen und hofften darauf, vielleicht doch noch einen privaten Blick auf die Backstreet Boys werfen zu können. Als sie da so standen und bereits vom Sicherheitspersonal aufgefordert worden waren, doch bitte zügig die Halle zu verlassen, hörten sie eine Stimme: "Kommt ihr morgen auch nach Friedrichshafen?" Es war der Choreograph, der sich von der perplexen Corinna die Nummer geben ließ und sagte: "Ich ruf' dich an." Die heute 39-Jährige, die nach dem Abitur am Decker-Gymnasium in München Sportwissenschaften studiert hat, blickt zurück: "Wir haben überhaupt nichts darauf gegeben." Doch um 1.18 Uhr klingelte plötzlich Corinnas Telefon. Am anderen Ende? Der Choreograph, der sagte: "Wir sind im Tourbus nach Friedrichshafen. Sehen wir uns dort nach dem Konzert?" Corinna wusste sich nicht anders zu helfen, als zuzusagen: "Okay, wir kommen."

Mit Zug nach Friedrichshafen

Am nächsten Morgen ging es für die Riedenerin und die Kümmersbruckerin ganz normal in die Schule. Nach dem Unterricht warf Corinna Frey einen Blick auf ihr Handy: "Ich hatte drei Anrufe in Abwesenheit." Der Vortänzer der Backstreet Boys hatte tatsächlich versucht, sie erneut zu erreichen. In dem Moment stand für die 18-Jährige fest: "Scheiß' drauf, wir fahren da jetzt hin." Die beste Freundin ließ sich überzeugen und Corinnas Mutter dazu überreden, für die beiden eine Zugverbindung herauszusuchen. Gesagt, getan: Um 21.30 Uhr waren die beiden jungen Frauen in Friedrichshafen und warteten ohne Eintrittskarten vor der Halle. Doch es gab ein Problem. Corinna und ihre Freundin standen nicht auf der Gästeliste. Wie auch? "Der Typ wusste ja nicht, wie wir heißen. Vor der Halle haben wir ganz selbstbewusst gesagt, dass wir auf der Gästeliste stehen. Das hatte uns der Tänzer am Telefon so erzählt. Trotz der Tatsache, dass uns aber niemand vom Hallenpersonal auf der Liste fand, haben sie uns doch einfach reingelassen, ohne Ticket. Das fanden wir echt cool." In der Halle verfolgten Corinna und ihre Freundin ihr zweites Backstreet-Boys-Konzert innerhalb von 24 Stunden.

Das alleine hätte den jungen Frauen als Erfahrung gereicht, doch es sollte für sie noch besser kommen. Nach dem Auftritt der Boyband wurde der Chefchoreograph tatsächlich auf die beiden Schülerinnen aufmerksam, denn die taten einiges dafür, bemerkt zu werden: "Wir haben geschrieen wie die Blöden. Auf den letzten Drücker hat er uns gesehen und gesagt, dass er uns anrufen wird." Zehn Minuten später klingelte tatsächlich Corinnas Telefon: "Er hat gefragt, wo wir sind und gemeint, wir sollten doch mit ins Hotel kommen." Die Adresse war schnell mitgeteilt, auch eine Zimmernummer erfuhren die beiden jungen Frauen: 82. Vor Ort traute Corinna zuerst ihren Augen nicht: "A. J. ist uns im Bademantel über den Weg gelaufen." Doch von dem "Hey" des Sängers haben sich Corinna Frey und ihre Freundin nicht beeindrucken lassen. Sie hielten vielmehr Ausschau nach dem Tänzer, schließlich hatten sie es ihm zu verdanken, hinter die Kulissen der beliebten Boyband blicken zu dürfen. Mit ihm ging es zunächst an die Hotel-Bar, wo sich früher oder später alle Backstreet Boys blicken ließen: "Wir sind da ein bisschen gesessen und haben mit Howard geratscht. Er war sehr nett."

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Nick Carter blitzt ab

Bis tief in die Nacht saßen Corinna und ihre Freundin mit den Sängern zusammen: "Wir haben uns mit ihnen auf Englisch über alles Mögliche unterhalten. Mit Nick Carter haben wir nicht groß gesprochen, soweit ich mich erinnere." Aber: "Wir haben nur beobachtet, dass er eine andere Frau, die an der Bar saß, sie war normaler Hotelgast, mehrmals ansprach." Die wollte aber offenbar ihre Ruhe haben: "Das wirkte auf uns als hätte er versucht, sie anzugraben. Hat aber wohl nicht funktioniert. Darüber mussten wir schmunzeln."

Und was war mit Corinna und ihrer Freundin? Kamen sie den Back-street Boys auch körperlich etwas näher? Corinna Frey schüttelt den Kopf: "Mehr als Bussi-Bussi war da nicht. Wir sind nicht mit ihnen aufs Zimmer." Dafür aber ohne sie. Als sich der ganze Tross noch vor dem Sonnenaufgang wieder in Bewegung setzte, um zum nächsten Konzert in Italien weiterzuziehen, erhielten die Schülerinnen das nächste Angebot des Chefchoreographen: "Ihr könnt ja mitfahren." Corinna Frey und ihre beste Freundin verneinten: "Da hatten wir damals dann doch zu großen Respekt. Wir haben ja schon den Tag danach Schule geschwänzt, mehr hätten wir uns damals nicht getraut." Heute würde Corinna das lockerer sehen: "Ich würde mir denken, warum nicht? Und in so einer Situation spontan vielleicht einfach mitfahren." Damals entschieden sich die Amberg-Sulzbacherinnen aber dafür, zu bleiben und die Backstreet Boys ziehen zu lassen. Als sich der Tourbus wieder auf dem Weg befand, machten es sich Corinna und ihre Begleiterin in einem der für die Band reservierten und bereits vom Management bezahlten Zimmer im Bett bequem - und schliefen erstmal eine Runde: Aber nicht lange. "Um 7 Uhr ging es mit dem Zug zurück nach Amberg. Ein Kumpel hat uns um 10.30 Uhr am Bahnhof abgeholt. In die Schule sind wird an diesem Tag aber nicht mehr."

Mit 18 Jahren heftete sich Corinna Frey an die Fersen der Backstreet Boys.
Corinna Frey ist mittlerweile 39 Jahre alt. In München ist sie als Sportwissenschaftlerin tätig.
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