18.06.2021 - 13:15 Uhr
Rosall bei TirschenreuthOberpfalz

Flugzeugabsturz bei Tirschenreuth: Suche nach Ursache läuft

Am Donnerstag gegen 16 Uhr werden Polizei, Feuerwehr und Bergwacht alarmiert. "Es besteht kein Funkkontakt zum Flugzeug mehr", so die erste Meldung. Mehr ist nicht bekannt. Die Suche nach dem Flieger und dem Piloten beginnt.

Mitten im Wald, zwischen Rosall und Ottengrün, stürzte am Donnerstagnachmittag ein Motorsegler ab. Der 59-jährige Pilot, der in der Nähe von Erfurt am Morgen gestartet war, konnte sich mit dem Fallschirm retten.
von Armin Eger Kontakt Profil

Albert Kunz ist wie so oft bei schönem Wetter am Donnerstagnachmittag in seinem Garten am Egerer Waldhäusl. "Ich habe zunächst weit weg ein Flugzeug gesehen. Aber die Sonne hat so stark geblendet. Es hat dann ausgesehen wie zwei Flugobjekte, die sich sehr nahe gekommen sind. Ich dachte, da stimmt was nicht", erzählt Kunz.

Das war gegen 15.40 Uhr. Als eine halbe Stunde später das erste Polizeiauto am Egerer Waldhäusl auftaucht, wird der Verdacht von Kunz bestätigt. "Wir wurden alarmiert, weil kein Kontakt mehr zu einem Flugzeug bestand", sagt Erster Polizeihauptkommissar Roland Heldwein, Leiter der Polizeiinspektion Waldsassen. Die letzten Funksignale wurden im Bereich Rosall, Neualbenreuth, Ottengrün empfangen. Kunz berichtet den Polizeibeamten, was er gesehen hat, unter anderem einen Fallschirm. "Ich kenne hier heroben jeden Baum. Ich habe grob die Richtung angezeigt und gehofft, ich kann zur Aufklärung beitragen."

Feuerwehren, Bergwacht, THW

Inzwischen sind die Feuerwehren aus Ottengrün, Poppenreuth, Neualbenreuth, Waldsassen und Tirschenreuth, die Bergwacht Fuchsmühl und das THW Marktredwitz vor Ort. Drei Hubschrauber kreisen über dem Wald. Die Einsatzleitung der 60 bis 70 Leute übernimmt Tobias Tippmann, Kommandant der Feuerwehr Waldsassen.

Die Suche beginnt. Feuerwehrmänner sind es, die durch die Bäume in 200 Metern Entfernung einen rot-weißen Fallschirm entdecken. Als sie näher kommen, sehen sie, dass in sechs bis sieben Metern Höhe eine Person daran hängt. "Wir haben sofort die Bergwacht hingelotst", sagt Tippmann.

Routinemäßiger Einsatz

"Wir waren mit fünf Mann an der Unglücksstelle", berichtet Andreas Zwerenz, Einsatzleiter der Bergwacht Fuchsmühl. Die Rettung des Verletzten sei reine Routine gewesen. "Wir üben das regelmäßig." Mit Steigeisen, Schlingen und einem Klettergurt holt ein Bergwachtler den Verletzten schnell vom Baum. Die Feuerwehr hat ihn zuvor mit Leitern gesichert, damit er nicht abstürzt. Der Mann hat ein Hängetrauma, mehrere Frakturen und sonstige innere Verletzungen erlitten. Er ist jedoch ansprechbar. Er wird mit dem Hubschrauber ins Klinikum Weiden geflogen. "Er hing etwa eineinhalb Stunden im Baum", sagt Einsatzleiter Tippmann.

In der Nähe von Erfurt gestartet

Es stellt sich heraus, dass es der 59-jährige Pilot des Motorseglers ist. Er war am Morgen auf einem Flugplatz in der Nähe von Erfurt gestartet, etwa 150 Kilometer von der Unglückstelle entfernt. Als er in der Nähe über Tirschenreuth Probleme bekommt, springt er mit dem Fallschirm ab. Ein Notsignal wird automatisch ausgelöst. „Das landet in einer Leitstelle bei Würzburg und dann wurden wir alarmiert“, sagt Heldwein.

Nach der Rettung des Piloten geht am Donnerstag die Suche nach dem einsitzigen Motorsegler weiter. "Wir mussten zunächst von einer Explosionsgefahr ausgehen", sagt Heldwein. "Es gibt nämlich Segelflieger, die haben einen Fallschirm mit Sprengkapsel an Board, die bei einem Notfall ausgelöst wird und dann geht das gesamte Flugzeug am Fallschirm zu Boden. Das war aber nicht so. Wir hatten Kontakt zum Besitzer des Flugzeugs, der uns bestätigte, dass es ein Motorsegler ist, also ohne Sprengkapsel." Der SAR-Hubschrauber („Search and Rescue“) ortet das Signal des abgestürzten Flugzeugs im Wald bei Rosall, etwa 500 Meter von der Fundstelle des Piloten entfernt.

Das Flugzeug mit einer ursprünglichen Länge von 10 Metern und einer Spannweite von 20 Metern war noch mehrere Hundert Meter weitergeflogen, nachdem der Pilot mit dem Fallschirm abgesprungen war. "Das, was von dem Flieger übrig geblieben ist, war schwer zu erkennen", sagt Feuerwehreinsatzleiter Tippmann. "Es ist wohl frontal runtergepfiffen."

Bis 1 Uhr vor Ort

Von einer nicht alltäglichen Situation berichtet Andreas Köhler, Kommandant der Feuerwehr Neualbenreuth, die bis 1 Uhr nachts vor Ort ist. "Wir haben die Absperrung mit übernommen, Teile gesichert und die Unfallstelle für die Kriminalpolizei ausgeleuchtet." Schaulustige seien nicht vor Ort gewesen. Die Unglücksstelle mitten im Wald habe das zum Glück verhindert.

Am Freitagvormittag sind Sachverständige des Bundesluftfahrtamtes vor Ort, um die bisher unbekannte Unglücksursache zu ermitteln. Auch die Wrackteile werden geborgen.

Zur Erstmeldung

Rosall bei Tirschenreuth

"Das, was von dem Flieger übrig geblieben ist, war schwer zu erkennen. Es ist wohl frontal runtergepfiffen."

Feuerwehr-Einsatzleiter Tobias Tippmann

"Es hat dann ausgesehen wie zwei Flugobjekte, die sich sehr nahe gekommen sind. Ich dachte, da stimmt was nicht."

Augenzeuge Albert Kunz, vom Egerer Waldhäusl

 

 

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