28.09.2018 - 15:07 Uhr
Rothenhof bei KulmainOberpfalz

Verschüttet

Bei Arbeiten im Asphaltmischwerk kommt es zu einem schweren Unfall. Drei Menschen werden unter Trümmern eingeklemmt. Als die Rettungskräfte den "Verunglückten" helfen, kommt es zu einem weiteren Zwischenfall.

von Michael DenzProfil

Kreisbrandinspektor Otto Braunreuther hatte eine großangelegte Alarm- und Einsatzübung auf dem Betriebsgelände der Firma Markgraf beim Asphaltmischwerk ausgearbeitet. 114 Feuerwehrmänner und -frauen aus Zinst, Oberwappenöst, Kulmain, Kemnath, Neusorg, Lochau, Lenau, Riglasreuth, Immenreuth, Pullenreuth und Waldeck waren zum Ortsteil Rothenhof am Zinster Berg ausgerückt. Auch zehn Einsatzkräfte der BRK-Bereitschaft Armesberg fuhren mit den HvO-Fahrzeugen und zwei Rettungswagen vor. Als am späten Abend die Sirenen im Kemnather Land und dem Fichtelnaabtal heulten, erreichte die Floriansjünger die Meldung, dass auf dem Betriebsgelände des Asphaltmischwerks nach einem Unfall Personen eingeklemmt seien. Nachdem die Einsatzkräfte aus Zinst um Kommandanten und Einsatzleiter Andreas Kausler die Lage erkundet hatten, forderten sie Verstärkung aus Immenreuth und Lenau an. Das Szenario: Ein Radlader war bei Planierarbeiten auf einem Lagerplatz über einen Abhang hinabgestürzt. Zeitgleich war ein Lasterfahrer unterhalb des Lagerplatzes mit dem Abladen beschäftigt. Durch den Absturz des Radladers wurden er als auch ein Auto mit zwei Insassen verschüttet.

Einbrechende Dunkelheit erschwerte die Arbeiten. Nebst der Befreiung der im Fahrzeug eingeklemmten "Personen" und des im Beinbereich verschütteten Lasterfahrers galt es auch, ein weiteres Abrutschen des Radladers mittels der mechanischen Winden der Hilfeleistungslöschfahrzeuge aus Immenreuth und Kemnath zu verhindern. Schweißtreibend gestaltete sich das Freilegen des Autos, bei dem Gesteinsbrocken per Hand beiseite geräumt werden mussten.

Mit Schere, Spreizer und Rettungszylindern konnten die "Verunglückten" aus dem Auto zügig befreit werden. Zur Rettung des verletzten Radladerfahrers kamen unter Leitung von Kreisbrandmeister Florian Braunreuther eine Rettungsplattform und weitere Rettungs- und Transportgeräte zum Einsatz. Das zweite Unglück ließ nicht lange auf sich warten: Ein Monteur, der an einem Förderband der Mischanlage arbeitete, rutschte ab und fiel auf den Fülltrichter. Gasflasche und Brenner entzündeten einen Brand. Ohne Bewusstsein blieb die "Person" in luftiger Höhe hängen. Weitere Fahrzeuge der Floriansjünger aus Pullenreuth, Waldeck, Immenreuth und Kemnath mussten angefordert werden. Mit der Kemnather Drehleiter konnte die "abgestürzte" Person gerettet werden. Unter Atemschutz gingen mehrere Trupps zur Brandbekämpfung vor. Eine rund 500 Meter lange Schlauchleitung vom Weiher des nahe gelegenen Steinbruchs stellte sicher, genügend Löschwasser vor Ort zu haben. Den Einsatzabschnitt "Brandbekämpfung" leitete Kreisbrandmeister Alois Schindler.

Kreisbrandinspektor Braunreuther fungierte als Beobachter. Er lobte das zügige und saubere Abarbeiten der Szenarien und erwähnte die gute Zusammenarbeit der einzelnen Einsatzkräfte. Er dankte der Firma Markgraf für die Bereitstellung des Betriebsgeländes sowie den Firmen Hautmann und Pöllath für die Bereitstellung des Lastwagens und des Autos. Zudem sprach er seinen Dank allen Aktiven für die Teilnahme an der Übung aus.

Der Einsatzleiter des Rettungsdienstes und stellvertretende Leiter der Kemnather BRK-Rettungswache, Julian Dötterl, dankte für das einwandfreie Zusammenwirken zwischen Feuerwehr- und Rettungsdienstpersonal. Ebenfalls ein Bild machten sich Kulmains Bürgermeister Günter Kopp und der Markgraf-Sicherheitsingenieur Gerald Pühlhorn. Mischmeister Richard Neumann dankte den Einsatzkräften für ihre gute Arbeit und den Übungselan. Wie Pühlhorn betonte, "baut das Team der Mischanlage am Hügel auf Sicherheit". Die professionell organisierte Übung zeigte, "wie die Rettungskette im Ernstfall funktionieren muss, um Leben zu retten".

"Durch die in hohem Maße professionell geplante und durchgeführte Übung werde deutlich, wie die Rettungskette im Ernstfall funktionieren muss, um Leben zu retten."

Gerald Pühlhorn, Sicherheitsingenieur der Firma Markgraf.

Hintergrund:

Markgraf und das Asphaltmischwerk

Die Firma Markgraf ist eine breit aufgestellte, mittelständische Bauunternehmung mit Hauptsitz in Bayreuth. Die rund 950 Beschäftigten realisieren Projekte in ganz Deutschland. Es werden Vorhaben mit mehr als 440 Millionen Euro Gesamtvolumen pro Jahr abgewickelt.

Im Asphaltmischwerk am "Zinster Berg" werden verschiedenste Asphaltsorten produziert, Im dortigen Labor werden innovative Rezepturen erforscht und Qualitätskontrollen vorgenommen. Derzeit können stündlich zwischen 130 und 280 Tonnen Asphalt gemischt werden. Im Mischwerk sind rund 20 Personen beschäftigt. Zudem arbeiten 30 Spezialisten in der eigenen Straßenbaukolonne die beim Neubau von Gemeinde-, Kreis- und Staatsstraßen und bei der Sanierung von Autobahnabschnitten zum Einsatz kommt. (mde)

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.