Geister-Busserl für "Gspenstermacher"

Es spukt im Dorf, und schuld sind zwei schrullige Totengräber. Mit dem Schwank "Gspenstermacher" haucht der Rothenstädter Burschenverein dem Mundarttheater neues Leben ein. Fast sämtliche Vorstellungen sind ausverkauft.

Zwei, die sich nicht gerade mögen: die Veichtlingerin (links) und die Moorwirtin.
von Redaktion ONETZProfil

Passend zur Zeit zwischen Weihnachten und Dreikönig und zum Thema der „Los- und Rauhnächte“ präsentiert der Burschenverein Rothenstadt eine Geschichte über das „Waizzn“, über die herumspukenden Geister und Gespenster. Im Theaterstück „Gspenstermacher“, das vom 26. Dezember bis zum 10. Januar sieben Mal im Evangelischen Gemeindehaus aufgeführt wird, geht es allerdings nicht nur schaurig, sondern auch ausgesprochen humorvoll zu. Vorstand Benjamin Hösl begrüßte am Montagabend im ausverkauften Saal auch eine Abordnung vom Patenverein aus Püchersreuth. Sein Dank galt besonders der evangelischen Kirchenverwaltung, die dem Verein einen Ort für die Proben und die Aufführungen zur Verfügung gestellt hatte.

Im Mundart-Dreiakter geht es um die skurrilen Brüder Schippe und Schaufe, Totengräber im tristen Moortaler Moos, die weder lesen noch schreiben können und gerade so ihr Auskommen haben. Sie werden von jedermann eher gemieden, abgesehen vom sympathischen Knecht Leo auf dem Veichtlhof, der schon mal mit der Wirtin Rosa Moderer anzubandeln versucht. In deren heruntergekommenen Dorfschenke spielt sich alles ab. Die Moorwirtin trägt einen langjährigen Zwist mit der wohlhabenden Bauernwitwe Vevi Veichtl aus: „Däi Gsicht erinnert me ana Buddasemml, ich kannda ständig oine schmiarn." Beide interessieren sich sehr für den Dorfschuster, den Schuaster-Jackl. Dann sind da noch die schrullige Philomena, die täglich in die Wirtsstube kommt, um sich kostenlos ihr „Schweiners“ mit Knödel und Kraut servieren zu lassen und Karten zu legen, sowie Lena, die hübsche, angebliche Nichte der Wirtin. Als diese von ihren vielen Liebhabern erzählt, kann es sich Philomena nicht verkneifen: „Bei di junga Laidd gäihds zou wöi in Püchersreuth.“ In einem typisch oberpfälzisch kargen Dialog kommen sich Lena und Leo näher: „Moarng – Kirwatanz – mia zwoa – bussln – draude – drau me niad."

Eines Tages wird den zwei Graberern mitgeteilt, dass sie künftig statt eines monatlichen Gehalts als geringe Prämie fünf Mark pro Begräbnis erhalten: „Nur a Leich macht reich." Schippe rechnet schnell hoch. Bei derzeit 3 Toten in zehn Monaten müssten etwa 25 Menschen im Jahr sterben, um auf den gleichen Lohn zu kommen. Woher die nehmen? Eine Flasche Gift lässt schnell finstere Gedanken aufkommen. Absicht oder ein Versehen? Ein ausgesprochener Fluch tut sein weiteres, und sowohl die Moorwirtin als auch die Veichtlingerin spuken als fidele Gespenster durchs Dorf, sichtbar aber nur für Schippe und Schaufe. Als „Geist“ Rosa dem Jackl ein Busserl auf die Wange drückt, meint der, ein Ackergaul habe ihn abgeschleckt. Wochen später klären sich die Verhältnisse. Bekommt Leo, der eine schlechte Meinung von den Frauen hat („Weiber drahn oin as Wort im Maal um, selbst wennsd niggs gsagd haoust“) seine Leni? Haben die beiden „geisterhaften Erscheinungen“ am Ende ausgegeistert?

Bis dahin boten die acht Akteure, denen die Freude am Spiel anzusehen war, Unterhaltung vom Feinsten. Neben den beeindruckenden Ton-, Licht- und Nebeleffekten stand immer wieder eine Menge lustiger, zuweilen auch leicht derber angehauchter Sprüche im Mittelpunkt und gab Anlass zum Lachen. Die Paraderolle des Totengräbers Schippe war Stefan Oppitz, der auch Regie führte, auf den Leib geschrieben: mit spitzbübischer greller Stimme, mit den ulkigsten Gesten und Grimassen und mit überraschenden Einfällen, etwa wenn er unter der Theke eine „tote Maus“ fand und sie ins Publikum warf. Als schelmischer Bruder Schaufe stand ihm Matthias Bäumler als eher einfältiger Bursche wirkungsvoll zur Seite. Die übrigen Protagonisten fügten sich treffend in ihre jeweilige Rolle und in das turbulente Geschehen ein: Toni Forster als Knecht Leo mit lakonischem Humor, die durchaus resolute Moorwirtin Daniela Scharnagl, die schon mal keifende Veichtlingerin Carina Großmann, der Dorfschuster Florian Strehl, der sich für keine der beiden so richtig begeistern kann, die sich nach echter Liebe sehnende Saskia Härtl als Lena und die gar nicht so verrückte Philomena alias Julia Biebl. Kein Wunder, dass tosender Schlussapplaus der Lohn für ihr Können war.

Die weiteren Vorstellungen am 3., 4., 5. und 10. Januar sind alle ausverkauft; für die Zusatzaufführung am 9. Januar sind noch wenige Restkarten in der Bäckerei Rauh erhältlich.

Werden Lena und Leo ein Paar?
Die beiden Totengräber Schaufe und Schippe bei der Dorfverrückten Philomena.
Knecht Leo ist einer der wenigen, der sich mit Schippe abgibt.
Bevor der Dorfschuster die Wirtin heiratet, will er nackt mit diesen Schuhen auf der Straße tanzen.
Es wird turbulent, denn die beiden Geister stürzen sich auf Schaufe.
Sie haben es faustdick hinter den Ohren: die Totengräber Schaufe und Schippe.
Es wird turbulent, denn die beiden Geister stürzen sich auf Schaufe.
Jetzt geht es Schippe an den Kragen .
Der Schuaster-Jackl zeigt wenig Interesse für die beiden Damen.
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