SPD-Ortsverein Rothenstadt: Der Geschichte auf der Spur

Seit 100 Jahren besteht der SPD-Ortsverein Rothenstadt. Seit 50 Jahren beschäftigt sich Georg Kick mit der Geschichte des Ortes. Die Genossen luden nun zu einem geschichtsträchtigen Spaziergang mit dem Heimatforscher ein.

Heimatforscher Georg Kick (vorne, links) weiß Interessantes zu berichten.
von Redaktion ONETZProfil

Etwa 40 Interessierte trafen sich zu dem Sonntagsspaziergang an der Dorfeiche zur Freude von stellvertretendem Vorsitzenden Tobias Kutz. An den einzelnen Stationen gab Kick einen Einblick in historische Gegebenheiten, die er mit passenden kleinen, oft humorvollen Erzählungen untermalte.

Der Name Rothenstadt taucht erstmals 1179 auf, früher als jener von Weiden. In Rothenstadt befindet sich mit der Wallanlage, auf der die Gruftkapelle der Familie von Sazenhofen steht, das älteste Bauwerk im Stadtbereich. St. Bartholomäus war schon eine eigene Pfarrei, als St. Michael noch eine Filialkirche von Neunkirchen gewesen ist. Und in Rothenstadt steht – im Gegensatz zu Weiden – ein Schloss, das von 1602 bis 1903 den Sazenhofnern gehörte. Fast 600 Jahre lang hatte sich an der Struktur des Dorfes kaum etwas geändert. Die etwa 400 Menschen lebten von den geringen Erträgen des Bodens. Erst die Industrialisierung wandelte die ländliche Dorfgemeinschaft zu einem modernen Wohnort.

Kuriose Geschichten erzählte Kick zu den verschiedenen Jahrhunderten. Als im Jahr 1823 Höfe abbrannten, wurde eine Bäuerin aus Ullersricht als Brandstifterin aus verschmähter Liebe zum Tode verurteilt und ein Jahr später zur lebenslanger Kettenhaft begnadigt. In Zeiten des Dritten Reiches wurde zum bestehenden katholischen Kindergarten im kleinen Saal des Gasthauses Schätzler (jetzt Lehner) eine „Kleinkinderbewahranstalt“ eingerichtet. Statt eines Morgengebets, so erinnerte sich eine Einwohnerin, musste von den Kindern der Spruch „Händchen falten, Köpfchen senken, immer an Adolf Hitler denken“ aufgesagt werden.

Natürlich ging der Heimatforscher auch auf die Geschichte des SPD-Ortsvereins ein. Die „SPD-Sektion“ Rothenstadt wurde am 20. Mai 1919 im Gasthaus Krauß von 33 Mitgliedern gegründet. Den im April 1933 demokratisch gewählten Bürgermeister Georg Hägler setzte die NSDAP einen Monat später ab und ersetzte ihn durch das 27-jährige Parteimitglied Otto Strobel, den offenbar die vier SPD-Gemeinderäte nicht wählten. Diese traten am 29. Juni 1933 zurück, die SPD-Ortsgruppe wurde verboten. Strobel wurde 1935 abgesetzt, weil er anlässlich der Mission erlaubt hatte, das Dorf mit Kirchenfahnen zu schmücken. 1945 wurde der SPD-Ortsverein wiedergegründet. Von 1946 bis 1970 stellte die SPD mit Hans Sauer den Bürgermeister. Nach dem Parteienskandal bei der Eingemeindung endete mit dem Anschluss der Gemeinde an die Stadt am 1. Mai 1978 eine fast 800-jährige Ortsgeschichte. Bei Kaffee und Kuchen zu fachlichen Gesprächen klang die Veranstaltung im Gasthaus Hösl aus.

Rund 40 Teilnehmer finden sich auf Einladung der SPD Rothenstadt zum Sonntagsspaziergang mit Heimatforscher Georg Kick ein.
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