16.06.2019 - 19:19 Uhr

Rüstungsexporte: Regierung führt Öffentlichkeit in die Irre

Die Bundesregierung propagiert eine "zurückhaltende" Rüstungsexportpolitik, gleichzeitig genehmigt sie Lieferungen im Wert von mehr als einer Milliarde Euro an die Saudi-Allianz im Jemen-Krieg. Da stimmt doch was nicht, meint Julian Trager.

Kommentar von Julian Trager
Ein großes Streitthema sind die deutschen Rüstungsexporte - besonders wenn es um Patrouillenboote für Saudi-Arabien geht. Bild: Stefan Sauer/dpa
Ein großes Streitthema sind die deutschen Rüstungsexporte - besonders wenn es um Patrouillenboote für Saudi-Arabien geht.

Es liest sich gut. Auf der eigenen Webseite schreibt das Bundeswirtschaftsministerium von einer "zurückhaltenden und verantwortungsvollen Rüstungsexportpolitik" mit "besonderem Augenmerk darauf, dass die Güter nicht für Menschenrechtsverletzungen missbraucht werden oder zur Verschärfung von Krisen beitragen". Im Koalitionsvertrag steht: "Wir werden ab sofort keine Ausfuhren an Länder genehmigen, solange diese unmittelbar am Jemen-Krieg beteiligt sind." Denkste.

Die Regierung exportierte seit Anfang des Jahres Rüstungsgüter im Wert von 1,1 Milliarden Euro an die von Saudi-Arabien geführte Allianz im Jemen-Krieg. Das ist bereits jetzt, nach noch nicht mal einem halben Jahr, fast so viel wie der Wert der Lieferungen im ganzen Jahr 2017, da waren es 1,3 Milliarden Euro - und da gab es keine Exportbeschränkungen für die am Jemen-Krieg beteiligten Länder.

Mit diesen Geschäften unterstützt die Regierung einmal mehr eine Allianz, der von Amnesty International Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen wurden. Eine Allianz, die sehr wohl deutsche Rüstungsgüter in einem Krieg nutzt, der auch viele zivile Opfer fordert und der die ohnehin instabile Region weiter destabilisiert.

Da stellt sich schon die Frage: Wie würde die Genehmigungspraxis aussehen, wenn die Regierung auf "Zurückhaltung" und Beschränkungen verzichtet?

 
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.