Sassenreuther bringen Wünsche vor

Bei der Wahlversammlung der CWG in Sassenreuth kommt viel Kritik zur Sprache. Die Bürger machen sich nicht nur Gedanken über den geplanten Schulneubau in Kirchenthumbach, sondern bemängeln auch "Schandflecken" in der Gemeinde.

Michael Lindner aus Sassenreuth kritisiert, dass die Marktgemeinde Kirchenthumbach das "Stacherl" nicht schon früher abgebrochen habe. „Heute hat man eine Sehenswürdigkeit“, sagt er mit einer gewissen Prise Ironie.
von Autor EDOProfil

Die Wahlveranstaltung der CWG in Sassenreuth war mit 60 Interessierten gut besucht. Dass seine Wählergemeinschaft in dem Dorf aber große Konkurrenz durch deren eigene Dorfliste habe, sei ihm bewusst, sagte CWG-Bürgermeisterkandidat Ewald Plößner. „Wir wollen, dass ihr auch eure eigenen Kandidaten wählt und dass auch eure Leute im Marktgemeinderat sitzen“, betonte Plößner. Der Bürgermeisterkandidat der CWG hoffe dennoch auf Unterstützung. Die Marktgemeinderatskandidaten der Wählergemeinschaft präsentierten sich und ihre Ziele und warben für ihren Bürgermeisterkandidaten. Die Prämisse lautete: „Wir wollen Kirchenthumbach voranbringen“, es müsse sich aber etwas drehen, da es in der momentanen Konstellation nicht funktioniere, hieß es.

Bei der Rückschau auf die vergangenen sechs Jahre stellten die aktuellen Marktgemeinderäte Daniel Götz und Jürgen Geyer klar: „Natürlich wurden auch Ziele erreicht und Entscheidungen gemeinsam getroffen.“ Die beiden wiesen aber beispielsweise auch auf falsche Schwerpunktsetzungen hin: „Warum nahm etwa die Umrüstung der Straßenbeleuchtung in der Bürgerversammlung so viel Raum ein und andere Themen wurden nur unzureichend behandelt?“

Ausufernde Kosten beklagte Geyer beim Baugebiet Sandbrunnen (1,4 Millionen statt 900.000 Euro) und dem Regenüberlaufbecken (1,4 Millionen statt 800.000 Euro). Dadurch würden Mittel für bevorstehende Projekte wie die Schule und die Abwasserentsorgung fehlen. Geyer kritisierte beim Gewerbegebiet – seinen Ausführungen zufolge 68 Prozent teurer als veranschlagt -, dass dafür keine aktive Bewerbung stattfinde, obwohl man beispielsweise an der B470 Werbetafeln aufstellen könnte.

Auch einige ältere Gebäude in Kirchenthumbach, die von vielen als „Schandflecken“ wahrgenommen werden, kamen zur Sprache. Dazu zähle etwa der ehemaliger „Prüschenk-Block“ in der Görglaser Straße. Dieser sei „nicht nur nicht schön, sondern auch gefährlich“, meinte ein Besucher. Man habe die Sicherung der Gebäude angestrebt, aber hier sei nicht viel passiert, konstatierten die CWG-Räte. Ob dafür nicht der private Besitzer zuständig sei, wollte ein anderer Gast wissen. „Ja“, so die Antwort, aber hier fehle das nötige Engagement. Bestrebungen, das Gebäude zu erwerben, seien im Sande verlaufen. Michael Lindner aus Sassenreuth wies diesbezüglich auch auf das „Stacherl“ am unteren Markt hin: Das Gebäude sollte in der weiter zurückliegenden Vergangenheit abgebrochen werden, aber die damaligen Gemeinderäte seien dagegen gewesen, da es eine Sehenswürdigkeit sei, erinnerte er sich und stellte ironisch fest: „Heute habe man eine Sehenswürdigkeit.“ Generell müsse man mehr Fördergelder generieren, forderte Geyer. Bezuschusste Möglichkeiten zur Entwicklung der Ortskerne gebe es mehrere, aber: „Während andere Kommunen um uns herum sehr aktiv sind, steht Kirchenthumbach bezüglich öffentlicher Subventionen bei null.“

„Das Baufeld sei knapp und topographisch anspruchsvoll“, zitierte Plößner Reinhard Bauer, den Architekten des Siegerentwurfs zum geplanten neuen Schulhaus, und stellte in Frage, ob der sogenannte „Kristall“ überhaupt die richtige Option sei. Vor allem aber bemängelte er die fehlende Transparenz bei der Vorgehensweise. Seit der Ausstellung zum Architekten-Wettbewerb in der Schule im Herbst 2019, als ein Fachgremium verschiedene Entwürfe bewertete, sei keine weitere Beratung des Marktgemeinderats mehr zum Schulhausneubau erfolgt, berichtete Daniel Götz: „Und bei der jüngsten Sitzung im Februar, auf der kein einziger öffentlicher Tagesordnungspunkt stand, hatten wir über die Zustimmung zu dem Architektenvertrag zu entscheiden.“ Götz kritisierte, dass die Kommissionsempfehlung das letzte Wort gewesen sei. Seiner Meinung nach wäre es aber angebracht gewesen, die ersten drei Entwürfe noch einmal im von den Bürgern gewählten Marktgemeinderat zu diskutieren. „Dafür sind wir schließlich da, aber dieser Schritt wurde völlig übersprungen.“ „Die offizielle Begründung, warum der Beschluss letztendlich gefallen ist, darf ich euch nicht sagen, da es sich um einen nichtöffentlichen Tagesordnungspunkt handelte“, entgegnete Götz fragenden Besuchern. Anhand zahlreicher Beiträge aus den Reihen der Gäste wurde klar: Das Thema interessiert und vor allem spaltet es die Gemüter. Ob es Möglichkeiten gebe, den Beschluss zum Neubau zu revidieren, wollte einer wissen. Andere hingegen befürworteten diesen. „Baut eine neue Schule für unsere Kinder. Sie könnte schon lange stehen“, forderte etwa Michael Lindner, der an heute undenkbare Zustände zu seiner Schulzeit erinnerte. „Sollte ich Bürgermeister werden, sorge ich dafür, dass alle Vor- und Nachteile zu den Optionen öffentlich besprochen werden“, sagte Plößner.

Beim Thema Ortsumgehung wehrte sich CWG-Kandidat Daniel Klempau gegen eine falsche Darstellung in der Öffentlichkeit: Die Linden- und Kapellenstraße seien nie dagegen gewesen, der Anwohner bemängelte aber, dass die Verantwortlichen im Vorfeld zu wenig auf die Bürger zugegangen seien.

Auf die Nachfrage Michael Lindners, ob die Ortsumgehung auch durch die CWG verhindert worden sei, antwortete Jürgen Geyer: Eine geplante „Bürgervariante“, die für Anwohner akzeptabel gewesen sei, kam nicht zustande, weil der Verkauf gemeindlicher Grundstücke durch den Bauausschuss abgelehnt worden sei. Daraufhin wurde vom Straßenbauamt eine andere Variante geplant, die näher an den Häusern verlief: „Man müsse jetzt Druck machen, damit endlich etwas passiert.“

Zuspruch der Anwesenden erhielt Jürgen Adelhardt mit seiner Bitte, neuen Wohnraum auch in den Dörfern zu schaffen, ebenso plädierte er für Möglichkeiten zum betreuten Wohnen in der Marktgemeinde.

„Nicht nur nicht schön, sondern auch gefährlich“, lautet der Kommentar eines Besuchers zum „Prüschenk- Block“. Wenn es nach der CWG geht, müsste das Gebäude erworben werden, um das Sicherheitsrisiko und den optischen Schandfleck zu beseitigen.
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