08.03.2019 - 09:56 Uhr
Oberpfalz

Schatzkammer Hagendorf

Mineralogen und Geologen verfolgen beim ersten Geotag in Pleystein den Vortrag von Dr. Rupert Hochleitner aus München. Dabei geht es unter anderem um seltene Fundstücke.

Beim ersten Geotag in Pleystein sprach rupert Hochleitner über "Hagendorf - Schatzkammer der Phosphat-Mineral-Forschung".
von Christine Walbert Kontakt Profil

Der erste Pleysteiner Geotag des Museumsarbeitskreises und des Geoparks Bayern-Böhmen am Donnerstag stand ganz im Zeichen des Vortrags von Rupert Hochleitner von der Mineralogischen Staatssammlung München zum Thema "Hagendorf - Schatzkammer der Phosphat-Mineral-Forschung" und zog Besucher aus der gesamten Region an, darunter auch namhafte Mineralogen und Geologen wie Erich Keck aus Etzenricht, Andreas Peterek und Martin Füßl aus Parkstein sowie Frank Holzförster aus Windischeschenbach und zudem einige ehemalige Bergbaukumpels aus Hagendorf sowie Waidhaus. Bürgermeister Rainer Rewitzer freute sich über rund 60 Teilnehmer im Kultursaal des Stadtmuseums. Sein dickes Lob galt dem "rührigen Museumsarbeitskreis für dessen vorbildliches und ehrenamtliches Engagement das ganze Jahr über".

"Wenn der Ortsname Hagendorf fällt, fangen bei vielen Mineraliensammlern die Augen zu leuchten an. Nahe dieser kleinen Ortschaft wurden von 1894 bis 1983 Feldspatvorkommen in reichem Maße abgebaut", blickte Hochleitner zurück. In jenem mächtigen Phosphat-Pegmatitstock mit einer Menge an Eisen-, Zink- und Manganvorkommen, die dort dominierten, befand sich eine Vielzahl seltener Mineralien. Sogar ein Mineral ("Hagendorfit") hat man nach diesem Bergmannsdorf benannt. Entdeckt wurde der Pegmatit von Hagendorf Süd bei Wegebauarbeiten 1894 und zunächst von den Grundbesitzern Puff in Abbau genommen. Um 1900 wurde die Grube auch mit ersten Untertageaufschlüssen von der Familie Wildenauer aus Pleystein weiterbetrieben. 1964 übernahmen die Amberger Kaolin-Werke den Betrieb bei einer Abbautiefe von 115 Metern.

Stillgelegt wurde der Cornelia-Schacht mit der letzten Schicht zur Gewinnung von Feldspat am 27. Juli 1983. Die derzeitige Situation erlaubt keine Funde mehr. Hagendorf Süd ist Geschichte. Die ehemalige Grube ist heute geflutet und nicht mehr zugänglich. Das geschaffene Vogelschutzbiotop gehört dem Bund Naturschutz. So bleibt es, sich über die alten Funde zu freuen und alte Fundstücke mit kritischen Augen nach neuen Mineralien durchzumustern. "Besonders hilfreich sind zur Bestimmung die zahlreichen Veröffentlichungen von Professor Hugo Strunz sowie von Professor Arno Mücke.

"Untrennbar mit den Hagendorfer Mineralienfunden verbunden ist Ferdinand Lehner (1868 bis 1943), eine bedeutende Pleysteiner Persönlichkeit. Er hat sich um die Erforschung der Pegmatitvorkommen in unserer Raum verdient gemacht und seine Mineraliensammlung mit rund 2000 Exemplaren 1935 seiner Heimatstadt gestiftet", betonte der Referent. Sie enthalte nahezu alle nennenswerten Mineralien von Pleystein-Hagendorf und Plößberg. Etwa um 1917 sei von namhaften Experten erkannt worden, dass es sich unter anderem um die Phospahte Strengit und Phosposiderit handle. Bei den inzwischen 190 verschiedenen Mineralarten, die in Hagendorf aufgetreten seien, seien viele nur mikroskopisch nachgewiesen, wie das bei seltenen Mineralien eben so sei. Sichere Identifizierung sei oft nur mit röntgenographischen Methoden möglich, und die wirklichen Schaustufen, also wo man keine Lupe brauche, seien rar und sehr teuer, wenn überhaupt gehandelt. Dennoch hätten zahlreiche Stufen den Weg in die Museen der Welt gefunden.

Hochleitner präsentierte während seiner eineinhalbstündigen Ausführungen auf der Leinwand schöne und zum teil seltene Mineralien. Er kam auch auf die Primär- und Sekundärphospate zu sprechen, nannte den Feldspat, den Quarz und den Glimmer die Bausteine des Granits und stellte verschiedene Mineralien einzeln vor, so beispielweise den Lehnerit, den Kummerit, benannt nach dem früheren Hagendorfer Betriebsleiter Rudi Kummer, den Laueit, den Beraunit, den Eleonith oder den Zivicoberaunit. Auch seien in den letzten Jahren auch dank des unermüdlichen Einsatzes des Mineralogen Erich Keck unter den von ihm vor Jahren gesicherten sogenannten "vergammelten Zwieselithen" neue Mineralien gefunden worden, so in 2011 der Nordgauit, die er alle beschrieben habe. Ein Mineral sei nach Keck mit "Keckit" getauft worden.

Hochleitner informierte das sehr interessiert zuhörende Publikum fener über die Rockbridgeit-Gruppe, den Fluorit von 2015, den Strunzit von 1957 und den zinkhaltigen Zincostrunzit, den Steinmetzit und den Schoonerit, den Wilhelmgümbelit, den Wildenauerit und den Schmidit, alle aus dem Jahre 2017, sowie den Manganfluorit von 2018.

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