10.05.2019 - 10:13 Uhr
SchirmitzOberpfalz

Historischer Spaziergang durch Schirmitz

Tief in die Schirmitzer Ortsgeschiche tauchen knapp 60 Bürger auf einem "historischen Spaziergang" durch die Gemeinde ein.

Eine Aufnahme mit Seltenheitswert: Alle Teilnehmer des Rundgangs durch die Schirmitzer Geschichte stellen sich vor dem "Denkmal der ländlichen Hofkultur" (Hofmeisterhaus) in der Bauerngasse zum Erinnerungsfoto auf.
von Norbert DuhrProfil

Der Leiter des Arbeitskreises „Zukunftswerkstatt“, Markus Dobmeier, freute sich beim Start des Rundgangs am Friedshofsvorplatz über das überraschend große Interesse. Sogar Bürgermeister Ernst Lenk und Ruhestandspfarrer Andreas Hanauer, ein gebürtiger Schirmitzer, begaben sich mit auf die Spuren der Schirmitzer Geschichte. Hanauer, Josef Ziegler und Peter Reim streuten auch immer wieder Beiträge aus eigenem Erleben aus den verschiedensten Bereichen mit ein. Altbürgermeister Karl Balk lieferte den Teilnehmern ausführliche Ergänzungen zu den Beschreibungen der an den historischen Gebäuden angebrachten Info-Tafeln.

Die einzelnen Besichtigungsstationen (von Süden nach Norden) waren:

  • Der alte Pfarrhof aus dem 17. Jahrhundert, der von 1958 bis 1977 als Kindergarten genutzt wurde.
  • Der Friedhof, der ursprünglich um die gesamte Kirche angelegt war. Besonders sind die Holzkreuze.
  • Die Kirche St. Jakob, eine alte Wehrkirche an der einstigen Magdeburger Straße, deren Ursprünge vermutlich im 12./13. Jahrhundert liegen.
  • Das Alte Schulhaus, das 1836 von Kirche und Gemeinde errichtet wurde, ausgestattet mit einer Lehrerwohnung und einem einzigen Klassenzimmer, in dem 1912 Unterricht für 120 Kinder erteilt wurde.
  • Das Alte Dorf, in dem es 1906 zu einem Großbrand kam. Sieben Anwesen entlang der Hauptstraße wurden eingeäschert, wiederaufgebaut wurden sie 1907.
  • Das „Hofmeisterhaus“ in der Bauerngasse, eine traditionelle bäuerliche Hofstelle. Das Wohnstellhaus aus dem 19. Jahrhundert zeigt den in der Oberpfalz typischen dreiteiligen Grundriss in Wohn-, Zugangs- Küchen- und Wirtschaftsbereich. Das Gebäude ist ein selten gewordenes geschichtliches Zeugnis. Ehemaliger Besitzer ist Dr. Isidor Hofmeister.
  • Die Schule, erbaut in den Jahren 1926 bis 1928. 1976 bis 1979 kam der Bau der Mehrzweckhalle, 2010 die energetische Sanierung.
  • Die St.-Johannes-Nepomuk-Brücke über die Naab wurde 2002 errichtet. In der 1930er Jahren diente sie als Behelfsbrücke aus Steinblöcken, 1943/44 errichteten Pioniere einen Holzsteg, oberhalb davon befand sich das „Dorfbad“.
  • Das Wirtsplatzl und seine Häuser waren einst ein Stück der Hofmark. Der Wirtshausbau erfolgte nach dem 30-jährigen Krieg 1618 bis 1648. Die damalige „Tafernwirtschaft“ war das älteste Gebäude. Der heutiger Gasthof ruht vermutlich auf den alten Fundamenten. 1999 erfolgte die Renovierung.
  • Der Dorfplatz war ursprünglich unbebaut, genutzt wurde er für öffentliche Zwecke wie den Fronleichnamssaltar und Viehmärkte. Im 20. Jahrhundert diente er als Standort für die Feuerwehr, 1970 bis 1972 war der Neubau des Rathauses mit Feuerwehrgerätehaus, 1973 wurden das Kriegerdenkmal und der Jakobusbrunnen am Rathaus gebaut.
  • Die Schirmitzer Mühle gibt es ab etwa 1714. Seit 1830 ist sie im Besitz der Familien Gollwitzer/Rast, die sie als Getreidemühle, Papiermühle und Sägewerk betrieben. Nach dem Hochwasser 1909 wurden die Wasserräder durch Turbinen ersetzt. Bis heute erzeugt sie Strom. Die Getreidemühle wurde 1963 stillgelegt.
  • Mittelpunkt der Hofmark war einst das alte Schloss. 1771 wurde die Hofmark an das Kloster Waldsassen verkauft. 1817 wurde das Anwesen von Adam Heigl erworben. Das Brauer- und Metzgerhandwerk nach weit über 150 Jahren eingestellt, geblieben ist die Gastwirtschaft.
  • Die Grundsteine der Pfarrkirche „Maria Königin“ wurden 1957 gelegt. Besonderheiten sind der Taufbrunnen und das große Altarmosaik von Professor Recker.
  • Das „Siederfür“ war Wiege des oberen Dorfes. Heute heißt der Straßenzug „An der Kirche“. Früher gab es hier das „Tripfl-Häusl“ als Unterkunft für Hofmarkuntertanen. Am 5. April 1945 fielen hier Brandbomben, die mehrere Anwesen einäscherten und eine Frau töteten.
  • Die Ziegelhütte wurde um 1850 gegründet. Bis 1923 wurden hier Ziegel produziert, bis 2002 war dort ein Glasereibetrieb.

Bei dem historischen Rundgang erfuhren die Teilnehmer, dass im Rathaus immer noch die von Dr. Adolf Wolfgang Schuster im Jahr 1998 verfasste „Heimatchronik der Gemeinde Schirmitz“ und auch die von Horst Lambel 2004 verfassten „Schirmitzer Geschichten“ zu einem Sonderpreis zur Verfügung stehen.

Altbürgermeister Karl Balk (links) erklärt den fast 60 Bürgern beim historischen Spaziergang durch Schirmitz unter anderem auch die Geschichte von St. Jakob, dem alten Schulhaus (Mitte, links) und dem neuen Schul- gebäude (hinten, links).
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