10.06.2020 - 13:28 Uhr
SchirmitzOberpfalz

Schirmitz: Kegelbahn muss Fluchtweg weichen

Die Entscheidung ist gefallen: Mit 11:4 Stimmen beschließt der Gemeinderat, dass die Sanierung der Mehrzweckhalle mit Nebenräumen wegen der Schaffung neuer Rettungswege ohne Erhalt der Kegelbahnanlage geplant wird.

Die Tage der Kegelbahnanlage in der Mehrzweckhalle sind gezählt. Die Gemeinde benötigt die Räume zur Schaffung neuer Rettungswege bei der Hallensanierung.
von Norbert DuhrProfil

Die Gemeinde hat einige Großprojekte vor der Brust. Neben dem Vollausbau der Blütenstraße und der Erschließung des Baugebietes "Gladiolenweg" steht die Sanierung der Mehrzweckhalle mit einem Kostenaufwand von rund zwei Millionen Euro auf der Agenda. Wie Bürgermeister Ernst Lenk in der Sitzung am Montag betonte, sei die Bausubstanz der Halle zwar noch gut, nach 40 Jahren aber eine Generalsanierung des Gebäudes dringend notwendig.

Lenk informierte über den Sachstand der geplanten Sanierungsmaßnahme und teilte das Schreiben von Diplom-Ingenieur Rainer Pichl zur Ausgestaltung der Fluchtwege und der Belegungszahlen nach der Versammlungsstättenverordnung mit. Eine Anfrage bei den Organisationen und Vereinen der Gemeinde, welche die Halle für ihre Veranstaltungen nutzen, habe ergeben, dass eine Auslegung für die maximal mögliche Besucherzahl wünschenswert sei. Nach der Grundfläche der Halle von 412 Quadratmetern sei eine maximale Belegung mit 824 Besuchern möglich.

Die 40 Jahre alte Schirmitzer Mehrzweckhalle wird mit einem Kostenaufwand von rund zwei Millionen Euro generalsaniert. Die Maßnahme wird im Rahmen des Abschnitts V der Städtebauförderung in Angriff genommen.

"Diese Besucherzahl sei somit auch Grundlage für die Auslegung der Rettungswege", unterstrichen Lenk und Pichl übereinstimmend. Im Moment genieße man zwar noch Bestandsschutz, nach der Sanierung wären aber ohne bauliche Veränderungen nach der Versammlungsstättenverordnung jedoch nur mehr 300 Besucher zulässig, da nur der Haupteingang in Richtung Windfang die notwendige Breite von über 1,20 Meter aufweise. Soweit der seitliche Ausgang in Richtung Nebeneingang der Schule auf 1,20 Meter verbreitert werde, könnten weitere 200 Besucher berücksichtigt werden.

Unter Berücksichtigung der Maximalbelegung wäre daher eine weitere Rettungswehführung in einer Gesamtbreite von mindestens 2,40 Meter einzuplanen. Ein neuer zusätzlicher Rettungs- oder Fluchtweg könne aber weder in Richtung der Bühne noch durch den Abstellraum für die Sportgeräte sinnvoll generiert werden.

In der ausführlichen Diskussion hatten die Räte Gelegenheit, ihre Argumente für oder gegen den Erhalt der Kegelbahnanlage auszutauschen. Für einen Erhalt sprach sich vor allem Thomas Lindner (SPD), selbst aktiver Kegler, aus. Er setzte sich emotional für die Schaffung von Fluchtwegen ohne Einbeziehung der Kegelbahn ein, die man erhalten sollte. Walther Piehler und Nicole Bäumler (ebenfalls beide SPD) meinten, dass man die Probleme mit der Unterbringung von Geräten sowie mit den Sanitäranlagen lösen könne. Außerdem plädierten sie für die Schaffung eines "Schirmitz-Treffs" in der Kegelbahngaststätte, den sie als "Konzept für die Zukunft" ansahen. Bürgermeister Lenk und Dobmeier stellten dem gegenüber, dass man mit dem Bürgersaal bereits einen beliebten Treff für Veranstaltungen der verschiedensten Art habe.

Markus Dobmeier (CSU) stellte heraus, dass die geplante Sanierung mit Kosten von zwei Millionen Euro auf die nächsten 30 bis 40 Jahre ausgelegt sein müsse. Vor diesem Hintergrund sei die Zukunft der Kegelbahn und ihrer Nutzung durch die Kegler genauestens zu bedenken. Da er die derzeitige Situation nicht als zukunftsträchtig ansah, schlug er vor, dass sich die SpVgg- Kegler dem Kegelclub in Pirk anschließen könnten. Mit dem Raum der Kegelbahn hätte die Gemeinde somit mehr Platz für die Fluchtweggestaltung. Bürgermeister Lenk schlug in die gleich Kerbe und sagte, dass er wegen eines Anschlusses schon mit dem SKK Pirk gesprochen habe. "Die Pirker haben grundsätzlich nichts dagegen", meinte er.

Der Rathauschef verwies außerdem darauf, dass man für die Kegelbahngaststätte schon seit Jahren keinen Pächter mehr habe. Die Bewirtschaftung sei deshalb sehr eingeschränkt, die Einnahmen für die Gemeinde seien deshalb weggebrochen. Nach der Sanierung sei aber ein neues Kostenkonzept notwendig. Thomas Fritsch (CSU) fragte bei Thomas Lindner nach, welche Struktur das derzeitige Keglerteam der SpVgg Schirmitz aufweise. Lindner beantwortete dies damit, dass es neun aktive Kegler gebe, eine Mannschaft am Spielbetrieb teilnehme, aber man keinen Nachwuchs und keine Neuzugänge aufweisen könne.

Pichl bezog zu den Ausführungen und den vorgeschlagenen Sanierungspositionen der Gemeinderäte und Fraktionen sowie speziell zur Fluchtwegsituation klar Stellung. Er betonte, dass ein zusätzlicher Rettungsweg ohne Einschränkungen der Unterbringungsmöglichkeit der Schulsportgeräte nur nach Westen in Richtung Waldnaab erfolgen könne. Dies würde eine Benutzung der Kegelbahnanlage, wie sie derzeit vorherrscht, nicht mehr möglich machen.

Der Gemeinderat beschloss daher mit 11:4 Stimmen, dass zur Schaffung neuer Rettungswege sowie zusätzlicher Lagerräume die bestehenden Räumlichkeiten der Kegelbahnanlage mit eingeplant werden. Von dort aus soll weiter eine Bewirtschaftungsmöglichkeit zur Halle hin eingerichtet werden. Die Sanierung der Mehrzweckhalle sowie der dazugehörigen Nebenräume wird somit ohne Erhalt der Kegelbahnanlage weiter geplant. Das Fluchtwegekonzept soll für eine nach der Grundfläche der Halle maximal mögliche Besucherzahl ausgelegt werden. Ingenieur Pichl wird beauftragt, die Errichtung einer Photovoltaikanlage aus statischen Gesichtspunkten zu überprüfen.

Weitere Themen:

Bürgermeister Ernst Lenk informierte weiter über einen Antrag der SpVgg Schirmitz auf Zuschuss zum jährlichen Erbbauzinses von 900 Euro für das Sportgelände, den die SpVgg jeweils an den Grundstückseigentümer, die katholische Pfarrpfründestiftung Schirmitz, zu entrichten habe. Der Sitzungsleiter gab dazu bekannt, dass die Gemeinde dem bereits dem Schützenverein "Hubertus" Schirmitz für dessen Erbbaurechtsvertrag für das Schützenheim einen jährlichen Zuschuss in voller Höhe des Erbbauzinses gewähre. Lenk schlug dem Plenum deshalb vor, zur Gleichbehandlung mit dem Schützenverein, auch der SpVgg Schirmitz einen jährlichen Zuschuss in Höhe des fälligen Erbbauzinses zu gewähren. Dem stimmte der Rat einmütig zu.

Die Arbeitsgruppe "Zukunftswerkstatt" der Gemeinde hatte den Vorschlag eingebracht, nahe der Ruheliege im Bereich der "Waldauer Äcker" Streuobstpflanzungen vorzunehmen. Das Grundstück stehe nach Aussage des Rathauschef im Eigentum der Kommune und sei nicht verpachtet. Eine Obstbaumpflanzung werde durch den Naturpark "Nördlicher Oberpfälzer Wald" mit 70 Prozent der Gesamtkosten bezuschusst. Auf der vorgenannten Fläche könnten insgesamt 6 Obstbäume als Hochstämme gepflanzt werden. Der Gemeinderat war mit der Schaffung einer Streuobstwiese im genannten Bereich einverstanden. Die notwendigen Unterlagen zum Förderantrag sind vorzubereiten und mit der Naturparkverwaltung abzustimmen. Die Auswahl der Obstbaumsorten erfolgt in enger Absprache mit dem Naturpark-Verein.

Weiterer Bericht aus dem Schirmitzer Gemeinderat

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