30.06.2020 - 15:09 Uhr
SchirmitzOberpfalz

Umbau der Mehrzweckhalle Schirmitz: Kegler geraten aus der Bahn

In drei Jahren feiert Schirmitz 800. Geburtstag. Dazu will sich die Gemeinde mit einer sanierten Mehrzweckhalle beschenken. Das finden eigentlich alle Vereine und Parteien gut. Doch ein Detail kann keiner recht abräumen.

Die SPD-Gemeinderäte Nicole Bäumler und Walther Piehler wollen die Kegelbahn in der Mehrzweckhalle erhalten. Doch eine Mehrheit haben sie dafür bislang nicht gefunden.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Es wäre übertrieben, zu sagen, die Zukunft des Kegelsports in Schirmitz spaltet die Dorfgemeinschaft. Aber egal wie es ausgeht, zwei Lager werden wohl bleiben. Die formieren sich entlang der Parteigrenzen. Die CSU will die Mehrzweckhalle so umgestalten, dass sie mehr Platz bietet und die Kegelbahn einem Fluchtweg weicht. Die SPD möchte die Bahn unbedingt erhalten. Sie schlägt einen anderen Fluchtweg über einen Geräteraum vor. Im Gemeinderat setzten sich die Christsozialen mit 11:4 Stimmen durch. Für die Sozialdemokraten ist damit aber noch nicht das letzte Wort gesprochen.

Die SPD beruft sich dabei auch auf den Planer, den Weidener Architekten Walter Pichl. Beide Varianten seien möglich, ohne dass sich an den Gesamtkosten von rund zwei Millionen Euro etwas ändere. Allerdings bleibe beim SPD-Vorschlag etwas weniger Platz in Nebenräumen übrig, bestätigt Pichl gegenüber Oberpfalz-Medien.

Wohin mit den Stühlen?

Ein Nebenraum von der Größe einer Doppelgarage würde mit einem Fluchtweg zerschnitten und somit halbiert. Dort gelagerte Stühle würden dann Sportgeräte zustellen, erklärt Bürgermeister Ernst Lenk (CSU). "Das wäre unbefriedigend für den Schulsport, hat Schulleiterin Renate Weiß bestätigt. Und der Schulsport hat Priorität für uns." Die SPD hält dagegen. "Wir haben ein praktikables Konzept vorgelegt: die Nutzung des seit Jahren verwaisten Vereinskartellzimmers als Lagerstätte für Stühle", sagt Vorsitzende Nicole Bäumler. Das bekräftige Hallen-Hausmeister Thomas Lindner. Er ist zugleich Mitglied der SPD-Gemeinderatsfraktion.

Und dann wäre da noch die Kegelabteilung der SpVgg. Sie hat nur noch neun Aktive, einen Altersschnitt zwischen 50 und 70 und keinen Nachwuchs in Sicht, erläutert Abteilungsleiter Hermann Bauriedl. Zwar sind heute Vier-Bahn-Anlagen-Standard, die Schirmitzer Zwei-Bahn-Strecke ist jedoch trotz ihrer 40 Jahre bestens in Schuss. "Wir müssten also etwas wegwerfen, was noch intakt ist", sagt SPD-Fraktionschef Walther Piehler. Dabei könnte nicht nur die SpVgg die Bahnen nutzen. Das müsste man allerdings besser kommunizieren, fordert Bäumler: "Ich wusste viele Jahre nicht, dass man das auch als Verein oder Hobbyteam mieten könnte." Dadurch könnte auch der Kegelsport im Ort einen Schub bekommen, spekuliert Piehler.

Kein Pächter, keine Einnahmen

Der SPD schwebt dort eine Dorfmeisterschaft vor sowie Kindergeburtstage oder Privatpartys, bei denen die Gäste nebenbei ein paar Keile purzeln lassen. Bäumler: "Das wäre günstiger als die Bowlingwelt." Das Ganze könnte mit dem Schlagwort "Schirmitz-Treff" überschrieben werden.

Etwas ähnliches gebe es doch bereits, meint die CSU: den Bürgersaal. Aus Sicht der SPD ist dieser Raum aber eher etwas für halböffentliche Veranstaltungen wie Lesungen oder Vernissagen.

Laut Piehler, der auch die Siedlergemeinschaft führt, könnte Schirmitz ruhig einen weiteren Treff vertragen. "Die Jakobsklause, die der Kirche gehört, ist nicht immer geeignet. Und manchmal ist es bei uns für einen Verein schwer, einen Termin zu finden." Doch grundsätzliche Probleme bleiben. Die Kegelgaststätte hat seit zwei Jahren keinen Pächter mehr. Das wird sich nach Aussage aller Beteiligten wohl nicht ändern. Damit fehlen der Gemeinde Einnahmen. Die SpVgg-Kegler zahlen im Jahr für die Nutzung 360 Euro, sagt Bürgermeister Lenk. "Das haben wir bis zum Umbau akzeptiert. Aber die Kosten für Strom, Wasser und Reparaturen laufen ja weiter und sind wesentlich höher für uns." Der Kegelabteilung die Nutzungsgebühr um das Dreifache zu erhöhen sei auch keine Lösung.

Dabei habe er die Finanzen der SpVgg durchaus im Blick, betont Lenk. Deren Faschingsball ist eine wichtige Einnahmequelle für den Verein. Daher habe die CSU ein Interesse daran, den Saal für so viele Besucher wie möglich nutzbar zu machen. Das wären nach dem Umbau 824 Gäste. Lenk schwebt vor, die Wand zwischen Kegelbahn und Saal zu öffnen und mit einer Durchreiche zu ersetzen. Dadurch müssten Hallennutzer nicht erst eine Bar aufbauen, die Platz und Besucher wegnimmt. Nicole Bäumler wendet ein, dass der Sportlerball neben dem Teeniechor-Konzert derzeit die einzige Großveranstaltung dieser Art sei. Wie es mit dem Chor weitergehe, wenn Leiter Wolfgang Ziegler in absehbarer Zeit den Taktstock abgebe, sei ohnehin offen. Lenk verweist darauf, dass in der Halle auch jährlich eine überregionale Insektenausstellung steige. "Bei einem guten Bestuhlungskonzept wird die Halle zudem interessant für andere Veranstalter", blickt er in die Zukunft nach dem Umbau. Wann es damit in die Vollen geht, ist jedoch noch offen.

Das Tauziehen um die Kegelbahn im Gemeinderat

Schirmitz
Hintergrund:

Kegelsport unter dem Dach der SpVgg Schirmitz hat seit 40 Jahren Tradition. Die würde nicht aussterben, ist Bürgermeister Lenk überzeugt. Er habe mit dem Nachbarverein in Pirk gesprochen, für den gerade eine moderne Vier-Bahn-Anlage entstehe. Dort könnten in Zukunft auch die Schirmitzer unterkommen, die ihren Vereinsnamen behalten dürften. Beide Vereine träten sogar in der gleichen Klasse an. "Sie könnten nacheinander ihre Spiele austragen. Zuschauer könnten sitzen bleiben und die Teams sich gegenseitig unterstützen."

Der Schirmitzer Kegel-Vorstand Hermann Bauriedl kann Lenks Argumente durchaus nachvollziehen. "Trotzdem ist man auf einer fremden Bahn nie ganz daheim." Das spräche wieder für den SPD-Vorschlag. Auch der zweite Vorsitzende des SpVgg-Hauptvereins, Reinhard Herrmann, räumt ein, dass er hin-und hergerissen ist. Bauriedl denkt ab und an über eine Unterschriftensammlung zum Bahnerhalt nach. Richtig überzeugt klingt er nicht. Denn daran, dass die Kegler im Schirmitzer Vereinsleben keine Macht seien, habe der Verein schon selbst schuld. In Spitzenzeiten habe er fünf Teams im Spielbetrieb gehabt. "Aber wir haben es versäumt, Frauen zu integrieren, und von den Jüngeren kriegst du heute keinen mehr." (phs)

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