19.11.2019 - 13:17 Uhr
SchlammersdorfOberpfalz

Mit Porträts gegen das Vergessen

Unter dem Motto „Den Opfern ein Gesicht geben“ steht die Gedenkfeier der Gemeinde am Vorabend des Volkstrauertags. Bei einem Bildervortrag wird in besonderer Form der Kriegsopfer aus der Pfarrei gedacht.

Eine besondere Gedenkfeier zum Volkstrauertag gibt es in Schlammersdorf. Bürgermeister Gerhard Löckler (links) zeigt im Anschluss an den Gedenkgottesdienst in einem Bildvortrag im Altarraum Porträts der gefallenen Soldaten und gibt ihnen damit Namen und Gesicht.
von Redaktion ONETZProfil

Mit dem Foto jedes Opfers solle dem Leid, das damals über die Gemeinde hereingebrochen ist, Namen und Gesicht gegeben werden, erklärte Bürgermeister Gerhard Löckler.

Unter großer Teilnahme der Bürger und der örtlichen Vereine - Feuerwehr, Schützenverein „Eichenlaub“, Katholische Landjugendbewegung (KLJB), Katholischer Frauenbund (KDFB) und Marianische Männer-Congregation (MMC) - wurde ein Gottesdienst für die Opfer von Krieg- und Gewaltherrschaft gefeiert. Pater Adrian Kugler zelebrierte die Messe in der Pfarrkirche St. Luzia.

Daran anschließend brachte Bürgermeister Gerhard Löckler in seiner Gedenkrede zum Ausdruck, dass vor 80 Jahren die fürchterlichste Katastrophe in der Geschichte der Menschheit begonnen habe: "Sechs Jahre danach hatte die Welt ein nie dagewesenes Inferno erlebt." Allein in Europa starben im Zweiten Weltkrieg mehr als 19 Millionen Soldaten und fast 15 Millionen Zivilisten sowie weitere 9 Millionen unschuldige Menschen, die in Lagern brutal ermordet wurden oder an Hunger, Kälte oder Krankheit zugrunde gingen.

Der Redner erinnerte daran, dass auch Pfarrei und Gemeinde in den beiden Weltkriegen ihren Blutzoll leisten mussten. "Nur die älteren Bürger erinnern sich noch, wie schrecklich und von Angst, Wut und Verzweiflung die Kriegszeit geprägt war", sagte Löckler. "Jene Zeitzeugen haben es noch im Gedächtnis, wie es war, wenn wieder eine Todesnachricht ins Haus gebracht wurde, der Ehemann, Vater, Sohn, Bruder oder Freund niemals mehr zurückkehren würde."

Mit seinem Bildervortrag im Altarraum des Gotteshauses, bei dem er Porträts mit Namen und Sterbedaten der Gefallenen und Vermissten aus der Pfarrei zeigte, wollte der Bürgermeister den Opfern wieder ein Gesicht geben. „Es sind Gesichter von oft noch sehr jungen Menschen, die ihr Leben vor sich hatten, die voller Pläne und Träume waren, auf die zu Hause sehnsüchtig gewartet wurde und die dann für eine menschenverachtende Ideologie sterben mussten, die sie nicht wollten“, hob er hervor. Darüber hinaus erinnerte Löckler auch an die zivilen Opfer, die im April 1945 beim Beschuss von Ernstfeld ums Leben kamen.

Dem Gottesdienst schloss sich ein Zug zum Kriegerdenkmal in der Ortsmitte an. Nach den Fürbitten, vorgetragen durch Pater Adrian Kugler, legte der Bürgermeister im Namen der Gemeinde im Gedenken an alle Gefallenen, Verstorbenen und Vermissten einen Kranz nieder.

Die in gebührender, würdiger und besonderer Form gestaltete Gedenkfeier wurde von einer siebenköpfigen Gruppe der Musikkapelle Dießfurt umrahmt. Die Musiker, die auch mit der Schubert-Messe den Gottesdienst mitgestaltet hatten, intonierten am Kriegerdenkmal das "Lied vom guten Kameraden“ sowie nach dem Schlusssegen, begleitet von Böllerschüssen, das Deutschlandlied.

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