10.08.2020 - 14:47 Uhr
SchlammersdorfOberpfalz

Waldbrandgefahr: Wehren vorgewarnt

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Der Brand in Schlammersdorf am Samstagnachmittag war der erste große Waldbrandeinsatz in der Region. Wie hoch ist die Gefahr momentan? Luftbeobachter und Kreisbrandrat von der Kreisbrandinspektion Neustadt, Marco Saller, gibt Antworten.

In einem Waldstück zwischen Schlammersdorf und Naslitz hat es am Samstag gebrannt. Die 300 Einsatzkräfte konnten die Flammen nach einer Stunde unter Kontrolle bringen.
von Vanessa Lutz Kontakt Profil

Kreisbrandinspektor Wolfgang Schwarz war am Einsatzort, als am Samstagnachmittag knapp 300 Feuerwehrkräfte in Schlammersdorf gegen die Flammen kämpften. Das Feuer hatte von einem Feld auf den angrenzenden Wald übergegriffen. "Aktuell war das schon ein außergewöhnlicher Einsatz", sagt er im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. "Es war nämlich der erste große Einsatz für die Feuerwehr wegen der Hitze."

Und der ging relativ glimpflich aus. Denn die enorme Mittagshitze an diesem Tag, "weit über 30 Grad", machte auch den Rettern in ihren Schutzanzügen zu schaffen. "Teilweise", sagt Schwarz, "mussten die Einsätzkräfte Atemschutzmasken tragen." Kreislaufbeschwerden hätten da gedroht. Verletzt wurde aber schlussendlich niemand. "Gott sei Dank", wie Schwarz sagt.

Video: 300 Kräfte beim Einsatz in Schlammersdorf

Schlammersdorf

Auch die Wasserversorgung habe anfangs Probleme bereitet: "Normalerweise nutzen die Wehren Wasser aus den umliegenden Weihern", erklärt Schwarz. Doch der Wasserstand sei aufgrund der Hitze niedriger, und auch in den umliegenden Ortschaften sei die Wasserversorgung nicht sichergestellt gewesen. "Wir mussten deshalb nachalarmieren und einen Pendelverkehr einrichten." Nach einer Stunde hatten die knapp 300 Einsatzkräfte das Feuer schließlich unter Kontrolle. Die Brandursache ist noch immer unklar.

Drohen nach Schlammersdorf aktuell weitere Waldbrände in der Region? "Schwer zu sagen, denn da spielen mehrere Faktoren mit hinein", sagt Kreisbrandrat Marco Saller vom Kreisfeuerwehrverband Neustadt. Er ist Teil der acht Mann starken Luftbeobachtung für die Route Oberpfalz-Nord und zuständig für den Raum Neustadt. Das Team hält Ausschau nach Waldbränden. Saller war beim Einsatz in Schlammersdorf zwar nicht dabei. Doch auch er nennt ihn einen "Ausreißer", weil es der erste Hitze-Großeinsatz war.

Mehrere Faktoren

Das Waldbrandrisiko hänge von Bodenbeschaffenheit, Temperatur und Bewuchs ab. Grundlage sei die sogenannte Baumgartner-Studie. Gebe es dann Anzeichen für eine mögliche Gefahr, werde die Luftbeobachtung von der Regierung der Oberpfalz und den Bayerischen Staatsforsten angeordnet. Zweimal täglich, um 13 Uhr und um 18 Uhr, würden die Piloten dann aus der Luft die Gegend nach Rauchentwicklung überprüfen und gegebenenfalls die ILS verständigen. Bislang, so Saller, sei allerdings noch keine Beobachtung angeordnet worden.

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Amberg

Die Waldbrandgefahr wird auf einer Skala von 1 bis 5 eingestuft, gestern habe sie bei Stufe 4 gelegen. "Die nächsten Tage gibt es einen Wechsel von Stufe 2 und 3, weil es da nicht mehr so extrem heiß sein soll", sagt Saller. Spontan könne sich aber immer etwas ändern. Komplett ausschließen kann Saller ein Waldbrandrisiko also nicht.

Risiko Mensch?

Nicht immer sind solche Brände menschgemacht, macht Saller deutlich. Es reiche schon, wenn in einem Waldstück Glas liege und das durch die Sonne erhitzt werde. "Aber auch Unwetterereignisse, wie ein Blitzeinschlag bei Trockenheit, können schnell ein Feuer entfachen."

Trotzdem mahnt Saller zur Vorsicht: "Besonders im Frühjahr und Sommer müssen die Leute sehr sensibel sein." Auf keinen Fall solle man Zigarettenstummel aus dem Auto schnipsen oder beim Spaziergang auf den Waldboden werfen. Auch beim Grillen in der Natur solle man das Grillgut ordentlich mit Wasser ablöschen, auf offenes Feuer komplett verzichten.

So ist die Haftung bei einem Waldbrand geregelt

Deutschland und die Welt

Diese Regeln seien jetzt besonders wichtig, da aufgrund der Corona-Pandemie viele Bürger ihre Ferien zu Hause verbringen müssen und an den warmen Sommertagen in Wäldern oder an Weihern unterwegs sind. Ein höheres Waldbrandrisiko sehe er darin aber nicht, wie er sagt. "Das kann man so pauschal nicht sagen." Mutmaßen wolle er nicht, wie er sagt. "Es spielen einfach mehrere Parameter mit hinein, die sich gegenseitig begünstigen." Wichtig sei vor allem immer eines: "Man sollte sich mit Bedacht in der Natur bewegen."

Dem schließt sich auch Kreisbrandinspektor Wolfgang Schwarz an. Die Wehren, sagt er, seien momentan besonders sensibilisiert für Waldbrandeinsätze. "Natürlich hofft man das aber nie", macht er klar. Denn vor allem bei den aktuellen Außentemperaturen seien solche Einsätze auch für seine Kameraden eine enorme Belastung.

Hintergrund:

Die letzten Hitze-Einsätze

Der Brand von Schlammersdorf war heuer der erste große Hitzeeinsatz in der Region. Kreisbrandrat und Luftbeobachter Marco Saller sagt, in den vergangenen zwei Wochen habe es nur zwei kleine Flächenbrände gegeben:

  • Am 31. Juli kam es zu einem kleinen Flächenbrand am Hessenreuther Berg.
  • Am 7. August brannte an der Autobahn A93 eine Böschung.

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