10.03.2020 - 16:21 Uhr
Oberpfalz

Schmetterlinge im Bauch – Das steckt hinter medizinischen Redewendungen

Schmetterlinge im Bauch, der Frosch im Hals, ein gebrochenes Herz – im deutschen Sprachgebrauch gibt es viele medizinische Redewendungen. Wir erklären, was hinter so manchem Sprichwort steckt.

Wer verliebt ist, hat der Redensart nach Schmetterlinge im Bauch.
von Mona-Isabelle Aurand Kontakt Profil

Schmetterlinge im Bauch

Wenn die Tage länger und wärmer werden, kommen auch die Frühlingsgefühle auf. Wer dann „Schmetterlinge im Bauch“ hat, ist der Redewendung nach frisch verliebt. Ein warmes Kribbeln macht sich in unserem Bauch breit, wenn wir unseren Schwarm sehen oder an ihn denken. Der Grund: das Stresshormon Adrenalin, das in der Nebenniere produziert wird. Gemeinsam mit den Glücks- und Kuschelhormonen Dopamin, Serotonin und Oxytocin entsteht eine Art positiver Stress. Über die Nervenbahnen, die unseren ganzen Körper durchziehen, landen die Impulse des Gehirns auch in der Magengegend. Das fühlt sich an, als würden dort Schmetterlinge flattern. Die Redewendung hat die amerikanische Schriftstellerin Florence Converse geprägt. In ihrem Roman „The House of Prayer“ beschrieb sie ein flaues Gefühl im Magen mit den heute geflügelten Worten „butterflies in the stomach“ – also „Schmetterlinge im Bauch“.

Gefrorenes Blut in den Adern

Eine stürmische Nacht. Ein Horrorfilm im Fernsehen. Vor Angst gefriert uns das Blut in den Adern. Eine Studie der Universität Bonn zeigt, was hinter dem Ausspruch steckt. Dazu wurde das Blut von Angstpatienten untersucht. Bei den Probanden war das Blut-Gerinnungssystem, das sonst ausgeglichen funktioniert, aus dem Lot geraten. Normalerweise lässt die sogenannte Koagulation in Gefahrensituationen das Blut stärker gerinnen. Die Blutpfropfen sollen drohende Verletzungen abdichten. Die sogenannte Fibrinolyse verflüssigt das Blut wieder. Bei Angstpatienten sei die Gerinnung erhöht, die Fibrinolyse aber stark gehemmt. Im schlimmsten Fall führt dieser Zustand dauerhaft zu Thrombosen oder verstopften Arterien.

Jemanden gut riechen können

Wenn es um die Liebe geht, dann muss die Chemie stimmen. Und zwar im wahrsten Sinn des Wortes. Unser Körper verströmt ununterbrochen einen ganz individuellen Duft. Der setzt sich zusammen aus dem Körper- und dem Schweißgeruch, Pheromonen und künstlichen Duftstoffen wie Parfüm. Auf der Suche nach dem passenden Partner ist dieser Duft-Cocktail ganz entscheidend. Zumindest hat das die Natur so für uns vorgegeben. Denn der Körpergeruch gibt unter anderem Aufschluss darüber, wie gesund das Gegenüber ist. Wenn wir also jemanden gut riechen können, uns derjenige also sympathisch ist, dann heißt das aus evolutionärer Sicht, dass er oder sie ein geeigneter Partner für gesunden Nachwuchs wäre. Frauen bevorzugen dabei Männer, deren Körpergeruch sich stark von ihrem eigenen unterscheidet. Denn: je unterschiedlicher der Genpol der Eltern, desto gesünder die zukünftigen Kinder.

Der Frosch im Hals

Das Gefühl, einen Fremdkörper im Hals stecken zu haben, kennt wahrscheinlich jeder. Oft sprechen wir dann davon, dass wir einen „Frosch im Hals“ haben. Diese Redewendung hat ihren Ursprung im medizinischen Fachjargon. Die sogenannte Ranula – lateinisch für Fröschlein – ist eine Zyste, die sich meistens am Mundboden unter der Zunge bilden kann. In den meisten Fällen ist bei der Ranula der Ausgang der Unterzungen-Speicheldrüse betroffen. Durch unterschiedliche Ursachen – zum Beispiel eine Verletzung – verstopft sie, der Speichel kann nicht mehr abfließen und sammelt sich stattdessen in der Zyste. Symptome sind häufig Probleme beim Schlucken, Sprechen oder Atmen. Das gleicht teilweise den Beschwerden, die bei einer Heiserkeit auftreten. Daher hat sich das Bild vom Fröschlein im Hals beziehungsweise im Mund in den gängigen Sprachgebrauch eingeschlichen.

Das gebrochene Herz

Einem gebrochenen Herzen geht meistens eine schmerzhafte Trennung vom Partner voraus. Doch auch in der Medizin ist das gebrochene Herz belegt. Erstmals wurde das Broken-Heart-Syndrom in den 1990er Jahren in Japan entdeckt und erforscht. Ausgelöst wird die Herzmuskelerkrankung durch akute Stresssituationen – zum Beispiel den Verlust eines geliebten Menschen. Die Symptome ähneln denen eines Herzinfarktes: Schmerzen in der Brust oder Atemnot. In der Herzkatheteruntersuchung zeigen sich die Unterschiede. Bei einem Herzinfarkt verengen oder verschließen sich die Herzkranzgefäße, beim Broken-Heart-Syndrom nicht. Die linke Herzkammer dagegen ist während der akuten Krankheitsphase an der Spitze eng und wird nach unten hin breiter. Die Form ist vergleichbar mit der japanischen Tintenfischfalle Takotsubo. Daher auch die Bezeichnung Takotsubo-Kardiomyopathie.

Die kalten Füße

Wer kalte Füße bekommt, der hat der Redensart nach Angst und macht einen Rückzieher vor einem festen Vorhaben. Unsere Gefühle beeinflussen in vielerlei Hinsicht die Vorgänge in unserem Körper. Zum Beispiel die Durchblutung, durch die unser Körper warm gehalten wird. Haben wir Angst vor etwas, kann es dazu führen, dass unsere Füße nicht mehr richtig durchblutet und kalt werden. Das Sprichwort selbst stammt wohl aus der Zeit, in der Glücksspiel im öffentlichen Raum verboten war. Die Glücksspieler verabredeten sich in kalten Kellerräumen. Der Dichter Fritz Reuter beschreibt in einer Erzählung, wie sich ein Kartenspieler, der seinen Gewinn nicht mehr verlieren wollte, mit der Ausrede verabschiedete, er hätte kalte Füße bekommen.

Das Wasser läuft mir im Mund zusammen

Das Leibgericht steht auf dem Tisch und schon läuft uns das Wasser im Mund zusammen. Der Speichel, der zu 99,5 Prozent aus Wasser besteht, bereitet im Mund die Speisen auf den Verdauungsvorgang vor und hilft, den Geschmack voll zu entfalten. Manchmal regt aber schon ein simpler Gedanke an ein leckeres Essen den Speichelfluss an. Dieses Phänomen erforschte der Nobelpreisträger Ivan Pawlow an seinen berühmten „Pawlow‘schen Hunden“. Bei seinen Versuchen zum Verdauungsverhalten von Hunden stellte Pawlow fest, dass die Tiere anfingen zu sabbern, wenn sie Futter bekamen. Er kombinierte das mit einem Glockenton. Nach einiger Zeit produzierten die Hunde Speichel allein beim Glockenklingeln, ohne dass ihnen Futter gereicht wurde. Diese sogenannte klassische Konditionierung funktioniert auch bei Menschen. Deshalb läuft uns das Wasser – der Speichel – im Mund zusammen, wenn wir uns auf eine bevorstehende Mahlzeit freuen.

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