24.11.2020 - 16:30 Uhr
SchmidgadenOberpfalz

Gegen Solarpark bei Hartenricht

Den Solarpark Hartenricht wird es auf dem vorgesehenen Areal nicht geben. Der Schmidgadener Gemeinderat stimmte gegen die erforderliche planerische Weichenstellung.

Im Oktober hatte es eine gemeinsame Sitzung der Gemeinderäte Fensterbach und Schmidgaden unmittelbar an der vorgesehenen Photovoltaik-Fläche bei Hartenricht (im Hintergrund) gegeben. Dabei wurde vom Unternehmen Unien das jetzt abgelehnte Vorhaben erläutert.
von Richard AltmannProfil

In der Gemeinderatssitzung in Schmidgaden war der beim Ortsteil Hartenricht vom Unternehmen Unien geplante Solarpark ein Hauptthema.

Ein Blick zurück: Am 16. Oktober hatte es einen Ortstermin beim in Frage kommenden Areal bei Hartenricht gegeben, an dem auch die Gemeinderatskollegen aus Fensterbach, der Vorhabensträger und die Flächeneigentümer anwesend waren. Das Areal der zwei Grundstückseigentümer, die ihre Flächen vermarkten wollen, umfasst rund zehn Hektar.

Der Einspeisepunkt

Bürgermeister Josef Deichl übergab das Wort an Stefan Milzarek von der Firma Unien GmbH und bat ihn, das Projekt vorzustellen. Der positive Erstkontakt zur Gemeinde Schmidgaden als auch die Tätigkeit im Bereich der Nachbargemeinde Fensterbach haben Milzarek dazu bewogen, ebenso nach Möglichkeiten in der Gemeinde Schmidgaden zu suchen. Mitunter sei entscheidend, dass der Einspeisepunkt für den erzeugten Strom bei Schwarzenfeld liege, was strecken- und aufwandsmäßig zu bewältigen sei. Milzarek ist seit mittlerweile 14 Jahren in Photovoltaikbereich tätig, plant, baut und betreibt solche Anlagen. Er merke aber auch, dass der Widerstand aus der Bevölkerung gegen solche Anlagen wachse.

Auch der Bürgermeister der Nachbargemeinde Fensterbach, Christian Ziegler, ergriff das Wort. Mit Blick auf das Stimmungsbild bei den Fensterbacher Gemeinderäten als auch bei „seinen“ Bürgern hält Ziegler eine Anlage dieser Größenordnung an dieser exponierten Stelle für nicht sinnvoll.

Andere Flächen?

Das Areal bei Hartenricht wäre 25 bis 30 Jahre mit PV-Modulen überbaut. Bürger aus dem Randbereich der Ortschaft Dürnsricht wären diesem Anblick sehr lange ausgesetzt. Für Ziegler stellt sich die Frage, ob man den Bürgern das zumuten solle. Als Anregung teilt er mit, dass die Grundstückseigentümer eventuell andere Flächen für das Vorhaben zur Verfügung haben, die geeigneter erscheinen.

Solarpark: Die Meinung der Fensterbacher

Fensterbach

Es gab noch etliche Nachfragen, die Stefan Milzarek beantwortete: Bei jeder Anlage sei ein Blendgutachten zu erstellen. Die PV-Module hätten aber ohnehin keine Blendwirkung mehr. Selbst die Errichtungen neben Autobahnen hätten keinen Einfluss auf den Straßenverkehr. Die Höhe der Pflanzen zur Eingrünung stehe noch nicht detailliert fest. In der Regel handle es sich um mittelhohe Gewächse. Die Anlage eines breiteren Grüngürtels wäre ebenso möglich. Bislang hat Milzarek noch keine Anlagen mit Bürgerbeteiligung umgesetzt, steht diesem Ansinnen aber grundsätzlich positiv gegenüber. Milzarek stellte sich vor, die kleine „Ecke“ am Südrand, die auf Gebiet der Gemeinde Fensterbach liegt, wegen fehlender Mehrheit aus der Planung zu nehmen. Die Module würden in Ost-West-Richtung errichtet und hätten insgesamt nicht mehr Fläche als bei reiner Südausrichtung.

Gegner und Befürworter

Bürgermeister Deichl hält eine Anlage mit Bürgerbeteiligung für sinnvoll, ähnlich der Anlage beim Stocker-Holz (vormals Voltgrün, jetzt betrieben von der Bemo). Gemeinderat Gerhard Schmidl unterstrich zum wiederholten Mal, dass er gänzlich gegen solche Anlagen sei, weil landwirtschaftlicher Grund „verloren“ gehe, die Gemeinde mit 90 Prozent Energieerzeugung aus PV-Anlagen bereits „gut dabei ist“ und es auch mal reichen sollte. Gemeinderat Jens Tölg (FWG Trisching) spricht sich weiterhin für erneuerbare Energien aus, auch wenn aus Anlagen mehr produziert werde, als in der Gemeinde verbraucht würde. Schließlich leiste man damit auch einen Beitrag für Ballungsräume, in denen die Errichtung solcher Anlagen nicht möglich sei. Die Anlage auf dem favorisierten Areal inmitten der Natur sieht er allerdings sehr kritisch. Theresa Dobler (SPD) regte an, dass die Grundstückseigentümer andere Flächenvorschläge unterbreiten sollten, über die erneut beraten werden könne.

Bürgermeister Josef Deichl ließ nach ausgiebiger Diskussion über den Aufstellungsbeschluss zum vorhabensbezogenen Bebauungsplan beschließen, um darauf basierend einen Solarpark zu verwirklichen. Der Gemeinderat lehnte den Aufstellungsbeschluss mit 9 : 6 ab.

Hintergrund:

PV-Anlagen im Gemeindegebiet

Die Gemeinde hat bereits eine PV-Anlage beim "Stocker-Holz" zugelassen. Eine weitere Freiflächenanlage ist südlich Hartenricht im Bauleitplanverfahren. Für eine dritte Anlage auf einer Fläche nördlich des Park- und WC-Anlage „Stocker-Holz“ an der A6 wurde kürzlich der Weg frei gemacht. Eine mögliche Fläche nordöstlich von Hartenricht wurde am 16. Oktober kurz betrachtet. Laut Auskunft des Bayernwerks wird in der Gemeinde Schmidgaden mit derzeit etwa zehn Millionen Kilowattstunden an Stromverbrauch und mit etwas über neun Millionen kW-Stunden Stromeinspeisung aus PV-Anlagen fast eine hundertprozentige "Selbstversorgung“ erreicht.

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Kommentare

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Karl-Heinz Kagermeier

Schade, dass der Gemeinderat hier die Chance verspielt, die Energiewende voranzubringen. Sich von dem Floriansprinzip leiten zu lassen ist nicht vorausschauend. So war es auch in Schwandorf der Fehler, als OB Feller und die CSU bei der Entscheidung über die Errichtung von Windkraftanlagen bei Neukirchen nach Bürgerprotesten sofort einknickten.

24.11.2020