06.11.2019 - 11:35 Uhr
SchmidgadenOberpfalz

Kanalisation in Schmidgaden wird zur Herausforderung

Die Kanalisation in Schmidgaden ist in die Jahre gekommen und muss den heutigen Anforderungen angepasst werden. Über das "Wie" herrscht aber noch Unklarheit. Das sollen Fachleute ändern.

Im ersten Schritt wird der Kanal in der Pfarrer Willkofer Straße erneuert. Dieser Kanalbau soll bereits eine Entlastung der Kanalisation bei Starkregen bringen.
von Richard BraunProfil

Wegen zwei Starkregenereignissen im vergangenen Sommer sind der Dorfplatz in der Ortsmitte von Schmidgaden und einige Keller überflutet worden. Dies führte zu allerlei Spekulationen in der Bevölkerung, denen die fachliche Richtigkeit oft fehlte. Um hier Klarheit zu schaffen und die Bürger in die Entscheidungsfindung mit einzubinden, hatte Bürgermeister Josef Deichl zu einer Informationsveranstaltung ins Gasthaus Anderl eingeladen.

Rund 40 Bürger sind dieser Einladung gefolgt und hielten mit ihren Vorschlägen nicht hinter dem Berg. Um fundierte Aussagen zu erhalten, beauftragte der Gemeinderat die Firma Umwelt und Tiefbau Amberg mit einer ersten Voruntersuchung. Deren Mitarbeiter stellte das Ergebnis vor. Grundsätzlich müsse zwischen der Grundstücksentwässerung, für die der Grundeigentümer verantwortlich ist, und der gemeindlichen Entwässerung unterschieden werden. Um Schäden im Falle eines Rückstaues der Abwässer in den Gebäuden zu vermeiden, besteht die Wahl zwischen einer Rückstausicherung oder einer Hebeanlage. Deren ordentliche Funktion muss der Hauseigentümer sicher stellen.

Schwachpunkt im System

Die gemeindliche Entwässerung kann über ein Mischwasser- oder Trennsystem erfolgen. Im Falle von Schmidgaden kommt größtenteils das Mischwassersystem zum Einsatz. Regenwasser und Schmutzwasser werden gemeinsam zur Kläranlage abgeleitet. Vor dem Klärbecken werden die Abwässer in einem Regenrückhaltebecken gesammelt, um die Kläranlage nicht zu überfluten. Hier liegt nach Erkenntnissen der Planer ein Schwachpunkt im System. Die Rückstauebene dieses Rückhaltebeckens reicht bis zur Kindergartenstraße im Ortsbereich. Bei Starkregen, wie es ihn in diesem Sommer zweimal gegeben hat, kann das Wasser nicht schnell genug abfließen und die Kanalisation kann die Wassermassen nicht mehr bewältigen. Zusätzlich tritt der Lohgraben in der Ortsmitte über die Ufer und sorgt für weiteres Hochwasser. Abhilfe könnte ein zusätzliches Rückhaltebecken im westlichen Ortsbereich bringen, dass den Abfluss des Regenwassers zeitlich verzögert. Eine weitere Möglichkeit wäre ein Pumpwerk an der Kläranlage, dass den Abfluss beschleunigt. Die Umstellung der gesamten Kanalisation auf das Trennsystem hält Ingenieur Rainer Rubenbauer für nicht sinnvoll und zu kostenintensiv. Einem Vorschlag aus dem Publikum, die Straßenentwässerung erst gar nicht in die Kanalisation, sondern direkt in den Lohgraben zu leiten, erteilte der Planer aus gesetzlichen Gründen eine Absage.

Kläranlage hat noch Kapazität

Auch den Vermutungen der Bevölkerung, die Kanalisation ist für die zusätzlichen Baugebiete nicht ausreichend dimensioniert, musste der Planer widersprechen. Die Kapazität der bestehenden Kläranlage, welche die Orte Schmidgaden, Hartenricht und Trisching entwässert, ist erst zu zwei Drittel ausgeschöpft. Potenzial nach oben ist noch reichlich vorhanden. Den Zustand der Kanalisation soll eine Kamerabefahrung ans Tageslicht bringen. Der größte Teil der Rohre wurde in den 1950er- und -60er-Jahren verlegt. Im ersten Schritt steht nun der Ausbau der Kanalisation in der Pfarrer-Willkofer-Straße vor dem Baubeginn. Rubenbauer ist überzeugt, dass dies Entspannung bei Starkregen leisten kann.

In den weiteren Diskussionsbeiträgen kamen noch Ansätze zur Sprache, die Eingang in die Entscheidungen des Gemeinderates finden werden. "Bei der weiteren Bebauung im Ortsbereich sollten Einzelprojekte wenn möglich vermeiden werden", so der Bürgermeister.

Rainer Rubenbauer (rechts) vom Ingenieurbüro UTA Amberg untersuchte die Kanalisation in Schmidgaden und stellte das Ergebnis der Bevölkerung vor. Für den Gemeinderat wird das weitere Vorgehen eine große Herausforderung.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.