Schmidmühlen
13.02.2026 - 15:28 Uhr

G’schmalzner Freitag: 87 Hexen verzaubern den Markt Schmidmühlen

Hexenpulk, Quetschenmusik und Faschingstreiben: Beim traditionellen Hexenzug in Schmidmühlen feiern zahlreiche Teilnehmerinnen die fünfte Jahreszeit. Einblicke in ein fröhliches Brauchtum.

Es kommt im Kalendarium äußerst selten vor, dass der Faschingsfreitag auf den 13. Tag des Monats fällt. Doch was in Schmidmühlen im Gegensatz dazu ein fester Bestandteil im Faschingskalender ist, ist der g’schmalzne Freitag. Seit dem Jahr 1969 ist das Hexentreiben in Schmidmühlen ein fester Bestandteil der fünften Jahreszeit. Der Zuspruch war auch heuer wieder ungebrochen. 87 Teilnehmer wurden von der Hexenlicht-Schranke erfasst, und der Hausmusikant Florian Gröninger war heuer zum 16. Mal beim Hexenzug dabei.

Um 13 Uhr haben sie sich vom „Zöllist“ in der Langbruck auf den Weg durch den Markt gemacht, um diesem Brauchtum zu frönen. Früher wurde man noch auf einem landwirtschaftlichen Bulldog-Gespann zu den ersten Einkehrstationen chauffiert, doch heutzutage ist man der Umwelt zuliebe zu Fuß unterwegs.

Viele sagen auch, es sei eine Antwort auf den Fischzug gewesen, der dann am Aschermittwoch in Schmidmühlen zum Abschluss des Faschings zelebriert wird. Der Treffpunkt braucht nicht groß angekündigt zu werden. Aus allen Himmelsrichtungen kommend finden sich die Hexen zusammen, um gemeinsam zu feiern. „Eine Whatsapp reicht aus“, hieß es vor Ort.

Florian Gröninger spielt auf

Der begleitende Musikant war auch heuer wieder der Quetschen-Spieler der Brettl-Spitzen-Musik, Florian Gröninger, der mit seiner diatonischen Harmonika schon länger als zehn Jahre für die Musik sorgt. Fantasievoll und auch ein wenig extravagant waren auch in diesem Jahr die Kostümierungen: Spitzhut und weiter Rock, darunter drei Pullover – weil man nicht weiß, wie sich das Wetter entwickeln wird. Die Schminke der Teilnehmerinnen reichte vom dezenten Rouge und grellem Lippenstift bis hin zu giftgrünen Backen und schwarzen Ohren. Manche Dame zeigte schwarze Zähne, die dem Chef der Altneihauser Feierwehr-Kapell’n Norbert Neugirg alle Ehre gemacht hätten.

Die Verhaltensregeln brauchte Oberhexe Martina Wiesner nicht mehr groß zu erläutern. Zu Fuß machte sich der Hexenpulk nach einem schnellen Zigarettchen auf den Weg durch den Markt. Für sie war es auch ein leichtes Spiel, auf dem Katzenbuckel-Pflaster zu tanzen, so wie man früher im Espach- oder im Meiersaal über die Tanzfläche gewirbelt ist.

Einkehrstationen sind sicher

So alt wie der Fischzug ist der Hexenzug noch nicht, erzählt Oberhexe Martina Wiesner zwischendurch. „Bei uns darf man immer fröhlich sein, es wird gesungen und getanzt, was natürlich beim Fischzug verboten ist.“ Der Hexenweg ist vorgegeben, nur die Einkehrstationen haben sich verändert, weil der eine oder andere Gastgeber nicht mehr existent ist. „Aber Ersatz-Einkehrstationen haben sich immer schnell gefunden, denn die Schmidmühlener stehen hinter diesem Brauch.“

Am späten Abend loderten dann noch am Hammerplatz beim alten Kirwabaum-Loch ein paar Strohballen als Zeichen der Winterverbrennung und der Hoffnung auf. Man singt „Wahre Freundschaft“ und andere Heimatlieder und hofft, dass das Frühjahr bald beginnen möge.

 
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