02.04.2019 - 13:45 Uhr
SchmidmühlenOberpfalz

Junut: Dieser Lauf ist kein Spaziergang

Extremsport-Fans kreuzen sich das erste Aprilwochenende im Kalender an: Zeit für den Junut, den Jurasteig Nonstop Ultratrail. Ein Ultralauf, der nun seit neun Jahren für Kopfschütteln sorgt - aber auch für Bewunderung.

Auch dafür wird Schmidmühlen als Station beim Junut geliebt: Hier bekommen die Extremsportler eine Rundum-Betreuung, natürlich auch mit Massage. Schließlich haben die Teilnehmer schon 135 Lauf-Kilometer in den Knochen, wenn sie beim SV Schmidmühlen ankommen.
von Autor FOPProfil
Diese Crew sorgt dafür, dass die Junut-Läufer beim SV Schmidmühlen alles bekommen, was sie brauchen (von links): Vanessa Fochtner, Annelies Fochtner, Maja Burkhardt und Peter Fochtner.

Unter anderem ist im Landkreis auch der SV Schmidmühlen wieder mit dabei. Im Roadbook des Junut ist der Verein als VP 7 geführt. Er öffnet seine Pforten für die Extremläufer am Samstag, 6. April, ab 6 Uhr. Es werden nicht nur rund 100 Läufer, sondern auch zahlreiche Zuschauer, Fans und Angehörige erwartet.

Stephan Neumayer-Burkhardt belegte im vergangenen Jahr den 2. Platz über die komplette Distanz von 239 Kilometern. Heuer ist er wieder im Helferteam mit dabei.
Im Blickpunkt:

Rundum-Service

In Schmidmühlen gibt es Rundum-Service für die Junut-Läufer. Zwölf Verpflegungspunkte plus den Start und Zielort Dietfurt weist das Roadbook aus. Drei davon sind Sportvereine (Schmidmühlen, Hohenburg und Deining). In den anderen VPs sind die Gemeinden selbst, Feuerwehren und auch Privatpersonen verantwortlich. In Schmidmühlen gibt es kalte und warme Getränke, kalte und warme Verpflegung, Toiletten, Duschen, Schlafplätze und Massagen. Insgesamt sind alleine rund 40 Personen im Organisations-Team eingebunden.

"Schon von Beginn an haben wir uns als Verein bestens präsentiert", berichtet SV-Vorsitzender Peter Fochtner. "Es gab bei uns schon immer den Full-Service, aber wir haben die Grundidee immer weiter ausgebaut." Bei den ersten Läufen war der Verein örtlich zunächst auf die Umkleidekabinen beschränkt, mittlerweile aber steht das gesamte Sportheim inklusive der Gaststätte zur Verfügung. Für den Verein keine leichte Aufgabe, da ja der parallel laufende Spielbetrieb an diesem Tag ausgesetzt werden muss. "Wir brauchen jeden einzelnen Raum, um den Läufern auch das zu bieten, was sie verdienen: Das Bestmögliche", sagt Fochtner.

Ein Grundstamm an Helfern ist schon von Anfang an mit dabei: Der Vorsitzende selbst, seine Mutter Annelies und Tochter Vanessa. Die Aufgaben der drei sind in den vergangenen Jahren gleich geblieben: Vanessa ist die Chefin bei der Zeitnahme, Annelies macht die heiß begehrte Gemüsesuppe und Peter kümmert sich um die Organisation und die Nudelsalate.

Der Vorsitzende musste dabei aber auch dazu lernen. Denn einen "normalen" Nudelsalat wollten die Extremsportler nicht. So scheiterte die erste Variante mit klassischen Zutaten wie Mayonnaise und Schinken krachend. "Vegan" hieß das Zauberwort, mit dem sich der leidenschaftliche Koch aber erst auseinandersetzen musste. Seit einigen Jahren klappt aber auch das bestens und wird von den Läufern auch explizit nachgefragt. "Rund 15 Kilo muss ich schon machen", verrät der Chef-Koch, "und das in zwei Varianten".

Hinzu kommen noch rund 15 Liter Gemüsesuppe, die Annelies Fochtner zubereitet. Insgesamt ist das Büfett rund 15 Meter lang, denn die Teilnehmer ernähren sich natürlich nicht nur vegan. Nüsse, Käse, extrem fette Würste oder Wassermelonen sind deshalb ebenso zu haben wie warme und kalte Getränke.

Gut zu wissen:

Der Junut

Der Junut hat sich seit Jahren zu einem festen Bestandteil der Ultralaufszene entwickelt und dabei ohne Übertreibung echten Kultstatus erreicht. Auch immer mehr Teilnehmer aus der Region treten bei diesem Extremlauf an. Die Läufer haben etwas mehr als zwei Tage (maximal 54 Stunden) Zeit, den kompletten Jurasteig mit einer Länge von 239 Kilometern und einem Höhenunterschied von kumuliert 7500 Metern zu bewältigen.

Dazu muss man wissen: Normalerweise wird der Jurasteig in 13 Tagesetappen erwandert. Der Junut ist also alles andere als ein Kindergeburtstag. 2017 starteten 115 Läufer. Davon konnten nur 3 Frauen und 28 Männer die volle Distanz bewältigen. 9 Frauen und 41 Männer stiegen in Kastl (km 170) bei der dort möglichen Zwischenwertung aus. 34 Teilnehmer mussten bereits vorher aufgeben und kamen nicht in eine Wertung. Aktuell stehen für heuer 122 Gemeldete aus sieben Nationen (13 Damen, 109 Herren) auf der Starterliste. Die Teilnehmer haben dabei die Wahl zwischen zwei Distanzen. Etwa die Hälfte der Teilnehmer hat sich für die komplette Runde (Junut 239) mit 239 Kilometern entschieden.

Der Junut ist ein sogenannter Einladungslauf. Wer teilnehmen will, benötigt eine persönliche Einladung von Organisator Gerhard Börner. Die bekommt aber nur derjenige, der über eine entsprechende Erfahrung bei Ultra-Läufen verfügt. Das überprüft Börner auch sehr genau. Grundsätzlich muss jeder Teilnehmer schon mindestens einen 100-Meilen-Lauf (160 km) erfolgreich beendet haben. "Das ist aber alles andere als eine Gewähr für ein Finish beim Junut", weiß Börner.

Aber warum steht diese Veranstaltung beim Verein so hoch im Kurs? Warum hängen die Helfer so viel Herzblut hinein? Auch darauf hat der Vorsitzende des SV eine Antwort: "Im Alltagsgeschäft eines Vereins wird von vielen Mitgliedern das ganze Drumherum als Selbstverständlichkeit hingenommen und niemand macht sich mehr Gedanken, was für ein Aufwand dahinter steht. Ich höre an diesem einen Tag so oft ein Danke wie im ganzen restlichen Jahr nicht." Manchmal sind es halt einfach die kleinen Gesten, die ein Engagement würdigen und damit auch fördern.

Rückblick:Junut 2018

Ein Büfett speziell für Sportler richtet der SV Schmidmühlen her. Dabei musste der Verein auch erst lernen: Nudelsalat ist nicht gleich Nudelsalat.
Rezept:

Junut-Nudelsalat (vegan)

Zutaten für 6 Personen:

500 g Penne (am Besten Dinkelnudeln, da sie hochwertiger sind, müssen aber keine Vollkornnudeln sein),

250 g Cocktailtomaten,

1 Glas Pesto Rosso,

1 Glas Tomaten (getrocknete in Öl),

1 Schale Rucola,

50 g Pinienkerne,

1 Packung Kräuter (italienische, Salatfix zubereitet mit Olivenöl),

Salz und Pfeffer.

Zubereitung:

Die Nudeln in Salzwasser al dente kochen und abkühlen lassen. Die getrockneten Tomaten in Stücke schneiden, die Pinienkerne in einer trockenen Pfanne ohne Fett anrösten. Rucola waschen und etwas zerrupfen. Alle anderen Zutaten miteinander mischen, unterheben und den Salat mindestens eine Stunde ziehen lassen. Vor dem Servieren nochmal abschmecken.

Unterschiede/Vorteile:

Dinkelnudeln statt Weizennudeln: Dinkel liefert insgesamt mehr Mineralstoffe und Spurenelemente als Weizen. Während im Dinkel beispielsweise 4,2 Milligramm Eisen pro 100 Gramm stecken, sind es im Weizen nur 3,3 Milligramm. Auch vom Magnesium schlummern im Dinkel mehr Milligramm (nämlich 130) als im Weizen (nur 97 mg).

Bei den Spurenelementen sieht es ähnlich aus. Zink, Mangan, Kupfer - sie alle sind im Dinkel deutlich stärker vertreten als im Weizen. Auch ein hoher Gehalt an Kieselsäure ist dem Dinkel zu eigen. Kieselsäure, auch Silizium genannt und in der Homöopathie als "Silicea" bekannt, gibt den Körpergeweben Festigkeit und Elastizität und ist insbesondere für seinen guten Einfluss auf Haut, Haare und Nägel bekannt. Darüber hinaus fördert Silizium aber auch die Konzentration, so dass es nicht verwunderlich ist, wenn Dinkel früher als das "Getreide der Dichter und Denker" galt.

Gesunde Fette: Dieser Salat ist bei Leibe nicht "Fettarm". Aber es kommt darauf an, welche Fette man zu sich nimmt. Die Fette in diesem Salat stammen aus Sonnenblümenöl (im Pesto) und den Nüssen (Pinienkerne). Ergänzt wird das ganze durch das das Olivenöl, mit welchem man die "italienischen Kräuter" zubereitet.

Neuerung: Im letzten Jahr hat Tobias Krumm aus Bergisch-Gladbach mit 29:34 h einen neuen Streckenrekord auf der Langdistanz aufgestellt. Er startet in diesem Jahr erneut und wird sicherlich seine Zeit aus dem Vorjahr zumindest verteidigen, wenn nicht sogar weiter verbessern wollen. Wenn die besonders schnellen Läufer gemeinsam mit dem Hauptfeld starten würden, müssten im letzten Drittel der Strecke die Versorgungsstellen bis zu 24 Stunden besetzt sein. Dies ist logistisch kaum machbar. Mit den versetzten Startzeiten lässt sich das etwas entschärfen.

Helferteam: Das Team der Familie Fochtner wird 2019 ergänzt um die bewährten Kräfte aus Vilshof. Maja und ihr Mann Stephan Neumaier-Burkhardt, der 2018 als 2. den 239 km-Lauf finishte, sind wieder mit dabei. Neu dabei ist Bastian Stadlmann, ein sehr ambitionierter Läufer aus der Gemeinde Schmidmühlen.

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