Der g´malzne Freitag, wie der Faschingsfreita im Volksmund genannt wird, ist in Schmidmühlen der ganz große Auftritt für die Hexen. Eine schriftliche Einladung braucht man dazu nicht extra, erzählt Oberhexe Martina Vierl, denn die Hexenschar nutzt natürlich schon mehrere Jahren moderne Kommunikationstechniken. "Da wird über den Hexenkanal gesimst oder eine Whats-App abgesetzt“. Nicht einmal einen Rundruf braucht es, dass „Frau“ zu diesem Spektakel zusammenkommt. Und traditionell „alt“ geblieben ist nur der Besen, oder sind heuer besser gesagt die Regenschirme, denn beide brauchte man, um widerspenstigen Herren der Schöpfung zu sagen, wo der Bartel den Most holt – und als Regenschutz.
"Freilich so alt wie der große Kollege Fischzug ist unsere Hexentreiben nicht, aber genauso schön, wie der Aschermittwochfischzug der Männer", erzählt Martina Vierl. "Mit dem Unterschied, dass man bei uns immer reden, tanzen und lustig sein kann, während dies alles beim Fischzug mit einer Strafe von fünf Euro belegt wird."
Am Freitag um "Oans" kommen sie beim „Zöllist“ in der Langbruck zusammen, so der frühere Name der unteren Hauptstraße. Seit 1969 läuft dies immer auf der gleichen Spurbreite ab – nur die Einkehrstationen haben sich geändert. Neu Stationen sind dazugekommen, aber auch manch alte Einkehr ist verschwunden. Aber die Zahl der Stationen ist trotzdem recht ansehnlich geblieben.
Frau sammelt sich dort und macht man sich zu Fuß auf den Weg zum Amtssitz zum Vertretungsbürgermeister Martin Bauer, um sich fürstlich bewirten zu lassen. In früheren Jahren ist man noch mit einem Ladewagentross durch den Markt zu den ersten Wirkungsstätten getuckert, aber das hat man aus Sicherheitsgründen wegfallen lassen. Denn: „Hoch auf dem gelben Wagen ist nix an diesem Tag“.
Dass die selbstbewussten Hexendamen überall zuvorkommend bedient und hofiert werden, ist natürlich bei der geballten Hexenmacht eine selbstverständliche Sache, denn anlegen sollte man sich mit dieser Spezies an diesem Tag freilich nicht. Nur ein Mann durfte heuer wieder mitgehen, und das war der Musikant Florian Gröninger aus Pirkensee, der am Donnerstag auch schon bei den Hexen in Amberg dabei gewesen ist.
Stationen waren unter anderem die heiligen Hallen des Bürgermeisters im oberen Schloss und die Räumlichkeiten der Raiffeisenbank, Man schaute bei verschiedenen Geschäften vorbei und besuchte die Autowaschanlage und andere gut gesonnene Adressen, um Kraft für den spätabendlichen Showdown zu sammeln. Zu später Stunde verbrennen sie nämlich noch eine Strohhexe zum Zeichen des Winteraustreibens am Hammerplatz, um dann meist noch einen Schlenkerer bei der Schwarzen Nacht der CSU beim Ochsenwirft zu machen.


















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