18.06.2019 - 16:47 Uhr
SchmidmühlenOberpfalz

Obst- und Gartenbauverein Schmidmühlen erkundet Truppenübungsplatz Hohenfels

Die ehrenamtliche Arbeit des Obst- und Gartenbauvereins in Schmidmühlen ist vielfältig übers Jahr verteilt. In den vergangenen Tagen nahmen sich die Mitglieder eine Auszeit, um den Truppenübungslatz Hohenfels zu erkunden.

von Paul BöhmProfil

Die Übungseinrichtung liegt zwar direkt vor der Schmidmühlener Haustüre, aber es ist militärisches Sperrgebiet mit großen "Zutritt verboten"-Schildern. Die Fahrten dorthin sind sehr begehrt, aber nur in der übungsfreien Zeit möglich.

Die Schmidmühlener Gartenbaufreunde nutzten daher die Möglichkeit zu einer ausgiebigen Truppenübungsplatzrundfahrt, bevor der Übungsbetrieb in den nächsten Tagen wieder los geht. Wie Reisebegleiter Paul Böhm erzählte, wurden für den Übungsplatz der Wehrmacht vom 1. April 1938 bis zum 1. Oktober 1940 1622 Einwohner aus 60 Ortschaften umgesiedelt.

Eine zweite Ablösungswelle folgte im Herbst 1951, als im Zuge des aufkommenden Kalten Krieges für die im süddeutschen Raum stationierten Streitkräfte der 7. US Army erneut ein Übungsgelände gesucht war. "Am 29. August 1951 haben die Ablösungsarbeiten begonnen und bei der Aussiedlung vom 21. September bis zum 15. November 1951 mussten 3202 Einwohner aus 85 Ortschaften und Weilern ihre angestammte Heimat verlassen", erzählte Böhm. Der Truppenübungsplatz hat jetzt eine Größe von 16 129 Hektar.

Neu war für die Exkursionsteilnehmer die Information, dass in den Jahren 1942/43 mit dem Bau einer Kleinbahn von Schmidmühlen, Emhof, Dietldorf, Rohrbach und dann weiter nach Hohenfels begonnen worden ist, um die Versorgung sicher zu stellen. "1944 war die Strecke von Schmidmühlen bis Emhof befahrbar", fuhr Böhm fort. Für den Bau sind damals Kriegsgefangene eingesetzt worden. Die Weiterfahrt im Übungsgelände führte über die ehemalige Ortschaft Unterödenhart, die während des 2. Weltkrieges als Kriegsgefangenenlager genutzt wurde. "Das Strafgefangenenlager STALAG 383, vornehmlich mit englischen, australischen und amerikanischen Kriegsgefangenen belegt, war wohl auch der Garant gewesen, dass Hohenfels von den Alliierten Bomberverbänden verschont geblieben ist", sagte Böhm.

Eine letzte Einkehrstation war die ehemalige Ortschaft Schmidheim, wo bis zur Ablösung im Jahr 1951 die Brauerei Rödl betrieben worden ist. Erst vor wenigen Wochen hatte die Wahl-Regensburgerin Gerda Stauner mit familiären Wurzeln in Seubersdorf ihren neuen Roman "Wolfgrund" vorgestellt. "Es geht in dem Roman nicht nur um die Liebesgeschichte von Agathe und dem Wirtssohn Ludwig, die sich nach dem Gebetläuten immer heimlich hinter der Kegelbahn getroffen, und deren Wege sich immer wieder gekreuzt haben". Die Geschichte sei hervorragend gemischt mit den Ereignissen aus mehreren Epochen, angefangen vom Ersten Weltkrieg, bis zur Ablösung für einen Wehrmachtsübungsplatz und dann die erneute Ablösung im Jahr 1951 Abgeschlossen haben die Schmidmühlener Gartenbaufreunde ihren Ausflug mit einem Besuch im Kuhstallcafé in Illkofen.

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