19.07.2020 - 12:25 Uhr
SchmidmühlenOberpfalz

Vereinsheim in Schmidmühlen gibt es nicht mehr

Das Vereinsheim in Schmidmühlen, gleich neben dem historischen Salzstadel, ist abgerissen. Der Platz wird künftig von der Färbos-Versicherungen-GmbH als Firmensitz genutzt werden.

Das Vereinsheim gleich neben dem historischen Salzstadel ist abgerissen. Der Platz wird künftig von Färbos-Versicherungen GmbH als Firmensitz genutzt werden. Die beiden Geschäftsführer Paul Färber und Thomas Färber waren noch kurz vor dem Abriss des Vereinsheimes auf der Baustelle.
von Paul BöhmProfil

Das Vereinsheim in Schmidmühlen gleich hinter der Traditionsgaststätte beim Sternwirt ist verschwunden, doch viele gesellschaftliche Erinnerungen werden bleiben. In den vergangenen Tagen wurde das von der Schmid Bräu und dem Heimat- und Volkstrachtenverein im 1972 gebaute Vereinsheim mit der angebauten Bühne abgerissen, um einem neuen Geschäftsgebäude Platz zu machen.

Versicherungs-GmbH zieht ein

Die Färbos-Vilstal GmbH wird aber die Geschichte dieses Platzes neben dem Salzsadel fortschreiben, auch wenn die Nutzung eine ganz andere sein wird. Auch in den neuen Räumen sollen sich wieder Menschen treffen, auch wenn es bedeutend weniger sein werden, als dies in der Blütezeit des Vereinsheimes oder auch des Trachtenheimes waren. Das neue Gebäude wird als zentrales Büro für die Färbos-Vils GmbH als Versicherungsstandort genutzt werden, erzählten die beiden Geschäftsführer Paul und Thomas Färber bei einem Ortstermin.

Im Jahr 1972 wurde an den Sternwirt das Vereinsheim angebaut, das auch dem Heimat- und Volkstrachtenverein lange Jahre als Domizil diente. Wie sich Bürgermeister Peter Braun noch erinnert, sind beim Bau der Bühne hauptsächlich Mitglieder des Heimat- und Volkstrachtenvereins auf der Baustelle gewesen. Sein Vater Ludwig Braun war einer der verantwortlichen Mauerer und sein Sohn, der jetzige Bürgermeister Peter Braun, hat sich als junger Bursche seine Sporen aus Bauhelfer dort verdient. Von den Trachtlern wurde die Bühne angebaut, um den nötigen Platz fürs Theaterspielen zu schaffen, so hatte man sich mit der Brauerei damals geeinigt. Über längere Zeit wurde das Vereinsheim vom jeweiligen Pächter des Sternwirts mit bewirtschaftet. Das gesamte Anwesen gehörte damals zur Schmidbräu oder Kannesmetzger, wie der Hausname ist. In Schmidmühlen erinnert man sich noch gerne an die Zeit, als das Vereinsheim mehr oder weniger der gesellschaftliche Treffpunkt der Trachtler, des Kriegerverein und der Reservistenkameradschaft war.

Auch andere Schmidmühlener Vereine, wie das Faschingskomitee und der Zunftverein der Mauerer und Zimmerer nutzten das Domizil gerne für Veranstaltungen.

Disco Flupp und Hobbit

Irgendwann in den 80er Jahren wurde das Vereinsheim umgebaut und als Disco Flupp ins Rampenlicht gebracht. Über lange Jahre war die Disco der Dreh- und Angelpunkt für den Wochenendtreff der jungen Leute aus der Region. Später wurde das "Hobbit" daraus, aber irgendwann war auch das Lokal zu.

Der Heimat- und Volkstrachtenverein hat jetzt im ehemaligen Fochtneranwesen im Hammerschlossumfeld ein neues Domizil bezogen. Aus dem Sternwirt wurde das "Sternchen". Jetzt beheimatet der Sternwirt eine Pizzeria.

"So ändern sich die Zeiten", meinte Bürgermeister Peter Braun bei einem letzten Rundgang durch das Gebäude. Wie man auch in den vergangenen Marktgemeinderatssitzungen erfuhr, wird dieses Stück Schmidmühlen zwischen Sternwirt und dem Salzstadel eine besondere Nutzung erfahren. Auf dem Vereinsheimplatz wird ein Geschäftshaus entstehen und der freie Platz vor dem Vereinsheim kann künftig als zusätzliche Parkgelegenheit genutzt werden können, sagt Bürgermeister Peter Braun.

Enger Gehweg

Auch der enge Gehweg zwischen dem Sternwirtsanwesen und dem Hirschenwirt, der wohl früher eine Bedeutung als Feuergasse hatte und eine Verbindung über einen Vilssteg zur Staatsstraße hatte, soll ebenfalls eine Renaissance erfahren. Wie Braun informierte, will der Markt die Erschließung voranbringen und den früheren Gehweg, der damals noch durch eine kleine Wiese führte, für die Bevölkerung wieder nutzbar machen.

Dass dieses Stück Weg eine besondere Bedeutung hatte, liegt wohl auch daran, dass der gleich nebenan liegende Salzstadel bis in späte Mittelalter nicht unbedeutend für die Vils-Schifffahrt als Lager- und Ladestätte für den Salztransport in Richtung Amberg hatte. Auf dem Rückweg wurde von den Lastkähnen Eisenerz nach Regensburg befördert.

Neues Nutzungskonzept für den Salzstadl in Schmidmühlen.

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