26.11.2018 - 16:25 Uhr
SchnaittenbachOberpfalz

"Anatevka" auf dem Buchberg

Wenn jemand aus den Reihen der Buchbergbühne sagt, welches Stück auf dem Programm steht, fängt das Gegenüber zu singen an: "Wenn ich einmal reich wär'". Und der Hinweis, "Anatevka" sei schon eine große Nummer.

Eigentlich ist Thomas Reiß, der Vorsitzende der Freilichtbühne am Buchberg, ja am liebsten Wirt. Im Holledauer Schimmel war er heuer Bürgermeister (unser Bild). Nächstes Jahr soll's die Hauptrolle sein: Reiß soll in "Anatevka" den armen Milchmann Tevje spielen.

Das wiederum ist den Verantwortlichen der Freilichtbühne am Buchberg sehr wohl bewusst. Die Schnaittenbacher Theaterleute sind zwar alles Laien, aber auch Profis genug, um selbst echte Herausforderungen nicht zu scheuen. Ihre unvergessene Geierwally-Inszenierung war so eine "große Nummer" - die die muntere Truppe um Vereinsvorsitzenden Thomas Reiß, Spielleiter Stefan Reindl und Vorstandsmitglied Kerstin Donhauser am Ende bravourös gestemmt hat. Samt echtem Greifvogel.

Stück mit Ohrwurm

Jetzt also Anatevka. Jenes Stück um Tevje, den jüdischen Milchmann, nach den Geschichten von Sholem Aleichem, das viele als Muscial kennen. Eines der Lieder ist längst ein Ohrwurm: "Wenn ich einmal reich wär'" können auch die anstimmen, die das Stück gar nicht kennen. Spielleiter Stefan Reindl kann Letzteren mit einer Kurzversion nachhelfen: Tevje, der arme Milchmann, steckt in dem Dilemma, dass er als polnischer Jude seine drei ältesten Töchter über eine Heiratsvermittlerin an den Mann bringen will - so, wie Religion und Tradition es verlangen. Doch die Mädchen wollen sich ihre Männer selber aussuchen. Und all dies geschieht in dem fiktiven "Schtetl" Anatevka, dessen jüdische Bewohner von den Russen vertrieben werden.

Kein ganz leichter Stoff. Aber, im sehr typischen jüdischen Humor verpackt, eigentlich genau das, was die Buchbergbühne liebt: In diesem Stück könne jeder Zuschauer etwas für sich finden, sagt Reindl - nachdenklich Stimmendes, Trauriges, Erschreckendes, aber auch Lustiges, je nachdem, auf was er sich einlassen will. "Oder er kann auch einfach nur einen schönen Theaterabend erleben." Dem voraus geht freilich einiges an Arbeit für die Mitwirkenden. Die Buchbergbühne wäre nicht sie selbst, wenn sich die Akteure nicht ganz tief hineingraben würden in ihr neues Stück und seinen Hintergrund.

Der ist in diesem Fall die jüdische Religion und ihre Traditionen, aber auch der erwähnte Humor mit seiner Selbstironie samt vieler typische Ausdrücke, von denen einige längst Umgangssprache sind. Wenn jemand "a Massl ghabt" hat, hat diese besondere Portion Glück ihren Ursprung im Hebräischen: Mit "Masel tov" wünscht man sich im Jiddischen "Viel Erfolg". Um den zu haben, plant die Buchbergbühne nicht nur das übliche Workshop-Wochenende für alle Mitwirkenden. "Wir wissen zu wenig über die jüdische Kultur, die in dem Stück eine besondere Rolle spielt", sagt Kerstin Donhauser. Und freut sich, das zu ändern.

Vorverkauf:

Ende Mai geht’s los auf dem Buchberg mit „Anatevka“. Sieben Vorstellungen im freien Verkauf plant die Freilichtbühne diesmal, die erste am Samstag, 25. Mai. Karten gibt es im Internet (Info: www.buchberguehne.de), der Vorverkauf beginnt wie immer am 1. Dezember, diesmal ein Samstag. Der Preis hat sich leicht erhöht, ein Ticket kostet 15 Euro.

Die Schnaittenbacher wollen sich intensiv mit dem jüdischen Glauben und seinen Traditionen befassen - und haben dazu schon Kontakt mit Fachleuten geknüpft. Gut möglich, dass solche Einblicke auch interessierten Zuschauern angeboten werden, in einem eigenen (Vortrags-)Abend vor Beginn der Spielzeit auf dem Buchberg. Die fällt, auch wenn das nicht geplant war, in eine Zeit, in der "Anatevka" aufgrund der Geschehnisse in der Welt eine besondere Aktualität bekommt, findet Reindl. "Vielleicht keimt da ja gerade etwas auf", meint er - und sieht damit einen Bezug zu Milchmann Tevje, bei dem Traditionen über allem stehen. Er muss lernen, offen zu sein für andere Sichtweisen.

Theater mit Einblicken

Eine packende Geschichte, findet Kerstin Donhauser - von der die Idee kam, dieses Stück auf den Buchberg zu bringen. Seit sie es einmal auf der Luisenburg gesehen hat, hat es sie nicht mehr losgelassen.

Manchem ihrer Mitstreiter ging es ähnlich. Der "Kletter", wie Senior-Schauspieler Alfons Nagler seit seiner Rolle als Knecht in der "Geierwally" heißt, hatte Tränen in den Augen, als er erfuhr, was er und seine Vereinskollegen diesmal einstudieren. www.onetz.de/themen/freilichtbuehne-buchberg

Eine packende Geschichte

Die Freilichtbühne am Buchberg im Onetz

Im Blickpunkt:

Das wissen sicher die wenigsten Zuschauer: Es ist nicht ganz einfach, ein bekanntes Stück aus dem Kreis der großen Klassiker auf die Theaterbühne zu bringen. Und billig ist es auch nicht. Gruppen wie die Buchbergbühne müssen Tantiemen an den Autor beziehungsweise den Rechte-Inhaber eines Stücks bezahlen – eine Art „Gema“, wie man sie von Konzertveranstaltungen kennt.

„Anatevka“ ist auch in dieser Hinsicht eine große Nummer: Für die Rechte, das Stück inszenieren zu dürfen, muss die Buchbergbühne rund 6000 Euro bezahlen. Hier geht es auch um eine Leihgebühr fürs Rollenheft, dazu gesellen sich bestimmte Vorgaben, etwa bei der Gestaltung der Werbemittel. Die Gebühr ist ein Grund dafür, dass die Eintrittskarten nach vielen Jahren jetzt doch ein bisschen teuerer geworden sind.

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