31.07.2020 - 18:06 Uhr
SchnaittenbachOberpfalz

Die Bohne ist Jahresthema im Kräutergarten Schnaittenbach

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Die bunte Vielfalt der Bohnen und ihr unkomplizierter Anbau faszinieren Gärtnermeisterin Tanja Götz. So sehr, dass sie diese weltweit wichtige Kulturpflanze zum Jahresthema im Kräutergarten Schnaittenbach macht.

Gärtnermeisterin Tanja Götz hat diesmal die Bohne zum Jahresthema im Kräutergarten Schnaittenbach gemacht.
von Adele SchützProfil

„Ab dieser Kräutergarten-Saison wollen wir jährlich ein anderes heimisches Gemüse vorstellen", kündigt Tanja Götz an: "Die Bohne war aufgrund ihrer hohen Bedeutung für die Welternährung, ihres gesundheitlichen Werts und ihres in unseren Breiten geführten Schattendaseins die erste Wahl für diese Aktion.“ Die Gärtnermeisterin hat aus Hunderten von Bohnensorten nach den Eisheiligen 17 Sorten aus den drei großen gängigen Gruppen (Busch-, Stangen- sowie Feuer- bzw. Prunkbohnen) ausgewählt und ins Freiland sowie in Töpfe gesteckt. Inzwischen tragen alle Sorten im Kräutergarten Schnaittenbach (Kreis Amberg-Sulzbach) erste Früchte.

Der Kräutergarten in Schnaittenbach

Wie Götz erklärt, enthalten Bohnen Vitamine und Mineralstoffe in einem ausgewogenen Verhältnis. Ein hoher Ballaststoffanteil wirke sich positiv auf die Darmfunktion aus. Der regelmäßige Verzehr von Bohnen könne helfen, den LDL-Cholesterinspiegel und auch den Blutzuckerspiegel zu senken. Bohnen enthalten laut Götz zudem bis zu 25 Prozent hochwertiges Eiweiß, das vom Körper optimal aufgenommen werden könne. Sie nennt Bohnen deshalb eine ausgezeichnete Grundlage in der vegetarischen Küche.

Von Kolumbus mitgebracht

Ein Blick in die Kulturgeschichte der Bohnen zeigt, dass sie aus der Neuen Welt zu uns kamen. Bereits vor rund 7000 Jahren wurden sie im Hochland von Mexiko von den Azteken, Mayas und Inkas als wichtige Nahrungspflanze kultiviert. Die getrockneten Körner eigneten sich ideal zur Vorratshaltung. Christoph Kolumbus brachte diese Sorten im 16. Jahrhundert mit nach Europa, wo man bis dahin nur zwei Bohnenarten kannte: die Dicke Bohne (auch Puff- oder Saubohne genannt) und die afrikanische Fisole. „Die Gartenbohne erfreute sich nach ihrer Einführung großer Beliebtheit, weil sie sich besser für unser mitteleuropäisches Klima eignete und ertragreicher war“, sagt Tanja Götz.

Zum Anbau von Bohnen erklärt die Gärtnermeisterin, dass es die einjährigen Busch- und Stangenbohnen sonnig, warm und windgeschützt lieben. Etwas robuster seien die Feuerbohnen. Feuer- bzw. Prunkbohnen wachsen wie Stangenbohnen in die Höhe und brauchen deshalb ein Klettergerüst. Genial seien diese Bohnensorten mit ihren leuchtend roten Blüten auch zur dekorativen Begrünung von Sichtschutzwänden und Zäunen.

Leicht anzubauen

Bohnen sind laut Tanja Götz leicht zu kultivieren und stellen keine hohen Ansprüche an den Boden. Die Aussaat in das Freiland empfiehlt die Fachfrau nach den Eisheiligen Mitte Mai, da Bohnen einen gut temperierten Boden mit mindestens 10 Grad brauchen, um schnell und gleichmäßig aufzulaufen. Zudem spielt die richtige Temperatur eine wichtige Rolle für die Pflanzengesundheit. Für Schnecken sind die jungen Pflänzchen allerdings ein willkommenes Fressen.

Bohnen brauchen keine keine Stickstoffdüngung, wie die Gärtnermeisterin betont: Sie leben in Symbiose mit Knöllchenbakterien an ihren Wurzeln und binden dort Stickstoff aus der Luft, der auch für ihre Ernährung und nachfolgende Pflanzen zur Verfügung steht. Bohnen sollten nicht tiefer als drei Zentimeter gelegt werden, da sie zur Keimung Sauerstoff benötigen.

Auch etwas für den Balkon

„Wenn man die grünen Hülsen ernten möchte, ist es günstig, in mehreren aufeinander folgenden Sätzen auszusäen", sagt Götz und empfiehlt: "Buschbohnen Anfang Juli, dann kann man bis Mitte Oktober frische Bohnen ernten.“ Ihr Tipp: Je öfter die Bohnen beerntet werden, desto mehr Ertrag erzielt man. Zwischen den jungen Bohnenpflanzen sollte vorsichtig gehackt werden. Leichtes Anhäufeln erhöht die Standfestigkeit. Mulchen mit Grasschnitt sind ebenfalls vorteilhaft. Und noch einen Hinweis hat die Gärtnermeisterin: „Bohnen sind im ausreichend großen Topf auch leicht am Balkon zu ziehen.“

Für Tanja Götz ist die Gartenbohne ein gutes Beispiel für eine fast unüberschaubare Sortenvielfalt was Form, Farbe, Konsistenz und Geschmack der Körner und der Hülse sowie Reifedauer, Beblätterung, Blütenfarbe und Wuchsform angeht. Sie stellt die Vorzüge der Busch- und Stangenbohne heraus: Letztere reift über einen längeren Zeitraum und ist ertragreicher, braucht mehr Wasser und fordert mehr Arbeit, weil man ihr ein Rankgerüst geben muss. Buschbohnen sind früher reif und über kürzere Zeit erntbar, anspruchsloser in Bezug auf den Boden, haben feinere Hülsen für den Frischverzehr und vertragen leichter einen windigen Standort.

Am besten zart ernten

Haupterntezeit für grüne Bohnen ist von Juli bis Anfang Oktober. Tanja Götz empfiehlt, die Bohnen jung und zart zu pflücken, bevor sich die Kerne deutlich durch die Hülse abzeichnen. „Je länger man sie an der Pflanze lässt, desto stärker bilden sich sortenabhängig die unangenehmen Fäden an den Nahtstellen der Hülsen.“ Bohnen seien frisch verzehrt am besten, sie eignen sich aber auch zum Einfrieren oder Trocknen .

Bei einer Führung im Kräutergarten in Schnaittenbach am Samstag, 1. August, um 15 Uhr stellt Gärtnermeisterin Tanja Götz die Bohne in ihrer Vielfalt vor. Auch die dort kultivierten Heilpflanzen und ihre Wirkung sind Thema. Eine Anmeldung für die Teilnahme ist unter der Telefonnummer 09622/703751 möglich (auf den Anrufbeantworter sprechen).

Rezept-Tipp: Bohnen wie bei Bud Spencer

Amberg
Im Blickpunkt:

Bohnen in der Küche

„Bohnen müssen in Salzwasser 10 bis 20 Minuten gekocht oder in Fett angebraten werden, da dadurch das in ihnen enthaltene Gift Phasin zerstört wird“, betont Tanja Götz. Sie empfiehlt das Anbraten mit Speck als sehr herzhafte Variante der Zubereitung – oder mit Olivenöl für Raffinesse. Als Kräuter eignen sich besonders Bohnenkraut und Petersilie, als Gewürze ist Pfeffer ein Muss. Ein Geheimtipp ist die exotische Variante von Bohnen aus der Pfanne, die mit Ingwer, Chili, Koriander und Cumin, Garam Massala oder Curry abgeschmeckt werden.

Das Lieblingsgericht von Tanja Götz ist allerdings die Bohnensuppe nach dem Rezept ihrer Oma: Für eine Portion benötigt man eine Zwiebel, zwei Kartoffeln, eine Möhre, etwas Butter, Salz, Pfeffer, Bohnenkraut, Petersilie und etwas Liebstöckl. Götz kocht die Bohnen und die Möhre bissfest in Salzwasser in einem Topf und schreckt sie dann mit kaltem Wasser ab. In einem anderen Topf kocht sie die geschälten, in Spalten geschnittene Kartoffeln in Salzwasser mit klein geschnittenem Maggikraut weich, um diese dann mit Butter zu einem Stampf zu verarbeiten. In einer Pfanne wird die Zwiebel mit Butter angedünstet, was dann zum Stampf gegeben wird. Der wird mit Brühe aufgegossen und die Bohnen zur Suppe gegeben. Diese wird mit Bohnenkraut und Petersilie garniert.

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