28.01.2020 - 12:27 Uhr
SchnaittenbachOberpfalz

Bürgermeister und Pfarrer: Letzter gemeinsamer Neujahrsempfang

Stadt und Kirche pflegen am Ehenbach sehr gute Zusammenarbeit, was der gemeinsame Neujahrsempfang erneut zeigte. Zahlreich kamen die Menschen aus der Pfarreiengemeinschaft St. Vitus/St. Margareta und aus der Großgemeinde - Besucherrekord.

Zum elften und letzten Mal begrüßten Bürgermeister Sepp Reindl und Pfarrer Josef Irlbacher (v.l.) die Schnaittenbacher zum gemeinsamen Neujahrsempfang von Stadt und Kirche und stießen auf das neue Jahr an.
von Adele SchützProfil

Während Bürgermeister Sepp Reindl und seine Stellvertreter, Uwe Bergmann und Manfred Schlosser, damit beschäftigt waren, die Hände der zahlreichen Gäste zum Auftakt zu schütteln, spielte die Ehenbachtaler Blaskapelle unter Leitung von Johannes Pilarski flott zur Unterhaltung auf.

Bei seinem Blick auf die Weltpolitik machte der Bürgermeister auf gesellschaftliche Veränderungen aufmerksam und brachte die junge Generation zur Sprache. Gerade diese hinterfrage wie Politik und Demokratie funktionierten.

Die Jungen zeigten enorme Leistungsbereitschaft, die höchste, die je wissenschaftlich gemessen wurde, allerdings nur im Gegenzug zu Spaß an der Arbeit und der Perspektive - "work life balance", machte Sepp Reindl klar.

Lanze für junge Generation

Er bemerkte, dass diese jungen Leute von 15 bis 25 sich wieder sehr gut vorstellen könnten, die Region in der sie aufgewachsen seien, nicht zu verlassen. Es gebe laut Reindl bei ihnen wieder so etwas wie "Heimatliebe" - wo sie alles kennen würden, alles stabil sei, sie aber als Ausgleich für den digitalisierten Leistungsdruck ein "analoges Netzwerk aus Fleisch und Blut" um sich hätten. "Ein enormes Potenzial für ein Miteinander von Jung und Alt, von Leistungsbereitschaft und Lebenserfahrung. Bauen wir also auf unsere Kinder. Sie sind besser als so mancher Test behauptet und freuen wir uns auf die Renaissance von Familie und Partnerschaft", brach der Bürgermeister die Lanze für die junge Generation.

Weniger Dissens

Er ging dann auf die Kommunalpolitik und die anstehenden Wahlen sowie die Aufgaben eines künftigen Stadtrats ein. Zunächst bedankte er sich bei dem bisherigen Gremium für die stets gute Zusammenarbeit und bemerkte, dass es viel weniger Dissens gegeben habe, als dies nach außen der Eindruck sei.

Reindl zeigte sich überzeugt, dass sich der künftige Stadtrat über ganz neue Themen unterhalten müsse, zumal gesellschaftliche Verwerfungen und ein damit geändertes Wahlverhalten vor der kommunalen Ebene nicht Haltmachen würden. Das gelte ebenso für Angriffe auf Politiker bis zur kommunalen Ebene sowie deren rechtliche Würdigung als auch gegen die gemeindliche Selbstverwaltung und Planungshoheit.

Handlungsfelder wie Bildung und Betreuung, Digitalisierung, Breitbandversorgung, Datenschutz und Informationssicherheit, Versorgung im Alter, Innenentwicklung, Biodiversität, Resilienz oder Energieeffizienz seien laut Reindl nur eine kleine Auswahl an Zukunftsaufgaben.

Hohe Verantwortung

Er warf die Frage auf: "Wird es gelingen, die Anspruchsgesellschaft wieder zu erden oder droht gar Gefahr für den gesellschaftlichen Frieden?" Darin stecke nach seiner Meinung eine sehr hohe Verantwortung. Für den Wahlkampf, in dem viele Kandidaten als Anwalt der Bürger auftreten, hoffte er, dass dies alles ohne persönliche Diffamierung ablaufen werde und man den Wind um manches Projekt angemessen zu dosieren verstehe. Schließlich wisse jeder, dass man ab Mai in den neuen Gremien wieder gemeinsam Kommunalpolitik gestalten müsse.

Grundsätzlich ließ der Bürgermeister wissen, dass sich die Stadt Schnaittenbach trotz eintrübender Konjunktur in der Lage sehe, große Projekte zu bewältigen und sich gleichzeitig finanziell zu konsolidieren. "Immerhin ist es uns gelungen, in den letzten fünf Jahren über 4,5 Millionen Euro Schulden zu tilgen und damit - trotz enormer Investitionen - den Schuldenstand aus dem Jahr 2002 zu erreichen", betonte Reindl.

Abschließend zollte er jenen Schnaittenbachern Anerkennung und Dank, die sich in ein Ehrenamt einbringen, wobei er das Ehrenamt als Schlüssel eines gelingenden Zusammenlebens wertet. Dank galt auch den Gewerbetreibenden, die Reindl als Stützen der Stadt bezeichnete.

Zum elften Mal:

Pfarrers Hoffnung

Auch Pfarrer Josef Irlbacher lenkte seinen Blick auf die Kommunalwahl. Er fand es schön, dass sich auf verschiedenen Listen viele Kandidaten stellen. Er hält es für ein sehr gutes Zeichen, dass drei Bewerber das Bürgermeisteramt anstreben: „Sie zeigen so besonderes Verantwortungsbewusstsein, natürlich auch eine Portion Ehrgeiz und viel Mut, ja sogar Zivilcourage“, so der Geistliche. Er zollte allen Kandidaten für ihre Bereitschaft großen Respekt und hofft, dass das Ringen innerhalb einer Gemeinschaft mit großer Achtung voreinander geschehe. Da könne die Politik ein gutes Vorbild sein in einer wichtigen Herausforderung unserer Gesellschaft: Gegen Hass, für Respekt. „Es war mir eine Ehre“, mit diesen Worten richtete sich Irlbacher an Bürgermeister Reindl, mit dem er zum elften und letzten Mal zum Neujahrsempfang begrüßen durfte. Er wünschte besonders ihm und allen Schnaittenbachern Gottes Segen für das junge Jahr 2020.

Nach den Reden wurde der Umtrunk in großer Runde mit Sekt, O-Saft und nichtveganen Häppchen, von den Gästen angenommen.

Als Erfolgsprojekt der Stadt bezeichnete der Bürgermeister die Ehenbachtaler Blaskapelle, die zum Neujahrsempfang schwungvoll und flott aufspielte.

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