08.02.2020 - 00:01 Uhr
SchnaittenbachOberpfalz

Eine charmante Glücksbringerin

Sie steigt den Leuten aufs Dach und ist trotzdem gern gesehen: Nicole Schwarz - die erste und bis heute einzige Bezirkskaminkehrermeisterin in der Oberpfalz.

Nicole Schwarz ist die erste und bis heute einzige Bezirkskaminkehrermeisterin in der Oberpfalz. Seit 10 Jahren steigt die in Schnaittenbach wohnende Schornsteinfegerin in ihrem Kehrbezirk Hirschau den Bewohnern von ca. 1800 Haushaltungen aufs Dach. Die Kunden sind von ihr, ihrer Fachkompetenz und ihrer charmanten Art angetan.
von Werner SchulzProfil
Wenn für jemanden die lateinische Redensart „nomen est omen“ maßgeschneidert ist, dann für Nicole Schwarz. Der gebürtigen Regensburgerin steht ihr gepflegtes, schwarzes Haar genauso gut wie ihre schwarze Berufskleidung, insbesondere die Ausgehuniform mit Zylinder. Links neben ihr: Geselle Florian Fischer.

Wenn für jemanden die lateinische Redensart „nomen est omen“ geradezu maßgeschneidert ist, dann für Nicole Schwarz. Der gebürtigen Regensburgerin, die seit Mai 2018 ihren Wohn- und Dienstsitz im Schnaittenbacher Gewerbegebiet „Am Scherhübel“ hat, steht ihr gepflegtes, pechschwarzes Haar genauso gut wie ihre schwarze Berufskleidung. Wie sie auf die Idee kam, ausgerechnet einen Beruf zu erlernen, der eigentlich eine Männerdomäne ist? Ihre Eltern, so erzählt sie, haben in Regensburg das Wirtshaus Sankt Katharinenspital betrieben. Ihnen habe Kaminkehrermeister Rainer Pilz erzählt, dass er einen Lehrling sucht. Sie habe sich sofort angeboten. „Ich brauche beim Arbeiten die Bewegung und habe Spaß im Umgang mit Menschen.“ Als sie während eines Praktikums bei Kaminkehrermeister Pilz aus einer Dachluke krabbelte und ihre Heimatstadt von oben sah, war ihr Berufswunsch endgültig klar: Kaminkehrerin!

Einzige "Bevollmächtigte"

So absolvierte sie ihre dreijährige Ausbildung, anschließend ihre vierjährige Gesellenzeit, die sie 1998 mit der Meisterprüfung abschloss. Die frisch gebackene Meisterin trug sich bei der Regierung der Oberpfalz in die Bewerberliste für einen Kehrbezirk ein. Seit dem Mittelalter gelten „Schornsteinfeger“, wie der Beruf offiziell laut Handwerksordnung heißt, als Glücksbringer. Am 31. Dezember 2009 – einem Tag, an dem sich unzählige Menschen Glückssymbole wie Kaminkehrerfiguren schenken – brachte Nicole Schwarz ihre Berufswahl selber Glück. Zwölf Jahre war sie als Springerin eingesetzt und auf Platz zwei der Bewerberliste der Regierung der Oberpfalz vorgerückt, als sich in Hirschau Bezirkskaminkehrermeister Walter Wiesinger in den Ruhestand verabschiedete. Anwärter Nummer eins verzichtete und Nicole Schwarz wurde mit einem herzlichen „gut Ruß“ in den Kreis der Oberpfälzer Bezirkskaminkehrermeister aufgenommen.

Hätte Wiesinger nur einen Tag später aufgehört, hätte nicht mehr die automatische Vorrückregelung gegolten. Der Kehrbezirk wäre nach neuem Gesetz öffentlich ausgeschrieben worden – Ausgang des Verfahrens offen! Aber so wurde Nicole Schwarz die erste und bis heute „Bevollmächtigte Bezirksschornsteinfegerin“ in der Oberpfalz und eroberte so eine der letzten Männerdomänen im Regierungsbezirk. Während das Kehren seit 2013 von jedem Kaminkehrer durchgeführt werden darf, ist ausschließlich der „Bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger“ für die hoheitlichen Aufgaben zuständig, also die Feuerstättenschau, die Abnahme von Feuerstätten, Schornsteinen und Abgasleitungen.

Seit 10 Jahren kümmert sie sich – aktuell unterstützt vom Meister-Gesellen Constantin Stadter und vom Gesellen Florian Fischer – um Kamine und Heizungsanlagen in ca. 1 800 Haushaltungen im Kehrbezirk Hirschau, zu dem neben dem Stadtgebiet und den Ortsteilen (mit Ausnahme von Massenricht und Weiher) die Orte Gebenbach, Atzmannsricht, Mimbach, Mausdorf, Seugast, Groß- und Kleinschönbrunn gehören. Fünf Jahre lang tat sie das noch von Regensburg aus. 2014 zog sie nach Hirschau um, 2018 dann in ihr neues Haus in Schnaittenbach. „Dort waren die Grundstückspreise deutlich günstiger als in Hirschau!“

Glück muss man haben

Rund 40 Kunden besucht sie pro Woche. Sie steigt ihnen aufs Dach, führt Messungen an Zentralheizungen durch und erteilt als qualifizierte Energieberaterin und Brandschutztechnikerin Ratschläge. Zum allergrößten Teil haben die Kunden Ölheizungen, gefolgt von Gas- und Holz- sowie Pelletsheizungen. Das Ölheizungsverbot schreckt sie dennoch nicht. „Da ist erst einmal der Bestandschutz und Ausnahmeregelungen gibt es auch.“ Grundsätzlich findet Nicole Schwarz es gut, wenn Deutschland unabhängiger von den Ölscheichs, aber auch vom Gaslieferanten Russland wird. Ihre Meinung: „Die Tendenz sollte Richtung Pellets gehen! Das schafft Arbeitsplätze vor Ort und ist klimafreundlich.“ Ihren Kunden bescheinigt sie, in ihrer großen Mehrzahl umweltbewusst zu sein und bei ihren Heizungen auf eine gute CO²-Bilanz zu achten. Überhaupt ist Nicole Schwarz mit ihrer Kundschaft sehr zufrieden: „97 Prozent sind freundlich und aufgeschlossen, zwei Prozent sind schwierig und ein Prozent sind einfach eine Katastrophe“. Umgekehrt sind ihre Kunden von ihr, ihrer Fachkompetenz und ihrem charmanten Auftreten angetan.

Ihre knapp bemessene Freizeit verbringt Nicole Schwarz mit ihren vier Hunden Jack, Grinch (im Bild), Sandy und Wampi. Sie sind ihr Hobby

Sie macht kein Hehl daraus, dass ihr das Schornstein- und Kesselreinigen lieber ist als die Büroarbeit. Die macht sie vor allem am Wochenende. „Ich habe eine Siebentagewoche, fünf Tage bei den Kunden, zwei Tage am Schreibtisch!“ Bleibt die Frage nach der Freizeit! „Die verbringe ich hauptsächlich und sehr gerne mit meinen vier Hunden Jack, Grinch, Sandy und Wampi! Sie sind mein Hobby. Mit denen bin ich viel in der Natur unterwegs.“ Vielleicht findet sie dabei wieder ein paar vierblättrige Kleeblätter. „Ich habe sogar schon Fünf- und Sechsblättrige gefunden.“ Glück muss man halt haben, wie Nicole am 31. Dezember 2009!

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