19.10.2018 - 15:19 Uhr
SchnaittenbachOberpfalz

Doppelgarage bei Schnaittenbach zerstört Dorffrieden

Emotionen schlagen hohe Wellen, Nerven liegen blank. Genau dort, wo Haidhofer in den nahen Bürgerwald bei Schnaittenbach oder nach Forst gegangen sind, steht jetzt eine Doppelgarage im Weg. Wie kann das sein?

Die Flucht, die der Fuß- und Waldweg Richtung Bürgerwald seit Menschengedenken genommen hat, ist noch klar zu erkennen. Sie führt als Verlängerung der Stichstraße (asphaltierte Fläche im Vordergrund) zielstrebig in Richtung einer Brücke über den Ehenbach und Bürgerwald. Jetzt versperren Flatterbänder und ein massives Metalltor (im Hintergrund) den Weg. Bild: Stephan Huber
von Michael Zeissner Kontakt Profil

Jeder "Hoiderer", wie sich die Haidhofer im Dialekt selbst nennen, hat seine eigene, liebgewordene Erinnerung an diesen Weg. Am nördlichen Rand der Siedlung führt er schnurstracks in den nahen Bürgerwald und weiter nach Forst. Von regelmäßigen entspannenden Spaziergängen erzählen die Leute, von Kindheitserinnerungen ans Schlittenfahren oder der täglichen Runde mit dem Hund. Sogar ein Wanderweg mit der Nummer 25 verläuft hier. Er soll aber schon "ummarkiert" worden sein.

Der Weg ist bei entsprechendem Maßstab in jeder handelsüblichen Karte als unbefestigte Verlängerung einer von Einfamilienhäusern gesäumten Stichstraße zu finden. Rechtlich gesehen, soll es ihn aber überhaupt nicht geben. Das sei eine der diffusen bis irritierenden Auskünfte seitens der Stadtverwaltung und des Landratsamtes gewesen, empören sich etliche Haidhofer über den neuen unüberwindlichen Schlagbaum Doppelgarage. Und sie fragen sich, wie die da hinkommen konnte? Briefe haben sie deshalb dem Bürgermeister geschickt, erzählen sie, und sind mit Transparenten vor und in das Schnaittenbacher Rathaus gezogen, um bei einer Stadtratssitzung ihrem Protest Ausdruck zu verleihen. "Bitte retten Sie den Bürgerwaldweg!", "Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!", steht auf den Plakattafeln.

Metallgitterzaun mit Warntafel "Videoüberwachung"

Derweil hat sich das Bauherren-Ehepaar, das in der Haidhofer Nachbarschaft verwurzelt ist, nahezu verbarrikadiert. Ein rot-weißes Flatterband samt "Privatgrundstück - Betreten verboten!"-Schild vor der Garage ist die freundliche Version der Absperrung. Ein Metallgitterzaun mit der Warntafel "Videoüberwachung" auf der Seite gegenüber fällt deutlich martialischer aus.

Der Konflikt, erregt sich die junge Bauherrin, sei so eskaliert, dass sie sich vor den Nachbarn schützen müssten. Immer wieder hätten Haidhofer oder Fremde versucht, ihr Grundstück zu betreten oder zu überqueren. Außerdem sei das eine Baustelle, auf der niemand - und schon gar nicht Mütter mit Kindern - irgendetwas zu suchen hätten.

Der nun abgeschnittene und unpassierbare Weg sei nie öffentlich gewidmet gewesen, sondern ausschließlich ihr Grund und Boden, beharren die Bauherren. Zudem wolle keiner, dass jeder x-Beliebige einfach so mitten durch sein Grundstück laufe. "Auch die da nicht", giftet die junge Frau in Richtung ihrer Nachbarn. Nur zwei Anliegern sei ein Notwegerecht - "dafür mussten sie auch bezahlen" - eingeräumt worden, weil sie Grundstücke unterhalb des ihren besäßen.

Karteikarte aus dem Schnaittenbacher "Bestandsverzeichnis für Gemeindestraßen" soll weiterhelfen

So leicht lässt sich der verärgerte Flügel der Haidhofer nicht ins Bockshorn jagen. Justament war eine Karteikarte aus dem Schnaittenbacher "Bestandsverzeichnis für Gemeindestraßen" mit der Blatt-Nummer 73 ausgegraben worden. Dort ist ein "Bürgerwaldweg" aufgeführt. Per "Eintragungsverfügung vom 30. Mai 1962", wird als Baulastträger die Stadt Schnaittenbach benannt. In der Regel bedeutet das, dass eine öffentliche Widmung vorliegt. Der exakte Verlauf, beschrieben unter anderem per Flurnummern, ist für Außenstehende allerdings nicht eindeutig nachvollziehbar. Einfacher macht das die Sache nicht, denn das Bayerische Straßen- und Wegegesetz ist alles andere als unkompliziert.

Im Original ist diese kartonierte Karteikarte rot eingefärbt. Das heißt, der „Bürgerwaldweg“ wurde als Straße geführt. Laut Stadtverwaltung wurde sie so aber nie realisiert, weil der Grundstückseigentümer schon immer keine Flächen abgeben wollte. Bild: exb/Kopie

Bei einer Stadtratssitzung Ende September wollen sich Haidhofer Bürger, aus deren Sicht die Sperrung des Wegs nicht statthaft ist, Gehör verschaffen. Es bleibt beim Demonstrieren. Bild: exb

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Kommentare

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A Sch

Es ist traurig, das es einem jungen Paar das Leben so schwer gemacht wird. Der Bau wurde anscheinend am Landratsamt genehmigt. Andere Menschen verhungern oder Leben auf der Straße und hier wird sich wegen einem Trampelpfad aufgeregt, obwohl es genügend andere Wege zum Ziel gibt. Wie armselig doch manche Menschen sind. Ich wünsche dem Paar viel Kraft, Gute Nerven und das sie trotz allem Ihr Glück in Ihrem neuen Zuhause finden.

24.10.2018