15.11.2019 - 08:41 Uhr
SchnaittenbachOberpfalz

Helferin packt aus: Ramsch im Weihnachtspäckchen

Der "Oberknaller" in diesem Jahr: Strudelteig aus der Kühltheke. Das fand Familie Straub aus Schnaittenbach in einem Geschenkpäckchen für Weihnachten im Schuhkarton. "Es geht hier auch um die Würde eines Kindes", sagt Sara Straub.

„Die Asche meiner Mutter“, Frank McCourts Buch, entdeckte Sara Straub im vergangenen Jahr in einem Geschenkpäckchen für „Weihnachten im Schuhkarton“. Der „Spender“ hatte außerdem einen benutzten Labello eingepackt.
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Sara Straub unterstützt ihre Schwester Ulrike bei "Weihnachten im Schuhkarton", jener Hilfsaktion, die bedürftigen Kindern eine Weihnachtsfreude bereiten will. "Für viele Kinder ist es wahrscheinlich das einzige Geschenk, das sie jemals in ihrem Leben erhalten werden." Umso mehr freut es Familie Straub aus Schnaittenbach und viele andere, die diese Hilfsaktion unterstützen, wenn bedürftige Kinder zu Weihnachten mit Kuscheltiere, Süßigkeiten, Malstifte, Schokolade oder eine einer wärmenden Mütze beschenkt werden. Das Gros derer, die die Schuhkartons bestücken, stellt die Geschenkpakete liebevoll zusammen. Aber immer wieder finden die Straubs Dinge in Päckchen, die darin nichts verloren haben, sondern schlicht in den Müll gehören.

Rückblick auf die Päckchenaktion 2018

Amberg

Im Prinzip ist es ganz einfach, ein Geschenkpäckchen für "Weihnachten im Schuhkarton" zu bestücken, der Grundsatz lautet: Kuscheln, waschen, naschen. Will heißen: Die Kinder sollen mit kleinen Spielsachen, Hygieneartikeln wie Zahnbürste und Zahnpasta sowie Süßigkeiten beschenkt werden. Die Schuhkartons werden von den Befüllern mit Geschenkpapier überzogen, bestückt und hernach mit Haushaltsgummi provisorisch verschlossen und an verschiedenen Annahmestellen im Landkreis abgegeben. Unter anderem bei Ulrike Straub in Schnaittenbach.

Vieles mit Liebe gepackt

"Wir müssen jedes einzelne Paket anschauen", sagt Sara Straub. Die Mehrzahl der Päckchen ist korrekt gepackt. Sie freut sich, dass man vielen der Geschenkpakete ansieht, wie liebevoll sie gepackt wurden. Wenn obenauf ein niedlicher Plüschteddy liegt, der das Kind, das ihn zu Weihnachten bekommen wird, beim Aufpacken gleich anlächelt. "Da sieht man, dass das echt mit Liebe gepackt wird."

Sara Straub kennt aber auch andere Päckchen. Solche, deren Inhalt gleich in den Müll wandert. Wenn gebrauchte Unterhosen im Paket sind. Oder benutzte Zahnbürsten, Kinderschuhe mit Spuren des letzten Spaziergangs im Matsch. "Oder Kleidung, die definitiv nicht für Kinder ist, beispielsweise Größe 44." Letztes Jahr klaubte sie ein Buch aus einem Paket. Es war "Die Asche meiner Mutter" von Frank McCourt. An ein anderes Paket kann sie sich ebenfalls noch gut erinnern, es beinhaltete gerahmte Heiligenbildchen und eine Kassette mit Kreuzwegliedern von 1994. "Das hat nach Haushaltsauflösung ausgeschaut."

Einmal wurde ein Schuhkarton voller Walnüsse abgegeben, heuer befand sich in einem der abgegebenen Päckchen ein Strudelteig aus dem Kühlregal. "Da hat der Karton schon zu müffeln begonnen." In einem anderen waren Konservendosen mit Königsberger Klopsen, seit zwei Jahren abgelaufen.

"Wenn es um die eigenen Kinder gehen würde, würde das keiner seinem Kind schenken wollen", appelliert Sara Straub an die Menschen, derlei Müll nicht in die Päckchen zu tun. "Es geht dabei auch um die Würde von Kindern", betont sie. "Für die Kinder, die diese Pakete bekommen, ist das vielleicht das einzige Geschenk, das sie in ihrem Leben bekommen." Es könne kein Kind etwas dafür, dass es arm geboren werde, sagt die Schnaittenbacherin. Mit dem Päckchen bekämen diese Menschen das Gefühl vermittelt, wertvoll zu sein, dass jemand an sie denke und sie beschenke. Gut vier Säcke voller Müll kommen jedes Jahr zusammen, die Familie Straub entsorgen muss, weil der Inhalt von Päckchen "so gruselig ist". In einen Block, der sich vor Jahren in einem Päckchen befand, war ein Testament gerutscht. Der Erblasser wollte nicht etwa einem armen Kind seinen Besitz vermachen, vielmehr war sein Sohn als alleiniger Erbe des Hab und Guts aufgeführt. Sehr makaber fand Sara Straub auch ein Werbegeschenk, das jemand in ein Paket gegeben hatte: einen Notizblock eines Bestatters.

Ersatzkartons befüllen

Dank der Geldspenden, die die Hilfsaktion bekommt, können in den Fällen, in denen der Inhalt nur Müll ist, neue Päckchen gepackt werden. Die Straubs haben Ersatzkartons zur Hand, die sie selbst mit Geschenkpapier überziehen. "Damit fängt meine Mama immer im August an." Sie wünscht sich, dass künftig, diejenigen, die achtlos Unbrauchbares ins Päckchen tun, ihren Appell beherzigen.

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