18.09.2018 - 14:27 Uhr
SchnaittenbachOberpfalz

Heute wohnen Menschen dort

Über eineinhalb Jahrhunderte lang hat die Kaolinindustrie der Stadt Schnaittenbach den Stempel aufgedrückt und das Leben der Leute geprägt. Viele Veränderungen ihres Lebensraumes erlebten die Bewohner in dieser Zeit.

Beim Kaolinabbau in den 50er Jahren in der Schnaittenbacher Grube kamen schon sehr bald Seilbagger zum Einsatz.
von Markus NaglerProfil

Bei den diesjährigen Heimat- und Kulturtagen wurde Historie des Kaolinbergbaus thematisiert. "Wir haben Industrie am Ort, die vielen Familien Lohn und Brot bietet", sagte Bürgermeister Sepp Reindl zur Eröffnung und ging auf den Ruf nach mehr Industrie ein, der immer wieder vernehmbar sei. Er griff Schlagworte wie Flächenausweitung, Rekultivierung Werksrückbau Umweltschutz und Geopark auf, die ohne die Kaolinindustrie kaum Bedeutung bei den hier lebenden Menschen erlangt hätte.

Einst Kaolin abgebaut

Die Veränderungen würden am wieder verfüllten Ostfeld 1 am deutlichsten: "Wo einst Landwirtschaft betrieben, dann Kaolin abgebaut wurde, haben jetzt Menschen ihre Häuser hin gebaut und wohnen dort", brachte es der Bürgermeister auf den Punkt.

Hirschaus ehemaliger Bürgermeister Hans Drexler ging auf die Kaolinstädtepartnerschaft ein. "Natürlich haben wir sie 2003 ins Leben gerufen, um an Fördergelder ranzukommen", erläuterte er die Beweggründe dafür, vergaß aber nicht, welche positive Aspekte der grenzüberschreitende Austausch gebracht habe.

Bernhard Neudecker, sein Nachfolger als Werksleiter bei AKW-Kick, dankte dem Arbeitskreis, dieses Thema aufgegriffen zu haben. Gerne habe man mitgeholfen: "Wir haben gleich damit begonnen und in unseren Archiven gewühlt, um die Ausstellung entsprechend zu bereichern." Sein Blick ging auf das Schnaittenbacher Werk. Derzeit sei der Rückbau im vollen Gange und in wenigen Monaten werde es endgültig Geschichte sein. Ursprünglich sei geplant gewesen, dass auf Schnaittenbacher Boden keine Produktionsstätten mehr errichtet und nur noch Roherde abgebaut werde. Veränderte Rahmenbedingungen und eine wirtschaftliche Neubetrachtung hätten dann dazu geführt, das neue Sandwerk in der Grube zu errichten.

Mit dem neuen Werk habe man auch das Ziel verfolgt, dass keine überschüssigen Mineralen mehr auf Halde gehen. "Die Reduzierung der Roherde auf das Maß der Mineralien, die verkauft werden können, führte zu einem um ein Drittel verringerten Roherdebedarf." Was eine Perspektive für die nächsten 40 Jahre gebe. Auch habe man die Technologie weiter entwickelt und nutze beispielsweise die Schwerkraft beim Materialtransport. Lärm und Staub seien zudem stark reduziert worden und Grenzwerte würden deutlich unterschritten.

Kick als Gründer

Arbeitskreissprecher Heinz Steinkohl beleuchtete die Historie und legte dar, dass Eduard Kick als Begründer der Kaolinindustrie bezeichnet werden dürfe. In den Jahren zuvor sei aber schon durch Karl Martin und Josef Konstantin Dorfner eine Kaolinschlämme betrieben worden, um an Rohmaterial für die eigene Steingutfabrik zu gelangen. Weitere Pioniere des Kaolinbergbaus waren Hermann Dorfner und Georg Schiffer. Schließlich ging er auf die soziale Verantwortung der Betriebe ein, welche immer noch gelebt werde. Auch der Fachkräftenachwuchs werde im eigenen Werk ausgebildet.

Die Ausstellung im Kulturstadl kann noch am Samstag, 22. September, von 17 bis 19 Uhr und am Sonntag, 23. September, von 14 bis 18 Uhr besucht werden. Weiter sind Interessierte zu einem Gesprächskreis über die Arbeitswelt in früheren Zeiten eingeladen. Der ehemalige Werksleiter der Firma Dorfner, Manfred Bergmann und Manfred Weninger, ehemaliger Laborleiter der Firma AKW-Kick berichten am Samstag um 19.30 Uhr im Kulturstadl von der Veränderungen der Arbeitswelt in den vergangenen Jahrzehnten.

Für die Schnaittenbacher war die Schlemm - so wurde das Kaolinwerk im Volksmund genannt - über Jahrzehnte der wichtigste Arbeitgeber am Ort.

Arbeitskreissprecher Heinz Steinkohl informierte Besucher über die Historie der Kaolinindustrie.

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