16.04.2020 - 10:18 Uhr
SchnaittenbachOberpfalz

Josef Reindl 18 Jahre Erster Bürgermeister

2002 donnerten noch rund 5000 Lastwagen pro Tag durch Schnaittenbach. Karl Färber war Bürgermeister (seit 1984) und Josef Reindl noch Banker. Aber seit 1987 auch CSU-Stadtrat und dann per Stichwahl (gegen Rudolf Bergmann) Bürgermeister.

Nach 18 Jahren Erster Bürgermeister in 'Schnaittenbach zieht sich Josef Reindl zurück und macht Platz für seinen Nachfolger Marcus Eichenmüller.
von Klaus HöglProfil

Das ist jetzt 18 Jahre her, Reindl ist immer noch Erster Bürgermeister, seine Zeit als „Regierender“ ist ab Mai 2020 vorbei – aus Eigeninitiative. Josef Reindl räumt im Mai seinen (Büro-) Stuhl, sein Platz ist dann künftig zehn Meter weiter: eingerahmt in der Ahnengalerie im 1. Stock des Rathauses. Er wird neben seinen Vorgängern Hans Hofmeister (1972-1984) und Karl Färber (1984 bis 2002) einen bleibenden Platz an der Wandtäfelung finden.

Aber nicht nur, denn nach 18 Jahren Bürgermeister ist man nie ganz „weg“ , aber mehr mit der Familie, Enkel unterwegs, an seinem Weiher, im Holz, Garten zu sehen. Feuerwehr, Vereine gibt`s weiter, „Und die Politik, die hört aber rauch nicht ganz auf“ sagt er „ich bin ja noch im Kreistag politisch eingebunden“. Josef Reindl kam 2002 per Stichwahl, Reindl geht nach Stichwahl, diesmal allerdings nur indirekt. Denn Marcus Eichenmüller (CSU) hat sich im auch im 2. Durchgang durchgesetzt, gegen Uwe Bergmann (SPD) dessen Vater Rudolf eben 2002 gegen Josef Reindl unterlegen ist.

Die Last des Amtes wog schwer auf den Schultern, dabei hatte Reindl, wie er sagte, das Glück „stets auf eine funktionierende Verwaltung bauen zu können, deren Unterstützung man unbedingt braucht. Auch für seine verschiedenen Stadtrats-Gremien hat Reindl bilanzierend durchaus Lobendes parat, das ist nach 18 Jahren so selbstverständlich nicht. „Die 18jährige Arbeit im Stadtrat war natürlich oft auch Belastung, aber der Stadtrat hatte bei allen auseinandergehenden Meinungen, verschiedenen Ansichten und Diskussionen immer das Beste für die Stadt Schnaittenbach im Sinn und dann auch so gehandelt“. Freilich: Bei seinem Amtsantritt, da sei die Politik erheblich intensiver geführt worden, da gab es anfangs durchaus persönliche Angriffe, politische Auseinandersetzungen. Aber, so sagt Reindl: „Die zur Ordnung rufende Sitzungsglocke habe ich nie gebraucht. Im Vergleich zum Beginn im Rathaus ist „das Anspruchsdenken der Menschen bis in die heutigen Tage gestiegen, es wird viel gefordert, die Mitteln des Forderns sind anders geworden ohne dass ich jetzt von Repressalien sprechen will“.

Andrerseits könne man wie damals auch durchaus noch das Ehrenamt abrufen, sei es bei der FFW oder bei den Sportvereinen“. Und: „Die Jugend von heute will nicht mehr ein Vorstandsamt auf sechs Jahre übernehmen, ist aber für projektbezogene Arbeit durchaus zu begeistern.“ Es gibt, findet Reindl „ auch viele rüstige Rentner die immer noch was tun und mit anpacken“.

Der Rückhalt der Familie ist für ihn „unabdingbar“ wenn man so einen Chefsessel im Rathaus besetzt, eine 18jährige Bürgermeisterzeit geht dann auch nicht spurlos vorüber: „Je älter man wird, sagt der 61-jährige Noch-Bürgermeister, „desto mehr braucht man Körner bei gleicher Leistung, es werden die Erholungsphasen länger“, bekundet Reindl mit dem Zusatz: „Aber man hat keine Chance die Erholungsphasen zu holen. Man müsse die Freizeit dem Amt unterordnen und, so weiß er jetzt aus langjähriger Erfahrung: „Wenn Du nach zwei Monaten Amtszeit feststellst, ich will nicht auf jedes Fest oder Veranstaltung, hast´ verloren“.

Reindl hat versucht so oft wie möglich „unter Leuten zu sein“ manchmal hat es aber auch bittere Stunden gegeben erinnerte sich Reindl. „Sehr belastend für mich“ war seinerzeit die Situation um den Bürgerentscheid Bebauungsplan Biogasanlage in Döswitz („der Abend war damals spannender als jede Kommunalwahl“) die aber dann zuguterletzt doch gebaut wurde. Die „Geschichte um die Bürgerenergiegenossenschaft die nicht funktioniert hat“ habe ihm stark zugesetzt, zuletzt die bezichtigende Situation aus jüngster Zeit um die Wegesituation Haidhof, da sei er immer noch „guter Hoffnung, dass das ordnungsgemäß zu Ende geht.“

Der emotionalste Höhepunkt seiner Amtszeit sei zusammen mit den Hirschauern der Christbaumtransport 2015 zum Petersplatz in Rom gewesen, sehr wichtig war die interkommunale Zusammenarbeit mit der AOVE mit all den Unterpunkten – aber: „Es gibt nicht nur ein Highlight, da gab es schon mehrere“ sagt Reindl ohne ins Detail zu geben.

Weggefährten bestätigen Josef Reindl, dass „Schnaittenbach gerüstet ist für die Zukunft was die gesamte und intakte Infrastruktur incl. Schulen betrifft, Reindl selbst kann retrospektiv mit Fug und Recht sagen dass er „eine Stadt übergeben wird, die absolut geordnete Verhältnisse sowohl im Bereich der Verwaltung als auch bei den finanziellen Verhältnissen vorweisen kann“. Der Schuldenstand der Stadt von heute sei identisch mit dem vor 18 Jahren, aber mittlerweile wurden eine Fülle von Maßnahmen für die Stadt in Angriff genommen und auch fertig gestellt“. Insgesamt wird Reindl also gute Zensuren mit in den Ruhestand nehmen können. Schnaittenbach ist nach wie vor am aufsteigenden Ast und leicht fällt Reindl der Abschied nicht: Ob er nochmal als Bürgermeister antreten würde wurde er gefragt. Die Antwort kam prompt: „Ja das würde ich, es war eine belastende aber auch erfüllte Zeit“.

Rechts neben seinen Vorgängern Hofmeister und Karl Färber (rechtes Bild) wird künftig Josef Reindl seinen Stammplatz haben.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.