01.07.2020 - 13:53 Uhr
SchnaittenbachOberpfalz

Jubiläum einmal anders bei der Grund- und Mittelschule Schnaittenbach

Ein Schulhaus wird 50 – und das Coronavirus feiert mit. Statt Zirkusshow und Tanzparade zeigt eine große digitale Gratulationsrunde, dass „Schule (und feiern) daheim“ ganz anders, aber trotzdem funktionieren kann.

Heute steht den Schnaittenbachern an der Amberger Straße ein modernes, lichtdurchflutetes Schulhaus zur Verfügung. Vor 50 Jahren wurde der Grundbau feierlich eingeweiht und über die Jahre modernisiert.
von Tatiana SichelstielProfil

Bei der feierlichen Einweihung am 29. Juni 1970 hatte sich in Schnaittenbach keiner vorstellen können, wie anno 2020 gefeiert werden würde. Damals ging es erst einmal darum, der stetig wachsenden Schulgemeinschaft angemessene Räume zur Verfügung zu stellen. Das alte Schulhaus „Auf der Loh“ hatte endlich ausgedient und wich dem heutigen Seniorenheim Evergreen.

Die neuen, angemessenen Räume haben in den vergangenen 50 Jahren einen enormen Wandel erlebt. Verschiedene Schulleiter, wechselnde Schüler und nicht zuletzt ein sehr andere Herangehensweise an das Thema Wissensvermittlung allgemein. Den braven Schüler, der über seinem Buch hockt und stur auswendig lernt, sehen die mittelalten Schnaittenbacher Schulmauern heute selten. Wenn sie denn überhaupt Schüler sehen, in Zeiten der Pandemie-Beschränkungen. Der Geburtstag des Schulhauses an der Amberger Straße kam da zur absoluten Unzeit.

Das Kollegium nebst Schulleitung musste sich also nicht nur in Sachen Home-Schooling etwas einfallen lassen. Neben der zunehmend digitalen Versorgung der Schüler mit regelmäßigen Videobotschaften und -Klassentreffen, selbst gemachten Lernvideos, einer eigens erstellten Plattform mit Ideen gegen Langeweile und sogar Mitmachaktionen wie Schulsingen per Videobeitrag musste auch noch das Schulfest umgeplant werden. Alle sollten mitmachen können, und das Ergebnis durfte nicht einfach so verschwinden.

Schule erhält ganz besondere Auszeichnung

Schnaittenbach

So entstand die Idee, den Schülern eine Foto-Aufgabe zu stellen. Sie sollten ein Bild von sich und der Zahl 50 an die Schule schicken. Über 100 kreative Fotos gingen schließlich ein. Die Kinder legten die 50 mit Blumen, Flaschen, Wäscheklammern oder Büchern, malten sie auf Plakate oder Straßenbeläge, formten sie aus Hefeteig oder aufgeblasenen Luftballons. Aus all diesen Bildern wurde eine große Fotocollage zusammengestellt, die nun das Schulhaus ziert. Viele Schüler, die noch nicht wieder in den Präsenzunterricht zurückgekehrt waren, schrieben Briefe und Grußkarten an die Schule und gratulierten

Bei so viel Engagement für die Schule wollten auch die Lehrkräfte nicht zurückstehen. Sie studierten einen Geburtstagstanz ein und überraschten die Schüler mit einem Tanzvideo. Für Interessierte sind die Schnaittenbacher „Happy-Birthday-Dancers“ auf der Homepage der Schule zu finden. Auch der Elternbeirat gratulierte gänzlich virtuell mit einer Collage an Schülerbildern, die alles, was ihnen an der Schule gefällt, aufgeschrieben hatten.

Das nun 50 Jahre alte Schulhaus Schnaittenbach darf sich angesichts der vielen kreativen und zeitgemäßen Ideen, die durch seine Schulflure geistern, sicher noch auf einiges gefasst machen. Fest steht aber für alle, dass eines trotz aller Digitalisierung und Homeschooling-Ideen absolut fehlt: Leben in der Bude.

Gratulationen, die bleiben: Eine Auswahl der eingesendeten Fotos, die die Schüler anlässlich des Schulhaus-Geburtstags eingesendet haben, kann nun jeder im Schulgebäude auf diesem großen Poster bewundern.
Alles muss raus: Als 2003 die Grundschüler ins neue Gebäude an der Amberger Straße zogen, kamen natürlich auch sämtliche Unterrichtsgegenstände mit - und seien es ausgestopfte Waldtiere.
Geschichte der Schule Schnaittenbach:

In Schnaittenbach startete eine Art Schulbetrieb vermutlich schon zu Beginn des 13. Jahrhunderts mit einer Pfarrschule. Über die Jahrhunderte wurde diese Einrichtung aufrechterhalten, auch wenn man mit den Lehrern dort nicht immer zufrieden war. So war in einem Bericht aus dem Jahr 1817 von einer „grenzenlos verwahrlosten Volksschule, die einer ganz neuen Organisation bedarf,“ die Rede. Die bekam sie dann auch, in Form eines einzigen (!) neuen Zimmers für 120 Schüler nebst Lehrer, der dort auch noch wohnte.

Es folgten die Armen Schulschwestern, die in teils neu errichteten Gebäuden Mädchen unterrichteten und auch eine „Kleinkinderbewahranstalt“ führten. Zu Zeiten des Nationalsozialismus wurden 1937 alle Schulschwestern entlassen, so dass nur noch weltliche Lehrer dort tätig waren.

Im Februar 1945 wurden die Räume der Schule für Flüchtlinge benötigt. Und da nach dem Einmarsch der Amerikaner alle NSDAP-Mitglieder aus dem Schuldienst entfernt wurden, nahm man erst am 1. Oktober 1945 den Schulbetrieb wieder auf und stellte die Schulschwestern wieder ein. 1950 wurde die seit 1937 unter einer Leitung vereinigte Volksschule Schnaittenbach erneut in eine Knaben-  und eine Mädchenschule mit jeweils eigener Leitung getrennt, 1969 aber wieder als Volksschule Schnaittenbach vereinigt.

Seit Oktober 1949 fand im Schulhaus „An der Loh“ der Unterricht statt. Bis 2003 beherbergte das Gebäude die zu Schnaittenbach gehörenden Grundschulkinder. 1964/65 entstand an der Amberger Straße eine Turnhalle mit Nebenräumen. Dort wurde auch ein Schulhaus mit sechs Klassenzimmern und Nebenräumen gebaut. Am 29. Juni 1970 wurde dieses Schulhaus seiner Bestimmung übergeben. Nach einigen Erweiterungen und Renovierungsmaßnahmen zogen 2003 endgültig alle Schnaittenbacher Klassen in das Schulhaus an der Amberger Straße um. Seit 1. August 2010 gibt es organisatorisch zwei Schulen in Schnaittenbach, nämlich die Grundschule und die Mittelschule unter der Gesamtleitung von Michaela Bergmann. (tat)

Homepage der Schule (Tanzvideo der Lehrer)

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