17.03.2020 - 15:47 Uhr
SchnaittenbachOberpfalz

Lebenslange Aufgabe für Hund und Herrchen

Die Erziehung eines Hundes ist nie beendet. Damit das Tier das Gelernte nicht vergisst, müssen die eingeübten Muster beibehalten werden. Hundeerzieherin Alexandra Weidisch hat die fünf goldenen Regeln.

Bettelt der Hund noch oder hat er den Tisch schon übernommen?
von Adele SchützProfil

"Ach, wenn er nur ein bisschen besser hören würde." Ein Seufzer der so manchem Hundebesitzer sicherlich des Öfteren über die Lippen kommt. Der Hund ist beliebtes Familienmitglied, Freizeitpartner und Freund des Menschen. Damit beide möglichst viel Spaß miteinander haben und in Harmonie leben, ist eine gute Hundeerziehung das A und O. Die dient aber auch der Sicherheit von Zwei- und Vierbeiner.

"Das Leben ist mit einem gut erzogenen Hund einfacher. Man kann ihn nicht nur überallhin mitnehmen, sondern durch die Kommandos ist der Hund auch körperlich und geistig beschäftigt, so dass keine Langeweile bei ihm aufkommt", weiß die ausgebildete, mobile Hundeerzieherin und Vorsitzende des Gebrauchshundevereins Schnaittenbach, Alexandra Weidisch.

Ihr ist bewusst, dass der Traum jedes Hundebesitzers ein wohlerzogener, gut hörender Hund ist - und das ohne viel Aufwand. "In der Realität ist Hundeerziehung allerdings eine lebenslange Aufgabe, die sich zudem je nach Lebensalter, Rasse und Umfeld des Hundes unterscheidet", macht Weidisch bewusst. Nicht jeder habe die Möglichkeit, seinen Hund vom Welpenalter an zu trainieren. Nicht jeder Hund habe in der so wichtigen Sozialisationsphase all das erlebt, was notwendig sei, um ein ausgeglichenes Tier zu werden. Nicht jeder Hundebesitzer habe die Möglichkeit, regelmäßig eine Hundeschule zu besuchen.

Sie verrät Tipps, damit das Miteinander von Mensch und Hund zum Vergnügen für beide wird. "Die zuverlässige Kontrollierbarkeit des Hundes auf der Basis gegenseitigen Vertrauens ist Ziel der Hundeerziehung. Sie gewährt dem Hund ein Maximum an Freiheit und Lebensfreude und nicht zuletzt dem Hundehalter ein gutes und zufriedenes Gefühl im Umgang mit dem vierbeinigen Familienmitglied", betont sie.

Ein Hund gelte als gut erzogen, wenn er den persönlichen Ansprüchen des Halters genüge, die sehr unterschiedlich sein könnten. Die Ansprüche seitens der Öffentlichkeit dagegen beschränkten sich darauf, dass der Hund weder Menschen noch andere Tiere belästigt. "Nett" oder "gut erzogen" sind für Weidisch deshalb Wortspielereien. Sie habe die Erfahrung gemacht, dass der Hund sowohl den Ansprüchen des Besitzers als auch denen der Öffentlichkeit gerecht werden müsse. Sie rät deshalb: "Schnell mit der Erziehung beginnen." Hunde müssten schon im frühen Welpenalter die ersten Regeln beigebracht bekommen.

"Regeln, die schon früh eingeübt werden, sind wesentlich fester im Bewusstsein des Hundes verankert als Dinge, die später erst antrainiert werden oder sogar wieder abtrainiert werden müssen." Trotzdem sei ein Hund in jedem Alter "erziehungsfähig". Grundsätzlich sei es nötig, bei der Hundeerziehung konsequent zu bleiben. Jede Erziehung, egal welcher Methode, funktioniere nur durch Konsequenz und Beständigkeit. Damit das Tier das Gelernte nicht verlerne, sollten die eingeübten Muster immer beibehalten werden. Häufig sei es der Fall, dass Frauchen und Herrchen am Anfang sehr konsequent einen Plan verfolgten. Mit zunehmendem Alter des Tieres nehme auch die Beständigkeit in der Erziehung ab. Hunde seien allerdings wie Menschen. "Sie verlernen Dinge auch wieder." So werde der Hund auch irgendwann etwas nicht mehr machen, was er konnte, wenn er nicht regelmäßig weiter trainiert werde. Das Gleiche passiere, wenn das Tier zu häufig belohnt werde. Die Folge sei, dass ohne Belohnung fast gar nichts mehr passiere.

"Regeln machen das Leben einfacher", garantiert Alexandra Weidisch. So gehörten Regeln auch zu einer guten und erfolgreichen Hundeerziehung. "Damit der Vierbeiner die fünf goldenen Regeln der Hundeerziehung auch umzusetzen weiß, muss der Besitzer diese natürlich mit ihm trainieren", ermuntert die Fachfrau.

Regel 1:

Fleißig mit dem Hund trainieren. Hunde seien Lebewesen, die genauso einen Lernprozess durchlaufen, wie auch der Mensch. "Wie oft habe ich schon den Satz gehört: Der lernt das nie." Doch der Grund dafür ist meistens das Herrchen. Mit regelmäßigem Training stärkt man nicht nur das Vertrauen und die Bindung zwischen Mensch und Hund. Es dient auch zur Festigung von bereits gelerntem Wissen. Nur wer seinem Hund die Chance gibt, seine Fähigkeiten durch regelmäßiges Hundetraining auszubauen, wird auf Dauer in der Hundeerziehung erfolgreich sein.

Regel 2:

Nichts durchgehen lassen. "Ja, Hunde können echt süß sein. Dieser Faktor sollte aber nicht der Grund dafür sein, in der Erziehung die ein oder andere ,kleine Sache' durchgehen zu lassen."

Mit konsequentem Verhalten in der Hundeerziehung, ist man für seinen Vierbeiner der Fels in der Brandung. Denn hierdurch lernt er, dass jedes Verhalten auch eine Auswirkung hat oder zu Problemen führen kann. Als Hundeführer strahlt man damit Sicherheit aus. Der Hund wird sich verstärkt an seinem Besitzer orientieren und positiv entwickeln.

Regel 3:

Niemals Gewalt anwenden. "Das Wichtigste zwischen Hund und Mensch ist Vertrauen!" Mit Gewalt wird man in der Hundeerziehung niemals weit kommen, geschweige denn erfolgreich sein. "Jeder Hund muss Spaß dabei haben, mit seinem Herrchen bedenkenlos trainieren und dabei neue Tricks und Übungen erlernen zu können." Es mache keinen Sinn, Gehorsamkeit oder ein bestimmtes Verhalten mit Gewalt erzwingen zu wollen. "Gewalt bewirkt nur ein Gefühl, nämlich Angst." Mit Angst werde der Hund niemals lernen, worum es seinem Herrchen eigentlich geht und was Hundeerziehung bedeutet. Ein "falsch" oder "richtig" lasse sich sehr gut mit Körpersprache und Gestik ausdrücken. "Hunde erkennen so auch ohne Gewalt sehr schnell, was ihr Herrchen erwartet."

Regel 4:

Niemals den Hund mit einem Menschen verwechseln. "Ein Hund gehört ganz klar zur Familie und ist für viele wie ein Kind. Dennoch vergessen einige Hundehalter auch, dass der Hund trotzdem ein Tier ist." Eine artgerechte Hundeerziehung sollte deshalb das A und O sein. Des Weiteren dürfen die Bedürfnisse, die ein Hund hat, nicht einfach übergangen werden.

Die Kommunikation mit dem Hund kann man am besten mittels Hundetraining einüben. Das gibt die Möglichkeit, den Hund und sein Verhalten verstehen zu lernen. Genauso lernt der Hund, sich auf den Menschen und sein Verhalten einzustellen. "Und so könnt ihr trotz der unterschiedlichen Sprache aufeinander Rücksicht nehmen und kommunizieren, ohne dass der Hund dabei zu sehr vermenschlicht wird."

Regel 5:

Keine Langeweile aufkommen lassen. "Hunde wollen beschäftigt werden." Manchmal knabbern Hunde vor lauter Langweile sogar die Möbel an. Deshalb sei es wichtig, dass der Hund regelmäßig beschäftigt und ihm genug Auslauf angeboten wird. "Beschäftigung kann in jeglicher Form erfolgen, auch mit Hundetraining." Aber auch geeignetes Spielzeug, das den Hund sowohl körperlich als auch geistig fordert, sei für eine gute Auslastung optimal. Je nach Größe des Hundes spiele natürlich auch der Auslauf eine Rolle. "Kleine Hunde benötigen deutlich weniger Auslauf, damit sie ihre Energie komplett freisetzen können. Große Hunde brauchen weitaus mehr Zeit, um sich auszupowern."

Fazit: "Es gibt zahlreiche Faktoren in der Hundeerziehung, die auf den Hundehalter zukommen", so Alexandra Weidisch. "Im Laufe der Zeit wird der Hund mit Sicherheit auch mehr lernen und umsetzen, als die fünf goldenen Regeln. Doch mit einem regelmäßigen und gut geplanten Hundetraining, wird sich die Erziehung des Hundes deutlich erleichtern."

Gegenseitiges Vertrauen ist wichtig.
Auch im Straßenverkehr ist eine gute Erziehung unumgänglich. Das bringt Sicherheit für Besitzer und Hund.
Für eine gute Beziehung zwischen Mensch und Hund braucht es Zeit, Liebe und Verstand. Alexandra Weidisch weiß, wie das funktioniert.

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