23.07.2019 - 15:51 Uhr
SchnaittenbachOberpfalz

Neuer Wind weht durch Forst

Über 24 000 Hektar Fläche erstreckt sich der Zuständigkeitsbereich des Forstbetriebs Schnaittenbach. Dieser bekommt ab 1. August mit Philipp Bahnmüller einen neuen Leiter. Rudolf Zwicknagl wechselt in seine Heimat zum Forstbetrieb Roding.

Von links: Philipp Bahnmüller, Martin Neumeyer, Rudolf Zwicknagl, Landrat Andreas Meier und Schnaittenbachs 1. Bürgermeister Sepp Reindl.
von Autor GFProfil

In das Vitusheim hatten die Bayerischen Staatsforsten eingeladen, einmal zur Verabschiedung von Rudolf Zwicknagl, der die letzten drei Jahre den Forstbetrieb geleitet hat, aber auch zur Amtseinführung von Philipp Bahnmüller, der seinen Dienst in Schnaittenbach zum 1. August antreten wird.

Martin Neumeyer, Vorstandsvorsitzender der Staatsforsten meinte, dass viele in unserem Land Verantwortung für die Natur übernommen hätten, sei es der Bund Naturschutz, der Fischereiverband, Jäger oder auch Forstmitarbeiter. Über Bereiche von fünf Landkreisen der nördlichen Oberpfalz erstrecke sich der Bereich des Forstbetriebs Schnaittenbach, zu 88 Prozent mit Nadel-, zu zwölf mit Laubwald bewachsen. Dieses Gebiet habe auch einen hohen Naturschutzstandard: Hier leben Großvögel wie Fisch- oder Seeadler, Kraniche und der Schwarzstorch.

Größtes Erbe

Wüchsig sei dieser Staatswald, aus dem jährlich 5,6 Millionen Festmeter Holz geschlagen werden. Dennoch betrage der jährliche Zuwachs 182 000 Festmeter. Holznutzung im Bau sei ein Beitrag zum Klimaschutz, daher sei der Wald zu erhalten, oder wie sich Ministerpräsident Markus Söder ausgedrückt habe, der Wald sei unser größtes Erbe. Zu Spannungen komme es, wenn Wald für wirtschaftliche Zwecke gerodet wird.

"Wir müssen unser Waldmanagement effizienter gestalten", so Neumeyer, "bei den Baumarten umdenken und die Mischwälder aufstocken, um den Wald gesund zu erhalten." Rudolf Zwicknagl habe hier in Schnaittenbach seine Aufgabe unkonventionell, aber effektiv erfüllt, betonte der Vorstandsvorsitzend, Er habe hier ein neues Jagdmanagement eingeführt.

Nur die Besten

Schnaittenbach bekomme nur die besten Mitarbeiter, so Martin Neumeyer. Das galt für Zwicknagl, aber auch für seinen Nachfolger Philipp Bahnmüller, mit dem er die letzten Jahre bereits eng zusammengearbeitet habe. Bahnmüller sei ein Macher, höre zu, bilde sich eine Meinung und setzte die dann auch konsequent um.

Andreas Meier. Landrat des Landkreises Neustadt betonte, dass der Klimaschutz Politik und Forstverwaltung verbinde. Viele Probleme konnten dank guter Kontakte auf "kleinem Dienstweg" abgearbeitet werden.

Viele Themen hätten ihn bewegt, so Zwicknagl, etwa der Waldflächenverbrauch für Industrie- und Gewerbeflächen, Sandabbau oder Wohnbau. Nur müsse stets der richtige Spagat zwischen Wald und wirtschaftlicher Entwicklung gefunden werden. Auch Wald und Jagd müsse in Einklang gebracht werden. Als er nach Schnaittenbach wechselte, habe er hier gute Naturschutzarbeit vorgefunden.

Sein praktisches-forstliches Wissen sei vielleicht etwas eingerostet, räumte Philipp Bahnmüller ein. Denn sein Traumberuf Forstamtsleiter sei durch Tätigkeiten in Papier-, Energie- und Chemieunternehmen etwas in den Hintergrund gerückt. Ab nächsten Monat aber werde sein Traum wahr, wenn er den Forstbetrieb Schnaittenbach übernehme.

Zedern und Baumhasel

Bahnmüller betonte, dass ein schonender Umgang mit Waldflächen unumgänglich sei, denn vor dem Hintergrund eines fortschreitenden Klimawandels gewinne unser Wald immer mehr an Bedeutung. Im Bereich des Forstbetriebs seien bereits Pilot-Pflanzungen mit der nordafrikanischen Atlaszeder gestartet worden, auch Libanonzeder oder Baumhasel seien Sorten, die den auf 50 oder 100 Jahre prognostizierten Klimabedingungen trotzen können. Bahnmüller kann sich ein "grünes Klassenzimmer" vorstellen. Ohne Wald keine Jagd, aber handwerklich tadellos, tierschutz- und waidgerecht müsse sie sein.

Philipp Bahnmüller:

Der 41-jährige Rheinländer studierte in Freiburg Forstwissenschaften, war dann bei einer Kommunikationsagentur tätig, die auch Öffentlichkeitsarbeit eines Holzabsatzfonds betreute. Ab 2007 leitete Bahnmüller die Öffentlichkeitsarbeit des größten deutschen Forstzertifizierers PEFC, nach dessen Kriterien auch der bayerische Staatswald zertifiziert ist und 2013 wechselte Bahnmüller zu den Bayerischen Staatsforsten, leitete die Unternehmenskommunikation, war auch Pressesprecher. Philipp Bahnmüller ist verheiratet und hat vier Kinder.

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