Schnaittenbach
24.10.2024 - 13:29 Uhr
OnetzPlus

Neues AKW-Werk in Schnaittenbach: Sorgen wegen Lärm und Verkehr bleiben bestehen

Mit einem Bürgerinformationsabend in Schnaittenbach haben die Amberger Kaolinwerke versucht, die Sorgen der Bürger vor mehr Verkehr und Lärm mit dem geplanten Werksneubau auszuräumen. Das scheint nicht ganz funktioniert zu haben.

Die grün eingefärbten Bereiche sind die, um die das bestehende Sand- und Kieswerk erweitert werden soll. Zentral ist das rechteckige Gebäude vor dem jetzigen Werk, in dem Feldspat und Quarz weiter voneinander getrennt werden. Grafik: Amberger Kaolinwerke/exb
Die grün eingefärbten Bereiche sind die, um die das bestehende Sand- und Kieswerk erweitert werden soll. Zentral ist das rechteckige Gebäude vor dem jetzigen Werk, in dem Feldspat und Quarz weiter voneinander getrennt werden.

Die Amberger Kaolinwerke wollen im Bereich Schnaittenbach ein neues Werk bauen. Sollten die Pläne, die am Dienstagabend im Vitusheim in Schnaittenbach der Öffentlichkeit vorgestellt wurden, tatsächlich so funktionieren, wie sich die Verantwortlichen der AKW das vorstellen, dann könnte es bereits Anfang 2027 in Betrieb gehen.

Allerdings gehen die Meinungen zwischen Werksleitung, der Kommunalpolitik und den Bürgern darüber auseinander, inwiefern die Pläne sozialverträglich und eben keine zusätzliche Belastung der Anwohner darstellen. Auf der einen Seite ist da Matthias Kick, der Werkleiter des Doppelstandorts Hirschau/Schnaittenbach, der davon überzeugt ist, dass die Pläne auf einem sehr guten Weg sind. Wie er gegenüber Oberpfalz-Medien sagte, hat sich das Unternehmen im Genehmigungsverfahren an eine Vielzahl von Gutachten zu halten, um das neue Werk bauen zu können. Die drehen sich um Lärm-, Immissions-, Verkehrs-, Umwelt- und Naturschutz, um nur einige zu nennen. Kick: "Wir sind mit den Gutachtern technisch auf einem sehr guten Weg, den Bau genehmigt zu bekommen, ohne dass wir riesige technische Konzepte oder Schutzmaßnahmen auffahren müssen. Wir können die Grenzwerte, die gesetzlich vorgegeben sind, einhalten."

Knackpunkt Kaolinstraße

Nun sagen Grenzwerte aber nichts darüber aus, wie die baldige Veränderung von den Bürgern wahrgenommen wird. Insbesondere die Mitglieder der Bürgerinitiative Elwusch (Bürgerinitiative zum Erhalt und zur Förderung der Wohn-, Lebens- und Umweltqualität in der Stadt Schnaittenbach) begleiten die Pläne zum Werksneubau kritisch. Ihr Vorsitzender, Georg Dobmeier, war ebenfalls auf der Bürgerinformationsveranstaltung. Ihm zufolge war die Veranstaltung eigentlich zu spät dran. "Wir sind in einem Stadium, in dem die Firma ihr fertiges Produkt präsentiert. Das ist natürlich im Detail schon ausgearbeitet. Jetzt kann man sich über das Grundlegende, den Standort, den wir gerne woanders, nämlich zwei Kilometer weiter in Richtung Hirschau, gehabt hätten, nicht mehr unterhalten."

Eines der grundsätzlichen Probleme, das mit dem Werksneubau in Schnaittenbach einhergeht, sieht nicht nur Dobmeier, sondern auch Schnaittenbachs Zweiter Bürgermeister, Uwe Bergmann (SPD), in der Verkehrsbelastung auf der B14 und der Kaolinstraße, die das Werk als Zufahrt nutzt. Die AKW-Verantwortlichen machen keinen Hehl daraus, dass sich die Zahl der Lkw auf der Kaolinstraße von derzeit durchschnittlich 59 Fahrzeugen künftig auf rund 118 verdoppeln wird. Allerdings geben sie zu bedenken, dass die Kaolinstraße a) speziell als Zufahrt für das Werk konzipiert wurde und b) sowohl aufgrund der Breite als auch aufgrund der Bauart auf diesen Schwerlastverkehr ausgelegt wurde.

Ist ein Ausbau nötig?

Zudem würden auch mit 118 Lkw pro Tag die Grenzwerte der Lärmbelastung deutlich unterschritten, und der Verkehr auf der B14 würde gleich bleiben. Dobmeier: "Man sagt da einfach, das ist eine Form der Straßenbelastung, die ihr ertragen müsst. Aber die Betroffenen leiden ja jetzt schon darunter."

Auch Uwe Bergmann ist der Überzeugung, dass zwischen der Stadt Schnaittenbach und dem AKW dringend noch nachverhandelt werden muss. "Ich nehme selbstverständlich wahr, dass es Befürchtungen seitens der Bürger gibt, was den Verkehr und die Lärmbelastung angeht." Seiner Meinung nach ist die Kaolinstraße, die bereits jetzt von vielen Rissen durchzogen ist, in diesem Zustand nicht für den Schwerlastverkehr geeignet. "Wir sprechen ja nicht nur vom Werksverkehr, sondern auch vom Bauverkehr, der über die Ortsstraße rollen wird. Da ist die Straße meiner Meinung nach viel zu schwach." Zudem brauche es dringend eine andere Zufahrtsregelung von der B14 rein in die Kaolinstraße. "Wenn die Lkw von der B14 in die Kaolinstraße abbiegen wollen, dann steht der Verkehr jetzt schon. Hinzu komme, dass die Kaolinstraße nach oben hin ansteigt. "Es ist insbesondere der Lkw-Lärm, der beim Anfahren entsteht, der die Menschen in der unmittelbaren Umgebung umtreibt." Bei einer Sanierung der Kaolinstraße würden die Kosten an der Stadt Schnaittenbach hängenbleiben. Bergmann hofft, dass sich Stadt und Konzern auf eine Lösung einigen können, mit der beide Seiten leben können und der auch die Anwohner zumindest ein wenig entlastet. Trotz der Kritik stellt Schnaittenbachs Zweiter Bürgermeister aber auch klar, dass er "das klare Bekenntnis zum Standort Schnaittenbach" sehr begrüßt.

Kritik am Format

Mit dem Bürgerinformationsabend haben die AKW ein neues Format ausprobiert. Anstelle eines zentralen Vortrags, zu dem anschließend Fragen gestellt werden können, waren im Vitusheim einzelne Stände mit Ansprechpartnern wie bei einer Messe aufgebaut, die über den Werksneubau und Aspekte wie Verkehrs- und Immissionsbelastung sowie den Einsatz von Chemikalien aufklären sollten. Werksleiter Kick war zufrieden. "Die Veranstaltung dient dazu, den Leuten ihre Sorgen zu nehmen und sie gleichzeitig in den Prozess einzubinden." Die Gespräche, die er dort selbst geführt habe, seien "konstruktiv und vom Austausch geprägt" gewesen.

"Interessierte Bürger wollen sich hier über die Sachlage erkundigen und mit uns ihre Sorgen teilen. Man wird nicht mit jedem Gespräch sofort auf einen Konsens kommen, aber wir bieten die Möglichkeit, Sorgen anzubringen und im Gespräch mit den Experten gewisse Beruhigung zu erfahren." Weniger überzeugt vom Format waren Dobmeier und Bergmann. "Es ist ein bisschen unglücklich, dass das Konzept hier nicht so vorgestellt wird wie im Stadtrat, sodass auch Fragen - vielleicht auch kritische - gestellt werden können, die für alle Anwesenden interessant sind", sagte Bergmann. Gleicher Auffassung war auch Dobmeier. Er ergänzte: "Prinzipiell ist es ja zu begrüßen, dass das AKW Kick eine solche Infoveranstaltung macht. Ich glaube aber, das Format ist für viele überfordernd. Ich hätte mir zumindest eine zentrale Einführung gewünscht. Danach hätte man die Info-Stände besuchen können." Das Format sei allgemein dafür verantwortlich, dass es schwierig sei, "kritische Fragen an der richtigen Stelle anzubringen".

Info:

Zeitplan für den Werksneubau

  • Von 2024 bis voraussichtlich Februar 2025: Genehmigungsverfahren mit Gutachten sowie detaillierte Planung technischer Aspekte
  • Februar 2025: Freigabe der Detailplanung samt einer Entscheidung über die finalen Pläne
  • Ab April 2025: Beginn der Bauarbeiten mit straffem Zeitplan
  • Anfang 2027: Fertigstellung des neuen Werks und Aufnahme des Betriebs am neuen Standort
OnetzPlus
Schnaittenbach23.10.2024
VideoOnetzPlus
Hirschau23.09.2024
OnetzPlus
Schnaittenbach20.09.2024
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.