13.02.2021 - 00:35 Uhr
SchnaittenbachOberpfalz

Schmankerln aus der Schnaittenbacher Geschichte

Als spannendes Lesebuch hat Reinhold Strobl die Schnaittenbacher Stadtchroniken entdeckt, nachdem er beschlossen hatte, sich anlässlich des 750-jährigen Stadtjubiläums mit deren Geschichte auseinanderzusetzen.

Im Ruhestand findet Reinhold Strobel anlässlich des 750-jährigen Stadtjuiläums von Schnaittenbach die Muße und Zeit, sich mit den Stadtchroniken auseinanderzusetzen und eine Zeitreise in die Vergangenheit seiner Heimatstadt zu unternehmen. Das Ergebnis sind seine "Schmankerln", die spannendsten und interessantesten Geschichten aus der Geschichte von Schnaittenbach.
von Adele SchützProfil

Der frühere MdB/MdL, Kreis- und Stadtrat, Bezirksvorsitzender AG 60plus (SPD) Oberpfalz und stellvertretender Vorsitzender der LAG Mali-Hilfe mit der sozialen Ader erinnert: „Diese Stadtchroniken waren Bücher, die man einmal geschenkt bekam und dann ungelesen in das Regal stellte, ohne zu ahnen, welcher hoch interessante und reiche Wissensschatz sich darin an Inhalt verbirgt.“ Im wohlverdienten Ruhestand hat nun Reinhold Strobl die Muße und Zeit, sich mit der Geschichte seiner Heimatstadt zu beschäftigen. „Ich bin sehr positiv überrascht, auf welche fesselnde Zeitreisen die Chroniken den Leser entführen können“, bemerkt Strobl. Er hat aus den Chroniken von Schnaittenbach von Dr. Heribert Batzl, Walter Volland sowie Georg Landgraf eine kleine Sammlung der für ihn spannendsten und interessantesten Geschichten zusammengestellt. „Schmankerln“ aus den Schnaittenbacher Stadtchroniken nennt Reinhold Strobl seine Zusammenstellung der Geschichten aus der Geschichte von Schnaittenbach, aus denen er folgende Erkenntnisse zieht: Die Jugend war früher auch nicht besser als heute; auch frühe Pfarrer hatten schon ein unglückliches Familienleben (1616); die Bauern jammerten über den weißen Sand; ein Schnaittenbacher kämpfte für den Papst.

„War die Jugend früher besser?“ Dieser Frage ist Reinhold Strobl zuerst nachgegangen und wies darauf hin, dass es laut Chroniken schon 1579 Klagen diesbezüglich gegeben habe. Unter Kurfürst Ludwig VI. (1576 – 1583) habe der Protestantismus erneut Eingang in unsere Region gefunden. Der Konfessionswechsel habe sich auch auf Sittlichkeit und Moral ausgewirkt und so werde im Visitationsbericht von 1579 über die „gottlose Jugend“ geklagt. „Viel fremdes Volk in Schnaittenbach mit herumziehenden Vagabunden trugen nicht zuletzt zum allgemeinen sittlichen Verfall bei“, vermerkt Strobl in seinen Aufzeichnungen.

Pfarrer flüchtet

„Auch früher hatten Pfarrer schon ein unglückliches Familienleben“, darüber geben die Chroniken nach seinen Aussagen ebenfalls Auskunft. Um 1616 in der Amtszeit von Pfarrer Jakob Herold, der ehedem Praeceptor am Paedagogium in Amberg und dann Pfarrer in Gebenbach gewesen sei, sei 1616 unter Kurfürst Friedrich V. die offizielle Einführung des Kalvinismus erfolgt. „Nach dem Visitationsbericht von 1616 war Pfarrer Herold in seinem Amt fleißig, hielt außer der Reihe an Mittwoch und Freitag Predigten, seine Pfarrkinder waren mit ihm zufrieden. Jedoch bot sein unglückliches Familienleben, an welchem die Frau hauptsächlich Schuld trug, Anlass zur Kritik“, lässt Strobl wissen. Mit dem Jahr 1625 habe sich nach seinen Aussagen die Glaubenssituation gewandelt als am 23. September d.J. Kurfürst Maximilian das erste Generalmandat zur Anweisung aller nichtkatholischen Religionsdiener erlassen habe. „Es betraf zwar um den 30. September zunächst den Amberger Kirchenrat, doch war es nur eine Frage der Zeit, wann auch die übrigen Geistlichen ‚abgeschafft‘ werden würden“, bemerkt Reinhold Strobl. Dies habe sehr bald auch eben dieser Schnaittenbacher Pfarrer Jakob Herold erkannt, der seine Pfarrstelle samt Frau und Tochter mit unbekanntem Ziel verlassen habe, aus Angst vor Konsequenzen dieses Konfessionswechsels als katholischer Geistlicher.

Ab dem 16. bis ins 19. Jahrhundert hinein sei laut Strobl fast kein Jahrzehnt, ja kein Jahr, vergangen, wo nicht irgendwelche fremden Truppen durch Schnaittenbach gezogen seien und den Ort geplündert hätten. Ein Beispiel aus der Chronik führt Strobl an: Spanier und springensteinisches Kriegsvolk waren am 30. Juni 1622 in Gebenbach und Schnaittenbach einquartiert. Durch die fortgesetzte Einquartierung von Soldaten, ihre Ausschreitungen und nicht zuletzt die kleinen marodierenden Banden, die den Heereszügen folgten und durch Raub und Plünderung Schrecken verbreiteten, war eine allgemeine Unsicherheit entstanden, unter der alle Berufszweige litten. Da durchziehende Truppen in erster Linie Pferde raubten, hielt sich niemand mehr Pferde, weshalb viele Felder nicht mehr bestellt wurden. Die Bevölkerung floh beim Heranziehen der Soldaten in die Wälder, was die Lebensmittelerzeugung noch mehr beeinträchtigt habe. Die Geldentwertung führte dazu, dass die Bauern die Märkte nicht mehr belieferten. Schwierigkeiten gab es auch mit Dienstboten und Handwerksgesellen, welche erhöhte Anforderungen stellten, da sie das Kriegshandwerk mit der Aussicht auf Beute lockte. Zu einem wirtschaftlichen Tiefstand und einer Missernte kam 1625 die aus Böhmen eingeschleppte Pest.

Verärgert wegen Sand

Aus der Chronik hat Strobl auch erfahren, dass die Landwirte vor gut 200 Jahren auf die kaolinhaltigen Sande im Raume Hirschau-Schnaittenbach nicht gut zu sprechen gewesen seien. Vor allem die Bauern hätten nach seinen Aussagen in einer überlieferten Steuerbeschreibung von 1770 darüber geklagt. Reinhold Strobl verwies weiter auf den großen Brand in Schnaittenbach am 28. September 1817, bei dem fast 4/5 des Ortes, inklusive Rathaus, in kürzester Zeit in einen rauchenden Schutthaufen versetzt worden sei. „Das daraus resultierende Elend für die Ortsbewohner muss grenzenlos gewesen sein“, bemerkt Strobl. Er verwies auch noch auf die große Überschwemmung in Schnaittenbach am 28. Juni 1830.

Spannend fand Strobl auch, dass 1861 ein Schnaittenbacher als Soldat in päpstlichen Diensten im Kriege des Kirchenstaates gegen das Königreich Italien diente: Christian Haas von Forst wurde von Papst Pius IX. die Tapferkeitsmedaille verliehen.

„Ein absoluter Höhepunkt in der Geschichte von Schnaittenbach war am 5.Oktober 1898 die Eröffnung der Bahnstrecke Amberg-Schnaittenbach, die neues Leben in den Ort brachte“, bemerkt Strobl, der sich weiter mit den Chroniken seiner Heimatstadt befassen wird.

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